69 Tage ohne Nacht
Auf dieser Insel im Norden scheint die Zeit stillzustehen

Keine Eile, kein Blick auf die Uhr und im Sommer sogar Fussball um zwei Uhr morgens bei Tageslicht: Auf der norwegischen Insel Sommarøy ticken die Uhren anders. Die kleine Insel nördlich des Polarkreises lockt mit weissen Sandstränden, türkisblauem Wasser und spektakulären Polarlichtern.
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Die Menschen auf Sommarøy erleben einen Tagesrhythmus, der sich deutlich von jenem in Mitteleuropa unterscheidet
Foto: pexels
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In einer Welt voller Termine, Fristen und ständigem Zeitdruck klingt es fast zu schön, um wahr zu sein: ein Ort, an dem die Uhr im Alltag eine untergeordnete Rolle spielt. Auf der norwegischen Insel Sommarøy versuchen die Menschen, ihren Tagesrhythmus stärker an der Natur als an festen Uhrzeiten auszurichten.

Die Insel liegt rund eine Autostunde von Tromsø entfernt und hat etwa 300 Einwohnerinnen und Einwohner. Ihr Name bedeutet übersetzt «Sommerinsel». Bekannt wurde Sommarøy 2019 durch eine ungewöhnliche Kampagne: Die Bewohner wollten ihre Heimat zur ersten «zeitfreien Zone» der Welt erklären. Als Symbol dafür hängten sie Uhren an die Brücke, die die Insel mit dem Festland verbindet.

Die Idee war vor allem eine symbolische Aktion. Sie sollte zeigen, wie sehr sich das Leben hier nach den natürlichen Lichtverhältnissen richtet.

69 Tage ohne Sonnenuntergang

Auf Sommarøy wird der Unterschied zwischen Sommer und Winter besonders deutlich. Im Sommer geht die Sonne während rund 69 Tagen am Stück nicht unter. Im Winter bleibt sie dagegen während mehr als 70 Tagen unter dem Horizont.

Das verändert auch den Alltag. Wenn es selbst um zwei Uhr morgens noch hell ist, können Kinder draussen Fussball spielen, Nachbarn spontan auf einen Kaffee zusammenkommen und Spaziergänge zu ungewöhnlichen Uhrzeiten stattfinden.

Die Menschen auf Sommarøy erleben dadurch einen Tagesrhythmus, der sich deutlich von jenem in Mitteleuropa unterscheidet. Die Uhr verliert zwar nicht vollständig ihre Bedeutung, doch die natürlichen Lichtverhältnisse prägen den Alltag auf besondere Weise.

Weisse Strände wie in der Karibik

Wer Sommarøy zum ersten Mal sieht, könnte sich beinahe in die Tropen versetzt fühlen. Die Insel besitzt helle Sandstrände und türkisfarbenes Wasser. Im Hintergrund erheben sich allerdings schneebedeckte Berge. Statt tropischer Hitze herrscht hier arktisches Klima.

Früher lebten viele Menschen auf Sommarøy vor allem vom Fischfang, insbesondere vom Kabeljaufang. Heute zieht die Insel zunehmend Reisende an, die Norwegens ursprüngliche Landschaft erleben möchten.

Eine Unterkunftsmöglichkeit ist das Sommarøy Arctic Hotel. Die Umgebung bietet zahlreiche Möglichkeiten, die Natur zu erkunden und die besondere Stimmung der Insel zu geniessen.

Mitternachtssonne: Wandern und Kajakfahren im hellen Licht

Von Ende Mai bis Juli erlebt Sommarøy die Mitternachtssonne. Das Tageslicht scheint nicht enden zu wollen, und selbst spät in der Nacht leuchtet die Landschaft in warmen Farben.

Goldene Nächte in Nordnorwegen: Die MItternachtssonne ist ein eindrückliches Erlebnis.
Foto: Northern Norway Travel

Zu den Erlebnissen, die sich in dieser Zeit anbieten, gehören Wanderungen auf den Berg Ørnfløya. Von dort eröffnet sich ein weiter Blick über Fjorde und Inseln.

Auch eine Kajaktour mitten in der Nacht ist möglich. Während das Wasser im goldenen Licht schimmert, lassen sich mit etwas Glück Seeadler beobachten. Wer möchte, kann sogar um Mitternacht draussen essen, ohne auf künstliche Beleuchtung angewiesen zu sein.

Ein praktischer Tipp für die Reise: Eine Schlafmaske gehört ins Gepäck. Das anhaltende Tageslicht kann das Einschlafen erschweren, besonders wenn die Unterkunft nicht vollständig abgedunkelt werden kann.

Im Winter leuchten die Polarlichter

Während im Sommer das Licht kaum verschwindet, zeigt sich Sommarøy im Winter von einer ganz anderen Seite. Von November bis Januar herrscht dort die Polarnacht. Die Sonne steigt während dieser Zeit nicht über den Horizont.

Völlig dunkel bleibt es trotzdem nicht immer. Rund um die Mittagszeit kann der Himmel in Blau-, Rosa- und Violetttönen leuchten. Dazu kommt die Chance, eines der bekanntesten Naturschauspiele des Nordens zu beobachten: die Polarlichter.

Nicht weniger eindrücklich ists dann im Winter, wenn die Polarlichter den Himmel verzaubern.
Foto: Unsplash

Wenn die grünen Lichtschleier über den Himmel ziehen und sich im Meer spiegeln, entstehen eindrückliche Bilder. Die langen Winternächte laden ausserdem zu Schneeschuhwanderungen, Naturbeobachtungen und gemütlichen Abenden am Feuer ein.

Wer Polarlichter sehen möchte, sollte allerdings genügend Zeit einplanen. Das Naturschauspiel lässt sich nicht garantieren und hängt unter anderem von der Sonnenaktivität und den Wetterbedingungen ab.

So kommst du auf die Insel

Obwohl Sommarøy abgelegen wirkt, ist die Anreise vergleichsweise unkompliziert. Zunächst geht es mit dem Flugzeug nach Tromsø. Von dort dauert die Weiterfahrt mit dem Auto ungefähr eine Stunde. Die Insel ist über Brücken erreichbar, eine Fährfahrt ist nicht nötig.

Wer mehr als nur die Insel erleben möchte, kann den Aufenthalt mit ein paar Tagen in Tromsø verbinden. So lassen sich die arktische Landschaft und das ruhigere Inselleben mit Restaurants, Museen und kulturellen Angeboten der Stadt kombinieren.

Sommarøy ist damit mehr als ein ungewöhnliches Reiseziel. Die Insel zeigt, wie stark Licht und Dunkelheit unseren Alltag beeinflussen können. Und sie erinnert daran, dass nicht jeder Tag nach einem strengen Zeitplan ablaufen muss.

Dieser Artikel erschien zuerst auf blic.rs. Das serbische Newsportal gehört wie Blick zu Ringier.

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