Darum gehts
- Die Medina von Marrakesch bietet ein einmaliges Sinneserlebnis mit exotischem Flair
- Der Djemaa el Fna-Platz lockt mit Gauklern, Schlangenbeschwörern und Minztee
- 200 000 Einwohner, 19 km Stadtmauer und das 77 Meter hohe Minarett
Was uns hier gerade von hinten überholt, hat grosse Ohren, den Blick gesenkt und zieht einen beladenen Karren hinter sich her. Doch nicht nur Maultiere, auch ratternde Töffli, Fahrräder, schwatzende Schülerinnen, Kapuzenmänner und Touristengrüppchen mit ihren Guides bahnen sich ihren Weg durch die engen Gassen der Medina von Marrakesch.
In der Luft liegt ein Duft-Potpourri von Gewürzen, Blüten und Benzin, in der Ferne ruft der Muezzin zum Gebet, während kleine Wolken langsam das letzte Blau des Himmels überziehen. Es wird Abend in der roten Stadt, und der Djemaa el Fna, ein beliebter Treffpunkt eingangs der Medina, erwacht zum Leben. Der Name des berühmtesten Platzes von Marrakesch heisst übersetzt «Versammlung der Toten». Wo heute Gaukler ihr Können zum Besten geben, stellten früher Sultane die aufgespiessten Köpfe hingerichteter Verbrecher zur Schau.
Quer durchs Geschehen schlendernd, lässt sich die magische Stimmung besonders gut aufnehmen. Vorbei gehts an Wahrsagerinnen, Feuerschluckern, Tanz- und Musikgruppen, Essständen, Akrobaten, dressierten Affen und Schlangenbeschwörern. Letztere bitte mit Abstand beobachten. Nicht nur sind die zum Flötengedudel ihre Köpfe reckenden Kobras toxisch – giftig auch die Preise, die ihre Meister für ein Foto verlangen.
Die exotische Atmosphäre lässt sich gut in den Cafés und Restaurants am Rande des Platzes geniessen. Besonders hübsch: Im «Lafarmacie» sitzt man an rot-weiss karierten Tischdecken in der ersten Reihe. Der Tomaten-Gurken-Salat mit frischer Minze, die Tajine (Eintopf aus Fleisch und Gemüse) und die mit Zimt gewürzte Orange konkurrieren mit der Aussicht.
Entdecken Sie Marokko mit Edelweiss und fliegen Sie ganzjährig mehrmals wöchentlich direkt nach Marrakesch. Gepäck, Sportgepäck und Verpflegung an Bord sind im Preis inbegriffen.
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Der unangefochtene Star marokkanischer Gastfreundschaft ist der Minztee. Stark im Geschmack und meist von Männern gebraut, wird er aus der Höhe ins Glas gegossen, damit ein Schäumchen entsteht. Geniessen sollte man ihn in kleinen Schlucken und am besten gleich dreimal: Das erste Glas ist bitter wie das Leben, das zweite stark wie die Liebe und das dritte sanft wie der Tod.
Die ummauerte Medina bildet das Herzstück, die Altstadt, von Marrakesch. Sie beheimatet rund 200 000 Einwohnerinnen und Einwohner. Die 19 Kilometer lange Mauer diente nicht nur dem Schutz der Stadt, auch galt es damals, eine der wichtigsten Karavanenrouten, auf der Gold aus dem Sudan transportiert wurde, zu schützen. Den roten Lehmhäusern wegen nennt man Marrakesch auch die rote Stadt, und ihr Wahrzeichen, das 77 Meter hohe Minarett (im Innern führt eine Rampe nach oben, damit der Muezzin nicht laufen, sondern mit dem Maultier hochreiten konnte) der Koutoubia-Moschee, kann zur Orientierung im teils chaotischen Gefüge der Medina helfen.
Marokkos Zauberformel für Leichtigkeit und Lebensfreude heisst: inschallah. Jede Abmachung, jedes Gespräch endet mit «so Gott will». Wer darauf vertraut, dass der Mensch ohne die Hilfe von oben nichts vermag, entspannt sich ungemein. Entspannung vom Sinneschaos der Medina suchte bestimmt auch Pascha Thami El Glaoui, als er 1910 seinen opulenten Palast Dar El Bacha erbauen liess.
Atemberaubend sind die kunstvollen Decken, die unzähligen Mosaikfliesen, die mit gemeisseltem Stuck verzierten Säulen und die geschnitzten Kapitellen. Le Corbusier schaute sich hier das zentrale Oberlicht als Gestaltungselement ab, und im palasteigenen Kaffeezimmer «Bacha Coffee» zelebrieren die Gäste beim Maître du Moka die Tradition des Kaffeetrinkens in stilvollem Ambiente. Ohne Reservation geht hier gar nichts! Kaffee als Bohnen oder geröstet gibts in der -Bacha-Kaffeebibliothek nebenan für alle. Bitte nicht aus Versehen zum «Paraíso Gold» greifen – 100 Gramm kosten rund 900 Franken.
Geschenkt hingegen ist das Durchatmen im himmlischen Innenhof. Wie alle geschützten Freiräume eines jeden Riads widerspiegelt insbesondere dieses die Vorstellung vom Paradies auf Erden: Hohe Palmen, Zitrusbäume, Brunnen und Wasserbecken, Tiere und Stille sorgen für Harmonie. Wer dem Zwitschern des Bülbül lauscht, kann nicht anders, als die Seele baumeln lassen.
Tausendundeine Nacht erwacht unweit der Pascha-Residenz zum Leben. Auf der Suche nach Gewürzen führt der Weg in ein Funduk, eine ehemalige Herberge für Karawanen. Wo früher im Hof die Kamele angebunden wurden, verkaufen heute Maler ihre Bilder, Handwerker ihre Teppiche, Lederwaren, Lampen – und Ahmar seine Gewürze. Ras el Hanout heisst die Mischung aus 35 Zutaten, die jeden noch so unbegabten Koch zum Chef am Herd machen soll. Doch den König der Gewürze holt Ahmar für uns aus dem Safe: Safran! Nur einmal jährlich können die kostbaren Fäden in aufwendiger Handarbeit gezupft werden.
Ein umwerfender Szenenwechsel tut sich denen auf, die Marrakesch in südwestlicher Richtung verlassen. Die Fahrt ist kurz, teils holprig – das Ziel atemberaubend schön. Zu Unrecht steht die Agafay-Wüste im Schatten der berühmten Sahara. Sand hat sie in der Tat keinen zu bieten, dafür eine trockene, karge, von felsigen Hügeln durchzogene Landschaft. Ihr Farbenspiel von Grau- und Beigetönen wird einzig durch das blendende Weiss der schneebedeckten Gipfel des Atlasgebirges unterbrochen.
Das Hotel Caravan Agafay zelebriert die Schlichtheit der Umgebung auf hohem Niveau. Am späten Nachmittag trifft man sich zum Federball oder Brotbacken unter freiem Himmel, diniert wird ebenfalls openair, und für die Nacht ziehen sich die Gäste in ihre im Berber-Chic eingerichteten Zelte zurück – wo vor dem Zubettgehen noch die wärmende Bettflasche vorbeigebracht wird.
Die meistfotografierte Attraktion liegt aber weder in der Medina noch in der Wüste. Sie findet sich jenseits der glutroten Mauern in der Neustadt Marrakeschs. Im Stadtteil Guéliz schuf der französische Maler Jacques Majorelle vor über 100 Jahren einen zauberhaften Garten. Zwischen gigantischen Palmen und herausragend hohen Kakteen sticht immer wieder das geheimnisvolle Kobaltblau der sich auf dem Grundstück befindenden Villa ins Auge. Heute als Majorelle-Blau bekannt, werden im Souvenirshop Farbdosen davon für den Heimgebrauch verkauft.
Gleich nebenan steht das kleine, aber feine Musée Yves Saint Laurent. Der Modedesigner erwarb 1980 den damals verwilderten Majorelle-Garten samt leer stehender Villa, restaurierte alles und sicherte so den Fortbestand der Anlage. Für Garten und Museum müssen vorgängig Tickets samt Timeslot gebucht werden. Übrigens: Ganz ohne Reservation gelangt man in den Concept-Store 33 Rue Majorelle gleich gegenüber. Unbedingt reinschauen und arabisch inspirierte Pop-Art shoppen. Wie beispielsweise die Hand der Fatima als lederner Schlüsselanhänger. Sie schützt vor dem Bösen – inschallah!