Griechenland – hinauf zum Sitz der Götter
Zeus, Hermes, Athene: Seit Christopher Nolans Blockbuster «Die Odyssee» sind die alten griechischen Götter wieder im Gespräch. Passend dazu hat es nun auch ihr legendärer Wohnort auf die Unesco-Liste geschafft: der Olymp.
Der Berg und sein Umland gehören gleich aus zwei Gründen auf die Unesco-Liste: wegen der Bedeutung für die griechische Mythologie und wegen der aussergewöhnlichen Natur. Nur wenige Kilometer vom Ägäischen Meer entfernt ragt der Olymp bis auf 2918 Meter in den hellenischen Himmel. Auf dem Weg nach oben wechseln Klima und Landschaft immer wieder ihr Gesicht.
Fast 2000 Pflanzenarten wurden im Gebiet gezählt, darunter einige Arten, die nur hier wachsen. Zum Welterbe gehört ausserdem die antike Stadt Dion am Fuss des Berges, einst ein bedeutendes Heiligtum verschiedener griechischer Götter.
Tipp: Im olympischen Massiv lässt sich herrlich wandern. Vielleicht begegnet einem ja Apollo oder Athene – ausgeschlossen ist es nicht.
Finnland – auf den Spuren von Alvar Aalto
Nordisches Design kann mehr als IKEA-Billy-Regale. Es kann auch Möbel, Küchenutensilien und Lampen und ist damit weltweit erfolgreich. Doch Skandinavien setzt nicht nur bei Alltagsgegenständen Massstäbe, sondern auch mit Architektur. Der grösste Architekturstar war und ist der Finne Alvar Aalto (1898–1976), dessen Bauten es in Finnland nun zum Weltkulturerbe geschafft haben.
Aaltos grosse Kunst bestand darin, die kühle Klarheit der Moderne mit natürlichen Materialien und sanft geschwungenen Formen zu verbinden. Insgesamt 13 seiner Gebäude sind im Süden Finnlands ausgezeichnet worden – perfekt für einen kleinen Architektur-Roadtrip, bei dem unterwegs auch Finnlands Seen und scheinbar endlose Wälder vorüberziehen.
Polen – die Stadt, die (fast) über Nacht entstand
Wer an Polen denkt, denkt an Krakau, Warschau oder Danzig. Aber Gdynia? Keine Ahnung! Kaum jemand hat die Hafenstadt auf dem Radar. Dabei verbirgt sich hier eines der spannendsten Stadtprojekte an der Ostsee.
Der Grund liegt in ihrer ungewöhnlichen Geschichte. Nach dem Ersten Weltkrieg brauchte das unabhängige Polen einen modernen Zugang zur Ostsee. Zwischen 1926 und 1939 entstand deshalb praktisch aus dem Nichts ein neues Stadtzentrum. Das Ergebnis ist ein geschlossenes Ensemble früher moderner Architektur: licht, funktional und schnörkellos. Manche Gebäude erinnern mit ihren runden Balkonen und Relings sogar an Ozeandampfer.
Tipp: Gdynia lässt sich mit dem historischen Danzig und dem Seebad Sopot zu einem Trip an die Ostsee verbinden.
Languedoc, Frankreich – Burgen wie aus einem Fantasyfilm
Manche neuen Weltkulturerbestätten lösen vor allem eine Frage aus: Warum erst jetzt? Genau so ist es bei den spektakulären Burgen im Languedoc im Süden Frankreichs. Keine anderen Burgen Europas kleben so spektakulär auf Felsnadeln oder Berggraten. Die Befestigungsanlagen entstanden im Pyrenäenvorland im 13. Jahrhundert als Bollwerke gegen die spanischen Reiche im Süden.
Zudem ist ihre Geschichte eng mit den Kreuzzügen gegen die Katharer verbunden, die sich hier im Mittelalter verschanzten und für ihren Glauben auf dem Scheiterhaufen starben. Zu den neun Welterbestätten zählt auch Carcassonne, eine der schönsten mittelalterlichen Städte Frankreichs.
Tipp: Die Burgen lassen sich entweder bei einem Roadtrip besuchen oder im Rahmen einer Fernwanderung: Viele liegen am 200 Kilometer langen Katharerwanderweg.
Usbekistan – Taschkents wilde Moderne
Zentralasien liegt weit abseits der grossen Touristenströme. Dabei warten hier weite Steppen, Nomadenkulturen und Städte voller Geschichte. Einst verlief durch die Region die Seidenstrasse. Jetzt gibt es einen weiteren Grund für die Reise: Taschkent. Teile der usbekischen Hauptstadt wurden zum Unesco-Welterbe ernannt. Nach einem schweren Erdbeben im Jahr 1966 wurde Taschkent auf dem Reissbrett geplant und grossflächig neu aufgebaut.
Zehn Gebäude und Anlagen aus den 1960er- bis frühen 1990er-Jahren zeigen eine besondere Spielart der Moderne. Internationale Ideen und russische Stadtplanung trafen dabei auf usbekisch-islamische Ornamente und die Anforderungen an das heisse Klima.
Tipp: Nachdem man die zentralasiatische Moderne entdeckt hat, gehts weiter zu den Altstädten von Samarkand und Buchara, in denen man sich fühlt wie in 1001 Nacht.
Tunesien – blau-weisses Bilderbuch über dem Meer
Weisse Häuser, leuchtend blaue Türen, pinke Bougainvilleen und dahinter das Meer: Sidi Bou Saïd ist eines der schönsten Dörfchen entlang des afrikanischen Mittelmeers. Das Dorf nördlich von Tunis gehört zu den bekanntesten Ausflugszielen Tunesiens – und nun auch zum Unesco-Welterbe. Der Ort entwickelte sich im 13. Jahrhundert rund um das Mausoleum eines Sufi-Heiligen, nach dem das Dorf benannt ist.
Die heutige Architektur, die etwas an griechische Inseln erinnert, entwickelte sich allerdings erst später. Im letzten Jahrhundert entdeckten schliesslich europäische Intellektuelle und Künstler den Ort und machten ihn ausserhalb Tunesiens bekannt. So sehr, dass Sidi Bou Saïd mittlerweile an Overtourism leidet.
Tipp: Im Ort übernachten und die malerischen Gassen geniessen, wenn die Tagesgäste wieder verschwunden sind.