Barolo, Italien – im Land der schweren Weine
Goldrot gefärbte Landschaften, der Duft von reifen Trauben und Erntedankfeste: Weinregionen umweht im Herbst ein ganz besonderer Zauber. Ob man sich nun für das Bordelais in Frankreich, Rheinhessen in Deutschland oder das Waadtland entscheidet, (fast) jede Weinregion verspricht schöne Ferientage.
Eine der malerischsten Gegenden, in denen Spitzenwein gekeltert wird, ist die Gegend um Barolo im italienischen Piemont. Rund um die Orte Barolo, La Morra und Monforte d’Alba ziehen sich die Weinberge in sanften Wellen über die Hügel, auf deren Kuppen postkartenschöne Dörfer thronen. Der Barolo, der aus der Nebbiolo-Traube gekeltert wird, ist ein kraftvoller Rotwein, der perfekt zur vollmundigen Küche der Region passt – ein paar Stunden in einer Trattoria zu vertrödeln, gehört hier deshalb zum Pflichtprogramm. Im Spätherbst beginnt zudem die Suche nach schwarzen und weissen Trüffeln. Dann veredeln die kostbaren Knollen beinahe jede Speisekarte der Region. Ein Genuss.
Informationen
- Übernachtungstipp: Das Agriturismo Casa Scaparone bei Alba mit eigenem, ausgezeichnetem Restaurant.
- Bestes Restaurant: Das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Ristorante All’Enoteca in Canale.
- Schönster Blick: Vom Aussichtspunkt in La Morra.
Spessart, Deutschland – Bayerns Geheimtipp
Keine Sorge: Im Spessart ziehen keine marodierenden Räuberbanden mehr durch die Wälder – höchstens noch über die eine oder andere Freilichtbühne, wenn Wilhelm Hauffs Novelle «Das Wirtshaus im Spessart» aufgeführt wird. Verfilmt wurde der Stoff übrigens mit der bezaubernden Liselotte Pulver.
Der Spessart im Nordwesten Bayerns ist der grösste zusammenhängende Laubmischwald Deutschlands – und im Herbst spielt er seine ganze Schönheit aus. Über die sanften Hügel (die höchste Erhebung ist gerade einmal 586 Meter hoch) lässt es sich herrlich wandern und Velofahren. Besonders reizvoll ist jetzt der fränkische Rotweinwanderweg, der dem Main entlangführt. Unterwegs lockt so manche Heckenwirtschaft mit jungem Sauser. Endpunkt des 79 Kilometer langen Wanderweges ist Miltenberg, eine der schönsten mittelalterlichen Städte Bayerns. Und weil Wandern hungrig macht, gehört ein Stopp im Gasthaus zum Riesen in Miltenberg dazu, das seit dem Jahr 1411 Reisenden Kost und Logis bietet und zu den ältesten Gasthäusern Deutschlands zählt.
Informationen
- Übernachtungstipp: Das Gasthaus zum Riesen in Miltenberg, wo schon König Barbarossa und Elvis Presley geschlafen haben.
- Bestes Restaurant: Kalt-Loch-Bräustüble, Miltenberg: urchig und fränkisch deftig. Lecker.
- Schönster Spot: Das Wasserschloss von Mespelbrunn mitten im Wald.
Katharerland, Frankreich – Burgen über den Weinbergen
Adlerhorsten gleich klammern sich Burgen wie Peyrepertuse und Quéribus an die schroffen Felsen der Corbières südlich von Carcassonne. Im 13. Jahrhundert tobte hier der Kreuzzug gegen die Katharer, die von der katholischen Kirche als Ketzer verfolgt wurden und sich in den Burgen verschanzten. Esoteriker schreiben dem Landstrich bis heute eine besondere «Energie» zu. Hier befindet sich auch der Berg Bugarach, auf dem angeblich UFOs landen. Aber auch ganz ohne Esoterik-Geschwurbel ist die Region zwischen dem Canal du Midi und den Pyrenäen südfranzösisch «magnifique». Vor allem im Herbst.
Die Weinberge der Corbières glühen allmählich rot, die grosse Sommerhitze ist vorbei, und auf den kleinen Strassen lässt sich wunderbar von Burg zu Burg touren. Unbedingt besuchen sollte man Peyrepertuse, dessen Mauern spektakulär über einen Felsgrat verlaufen, und Quéribus hoch über dem hübschen Dorf Cucugnan. Wer es aktiver mag, kann ein Stück dem Katharerwanderweg folgen und Geschichte mit Landschaft und Genuss verbinden.
Informationen
- Übernachtungstipp: Hostellerie du Vieux Moulin in Duilhac-sous-Peyrepertuse – ideal gelegen für die Burgen der Corbières.
- Bestes Restaurant: Logis Hôtel Auberge du Vigneron in Cucugnan. Traditionelle Küche in einem ehemaligen Weinkeller.
- Schönster Spot: Château de Peyrepertuse. Die Festung zieht sich hoch oben über einen Felsgrat – mit weitem Blick über die Weinberge und die Corbières.
Cairngorms, Schottland – wenn die Hirsche röhren
Wenn im Herbst die Hirsche röhren, hallt ihr Ruf durch die schottischen Highlands – manchmal so laut, dass man sich beinahe die Ohren zuhalten möchte. Eindrücklicher lässt sich der Herbst kaum ankündigen. Zwischen September und November buhlen die Rothirsche um die Gunst der Weibchen. Ein guter Ort, um das Schauspiel zu erleben, ist der Cairngorms National Park, der grösste Nationalpark Grossbritanniens: eine raue Landschaft aus Bergen, Mooren, dunklen Lochs und uralten kaledonischen Kiefernwäldern.
Besonders schön ist der Rothiemurchus Forest bei Aviemore. Eine einfache Wanderung führt dort um Loch an Eilean, in dessen Mitte auf einer kleinen Insel die Ruine einer Burg aus dem 14. Jahrhundert steht. Wer es wilder liebt, sollte sich weiter ins Bergland wagen, wo die Landschaft karg und weit wird wie skandinavische Tundra. Und was gehört in Schottland immer mit dazu? Der Besuch in einem gemütlichen Pub: Teppichboden unter den Füssen, Kaminfeuer vor der Nase, Whisky im Glas. Slàinte!
Informationen
- Übernachtungstipp: The Fife Arms in Braemar, ein prachtvolles viktorianisches Hotel aus dem 19. Jahrhundert. Nicht günstig, aber stilvoll.
- Bestes Restaurant: The Old Bridge Inn & Bunkhouse in Aviemore. Gemütlicher Gastropub in einem ehemaligen Wildhüterhaus direkt am River Spey.
- Sightseeing-Tipp: Am Rande der Cairngorms liegt Balmoral Castle, das schottische Schloss der Royals. Falls König Charles gerade nicht da ist, steht es Besuchern offen.
Appenzellerland – die Schönheit der Schweiz im Kleinformat
Wenn es Herbst wird, entfaltet das Appenzellerland seinen vielleicht wahrsten Charme. Oder sollte man «Magie» sagen? Denn wenn die Bauern in ihren Trachten mit ihren Kühen jodelnd von den Alpen ziehen und bei den Viehschauen die schönsten Tiere prämiert werden, zeigt sich die Liebe der Appenzeller zu ihren Traditionen von der schönsten Seite. Und der Alpstein, dieses kleine Gebirge, das so viele tolle Wanderungen bietet, blüht an den warmen Herbsttagen nochmals so richtig auf. Die Touristenmassen des Sommers, die hier manchmal einfallen, sind dann längst verschwunden und Ruhe kehrt wieder ein. Meine Lieblingswanderung: von der Ebenalp über den Schäfler zum Berggasthaus Mesmer und am nächsten Tag über die Ageteplatte und die Meglisalp zum Seealpsee.
Informationen
- Schönste Berggasthäuser zum Übernachten im Alpstein: Schäfler, Mesmer, Meglisalp, Bollenwees.
- Aussergewöhnliche Übernachtung: Das Kloster Maria der Engel in Appenzell bietet schlichte Zimmer in besonderer klösterlicher Atmosphäre.
- Shoppingtipp: Die Flauderei in Appenzell ist Café, Laden und verspielte Markenwelt von Flauder in einem.