Darum gehts
- Patagonien beeindruckt mit 17'000 Gletschern und einer mystischen Landschaft
- Die Region wird auch das «Land am Ende der Welt» genannt
- Roadtripp mit atemberaubend spektakulären Naturereignissen
Er ist eine natürliche Schönheit. So gewaltig, dass mir der erste Anblick einen tiefen Seufzer entringt. Ich bin froh, dass ich den Tipp des Rezeptionisten meines Hotels befolgt habe: Früh am Morgen in den Los-Glaciares-Nationalpark aufbrechen, dann hat man den Perito Moreno noch für sich.
Dieser gilt als der Gletscher aller Gletscher – und das will in Patagonien etwas heissen. Schliesslich gibt es in dem Landstrich, der sich über Chile und Argentinien erstreckt, mehr als 17’000 Gletscher. Der Perito Moreno wurde von der Unesco zum Weltnaturerbe erklärt.
Ausgangspunkt für einen Besuch ist El Calafate. Die Stadt in der argentinischen Provinz Santa Cruz liegt am Lago Argentino und wäre ohne ihr Aushängeschild wohl wenig bekannt. Jetzt ist hier alles auf den Tourismus ausgerichtet. Wer die Hauptstrasse Avenida Libertador entlangschlendert, passiert hippe Cafés, Restaurants und einen Souvenirladen nach dem anderen.
Unterwegs zum Perito Moreno lege ich beim Aussichtspunkt «El Mirador de los Suspiros» einen Stopp ein. Schon jetzt eröffnet sich mir eine grandiose Sicht: Mit einer Höhe von 60 Metern, einer Breite von 5 Kilometern und einer Länge von 30 Kilometern ist der Perito Moreno ein Koloss aus Eis, der wie ein weisser Teppich in der Landschaft liegt und mit den Bergen am Horizont verschmilzt.
Angekommen, führt ei Steg aus Holz zu verschiedenen Aussichtsplattformen. Der Weg verläuft entlang des intensiv türkisblauen Lago Argentino und durch Waldabschnitte mit Bäumen, die vom tapferen Kampf gegen den Wind bizarre Formen angenommen haben. Dann durchbricht ein dumpfes Grollen die morgendliche Stille. Ich renne los und werde Zeuge eines Natur-Spektakels.
Von weit oben am Gletscher löst sich ein riesiges Stück Eis, fällt in die Tiefe und wird vom Lago Argentino verschluckt, um Sekunden später wieder aus dem Wasser zu schiessen. Das entlockt den Zuschauenden «Oohs!» und «Aahs!» Der Perito Moreno ist eben nicht nur wegen seiner Grösse eine Berühmtheit, sondern auch, weil regelmässig Eisstücke abbröckeln.
Nach diesem Naturschauspiel setze ich die Fahrt fort. Mehrere Tausend Kilometer liegen auf dem Weg hinauf nach Puerto Varas vor mir. Auf der Reise Richtung Norden begegnen mir kaum Menschen, dafür immer wieder Guanakos und Füchse. Stundenlang fährt man durch karge Landschaften. Nicht umsonst wird Patagonien auch als «Land am Ende der Welt» bezeichnet.
Je weiter man sich in Richtung Puerto Varas bewegt, desto grüner wird die Umgebung. Grüner als beim nächsten Stopp, im mystischen Regenwald des Nationalparks Queulat, wirds nicht. Der Park liegt in der Nähe des Dorfes Puyuhuapi in der chilenischen Provinz Aysén und an der mehr als 1200 Kilometer langen Patagonien-Route «Carretera Austral».
Grün dominiert auch in Bariloche am See Nahuel Huapi in Argentinien – neben Blau. Die Stadt ist umgeben von Wäldern und Seen. So ist es quasi Pflicht, dass ich die Sieben-Seen-Route von Bariloche nach San Martin de los Andes absolviere. Auf den 108 Kilometern erblickt man in der Ferne die schneebedeckten Anden, es glitzern die Seen in der Sonne. Alles Kontraste, von denen es während einer Fahrt durch Patagonien unzählige gibt.