Wem gehört das Meer?
Gratis-Strände in Europa verschwinden: Einheimische wehren sich häufiger

Was früher selbstverständlich war, kostet in manchen Ferienregionen plötzlich Geld: Ein Platz am Meer. In Portugal, Griechenland, der Türkei, Spanien und Italien wächst der Widerstand gegen die zunehmende Kommerzialisierung der Strände.
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Der Strand von Tropea in Calabrien ist im Sommer brechend voll. Platz für kostenloses Sonnenbaden gibts hier nicht.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Strandzugang in Europa zunehmend eingeschränkt durch private Betreiber und Beachclubs
  • Proteste in Portugal und Griechenland gegen kommerzielle Nutzung öffentlicher Strände
  • Griechenland schützt 251 Strände im Natura-2000-Programm seit April 2026
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Ein Handtuch, etwas Sonnencreme und ab ins Meer: Für viele gehört genau das zu einem perfekten Ferientag. Doch in einigen beliebten Reisezielen wird es zunehmend schwieriger, einfach einen freien Platz am Strand zu finden. Liegestühle und Sonnenschirme von Beachclubs breiten sich aus, Hotels beanspruchen attraktive Abschnitte und private Betreiber verlangen teilweise Eintritt oder einen Mindestkonsum.

Dagegen regt sich Widerstand. In Europa kämpfen immer mehr Einheimische dafür, dass der Zugang zum Meer für alle erhalten bleibt.

In Portugal geht es um den freien Zugang

Besonders deutlich zeigt sich der Konflikt derzeit in Portugal. Im Nationalpark Arrábida südlich von Lissabon gingen im Juli mehrere Hundert Menschen auf die Strasse. Sie protestierten gegen Pläne rund um ein privates Anwesen und befürchten, dass traditionelle Wege zum Meer sowie der Zugang zu mehreren Stränden eingeschränkt werden könnten.

Die Demonstranten kritisieren unter anderem Zäune und die mögliche Übernahme einer öffentlichen Strasse. Für sie geht es längst um mehr als um einen einzelnen Strand: Sie sehen darin ein Beispiel dafür, wie attraktive Küstenabschnitte zunehmend unter privaten Einfluss geraten.

Dabei betonen die portugiesischen Behörden, dass es in Portugal keine privaten Strände gebe. Genau deshalb sorgt der Streit für Diskussionen: Auf dem Papier ist der Zugang öffentlich, in der Realität können Zäune, private Grundstücke oder gesperrte Wege den Weg ans Wasser trotzdem erschweren.

Auch im portugiesischen Nationalpark Arrábida hängt der Haussegen schief.
Foto: Getty Images

Griechenland: Mit dem eigenen Badetuch gegen Beachclubs

Auch in Griechenland sorgte die zunehmende Zahl von Liegestühlen und Sonnenschirmen an den Stränden für Proteste. 2023 formierte sich unter anderem auf der Insel Paros die sogenannte «Handtuch-Bewegung».

Die Idee war simpel: Einheimische gingen mit ihren eigenen Badetüchern an den Strand und legten sich dort hin, wo ihrer Ansicht nach öffentliche Flächen von privaten Beachclubs blockiert wurden. Die Protestierenden wollten damit nicht den Tourismus bekämpfen, sondern darauf aufmerksam machen, dass bestimmte Bereiche der Küste weiterhin für alle zugänglich sein sollten.

Der Protest zeigte Wirkung. Im April 2026 weitete die griechische Regierung den Schutz für Strände aus. Insgesamt sind inzwischen 251 Strände im Rahmen des Natura-2000-Programms geschützt. Dort gelten unter anderem Einschränkungen für Sonnenschirme, Liegestühle, Foodtrucks und temporäre Bauten.

Die griechische Idylle, hier auf der Insel Marathonissi, soll bleiben: Im April 2026 weitete die griechische Regierung den Schutz für Strände aus.
Foto: Getty Images

In der Türkei wird der Platz am Wasser ebenfalls knapp

Auch an der türkischen Ägäisküste wird über die zunehmende Kommerzialisierung diskutiert. Von Çeşme über Bodrum bis Ayvalık sind immer mehr Strandabschnitte von Hotels und privaten Beachclubs geprägt.

Teilweise müssen Besucher Eintritt bezahlen oder einen bestimmten Mindestbetrag für Essen und Getränke ausgeben. In Bodrum kam es im Juli zu einem Streit zwischen Einheimischen und privaten Betreibern. Die einen pochten darauf, dass der Strand allen gehören müsse. Die anderen verwiesen auf ihre Rechte an den bewirtschafteten Flächen.

Für viele Einheimische geht es dabei um eine grundsätzliche Frage: Darf der Zugang zum Meer davon abhängen, wie viel Geld jemand für einen Liegestuhl, ein Essen oder einen Drink ausgeben kann?

Italien hat besonders viele Privatstrände

Noch stärker ist die Situation in Italien. Dort gehören private Strandbäder seit Jahrzehnten zum Ferienbild. Betreiber bieten Liegestühle, Sonnenschirme, Restaurants, Pools und weitere Dienstleistungen an.

Das Problem: Freie Strandabschnitte, sogenannte «spiagge libere», sind in beliebten Ferienregionen teilweise schwer zu finden. Wer einen kostenlosen Platz sucht, muss häufig weiter gehen und landet nicht selten an weniger gut erschlossenen Küstenabschnitten.

In einigen Regionen ist der Anteil der von privaten Betreibern bewirtschafteten Strände besonders hoch. Gleichzeitig wird seit Jahren darüber diskutiert, wie die Vergabe der Konzessionen für die Küste geregelt werden soll.

Die Auseinandersetzung hat inzwischen auch ganz alltägliche Fragen erreicht. In Apulien sorgte etwa der Fall einer Frau für Aufsehen, die mit ihrem Sohn eigenes Essen an den Strand mitgebracht hatte. Obwohl sie für Liegestühle und Sonnenschirm bezahlt hatte, verbot der Betreiber des Strandbads den Verzehr mitgebrachter Lebensmittel.

In Italien eine «Spiagga Libera» zu finden, ist heutzutage gar nicht mehr so einfach. Das stört die Einwohner langsam gewaltig.
Foto: Getty Images/500px

Wem gehört eigentlich der Strand?

Hinter den Konflikten steckt eine grössere Frage: Wem gehört die Küste – und wer darf mit ihr Geld verdienen?

In vielen europäischen Ländern ist die Küste grundsätzlich öffentlich. Gleichzeitig können einzelne Strandabschnitte von privaten Unternehmen bewirtschaftet werden. Für Urlauber kann dadurch der Eindruck entstehen, dass der Zugang zum Meer selbst kostenpflichtig ist.

Mit dem wachsenden Tourismus verschärft sich der Konflikt. Attraktive Küstenabschnitte sind begehrt, Immobilienpreise steigen und Hotels sowie Beachclubs wollen die besten Plätze nutzen. Gleichzeitig möchten Einheimische ihre traditionellen Strände weiterhin ohne zusätzliche Kosten nutzen können.

Was heisst das für die Touristen?

Für Feriengäste bedeutet das: Wer einen kostenlosen Strand sucht, sollte sich vor der Reise informieren, welche Abschnitte tatsächlich frei zugänglich sind. Denn der Traum vom eigenen Handtuch direkt am Meer ist in manchen Ferienregionen längst nicht mehr so selbstverständlich wie früher.

Die Debatte dürfte deshalb weitergehen. Denn am Ende geht es nicht nur um Liegestühle oder Eintrittspreise, sondern um eine grundsätzliche Frage: Soll der Zugang zum Meer für alle offen und zugänglich bleiben, oder werden Europas Strände immer mehr zum Luxusprodukt?

Onet Gotowanie ist die Food-Rubrik von Onet.pl, welche wie Blick.ch zur Mediengruppe Ringier gehört. 

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