Gourmets willkommen
Lyon begeistert mit Kunst, Essen und Geschichte

Die Seidenstadt Lyon stand lange nicht auf der Liste der angesagten Städtetrips. Dabei lockt die französische Gourmetmetropole mit einer malerischen Altstadt unter dem Schutz der UNESCO, noblen Boutiquen und interessanten Museen.
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Himmlisch schön: Lyons Promenade entlang der Saône.
Foto: Thinkstock
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Christian BauerReise-Journalist

Wenn Gott leben will, wie Gott nur in Frank­reich leben kann, dann muss er in die französische Gourmet-Hauptstadt Lyon. Vielleicht würde er Paul Bocuse, den ­Altmeister der Gourmetküche, besuchen. Vielleicht würde Gott sich aber auch in einer «Bouchon» mitten unter die Lyoner setzen. In den einfachen Bistros geht es herzhaft zu, da schmaust man traditionelle Gerichte, die so richtig deftig schmecken. So mögen es die Arbeiter, die Lyon einst gross gemacht haben. Am Zusammenfluss von Rhone und Saône entwickelte sich ab dem 15. Jahr­hundert die Seidenhauptstadt Europas. 100'000 Webstühle surrten hier einst um die Wette. Heute sind aus den ehemaligen Webereien stylische Loftwohnungen geworden.

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Kunst und Kultur in Lyon

Altstadt von Lyon.
Foto: Getty Images

Hat man die tristen Vororte der drittgrössten Stadt Frankreichs hinter sich gelassen, taucht man ein in eine malerische Welt aus Antike, Mittelalter, Renaissance und Moderne. Neustes Projekt der innovativen Stadtplaner ist das ehemalige Industrieviertel Confluence im Süden der Halbinsel zwischen Saône und Rhone, Presqu’île. Highlight des modernen Areals wird das naturhistorische Confluence-Museum sein, das im Sommer eröffnet wird.

Lyon zieht die Besucher aber auch wegen des grossen Kulturangebots an. Die Kunstmuseen Musée des Beaux Arts und Musée d’Art Contemporain sind Weltklasse, genauso wie die Biennale von Lyon für zeitgenössische Kunst, die im 2026 vom 19. September bis zum 13. Dezember unter dem Titel «Passing from one dream to another»steht.

Bummeln und erleben

Die Lyoner sagen, es gäbe drei Flüsse in Lyon: Die Saône, die Rhône und den Beaujoulais.
Foto: Getty Images

Das Zentrum der Region Rhône–Alpes entstand bereits zu Asterix‘ Zeiten unter dem Namen Lugdunum und war zeitweise sogar die Hauptstadt der Gallier, die sich auf dem Hügel Fourvière an der Saône versammelten. Dort thront seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert die eindrucksvolle Basilique Notre Dame de Fourvière, die der Jungfrau Maria gewidmet wurde. Auffallend ist der Mix aus verschiedenen Stilrichtungen, die eher an sizilianische Kapellen erinnern. Der Aufstieg zur Basilika wird mit grandioser Aussicht belohnt. Das unterhalb gelegene Quartier bis zur Saône heisst Vieux Lyon und gilt als eines der grössten Renaissance-Viertel Europas. Hier erinnert nichts an eine Grossstadt mit knapp einer halben Million Einwohner. Zum Bummeln in den Gassen um die enge Rue Saint-Jean sollte man sich Zeit nehmen, bestimmt entdeckt man in den kleinen Läden ein Mitbringsel.

Viele der engstehenden Häuser bergen ein Geheimnis: Traboules werden die labyrinthartigen Durchgänge genannt, die über mehrere Etagen und Wendeltreppen durch Innenhöfe von einer Querstrasse zur anderen führen. In manchen der 350 noch existierenden Traboules sind Brunnen zu finden. Schöne Beispiele gibt es in der Rue Saint-Jean 9, 24 und 28.

Die Notre-Dame de Fourvière in Lyon wurde ab 1872 erbaut und 1896 geweiht.
Foto: Getty Images

Luxusboutiquen und ein Toaster

Das eigentliche Zentrum mit mehr als 70 Luxusboutiquen, Restaurants und Museen ist Presqu’île, die Halbinsel zwischen Saône und Rhône. Auffallend am Place des Terraux sind vor allem das Rathaus und die als «Toaster» bezeichnete Opéra de Lyon, 1993 umgebaut von Jean Nouvel. Eine mächtige Fassade an der Rhône weist das 375 m breite städtische Krankenhaus Hôtel-Dieu auf, in dem bereits Nostradamus arbeitete. Ein Shoppingparadies ist die Passage de l’Argue mit charmanten Handwerkerläden.

Nördlich der Halbinsel liegt Croix Rousse, der Stadtteil der Seide. Hier schufen die Seidenweber einen eigenen Stil in punkto Muster und Farben. Im 18. Jh. avancierte Lyon zur Hauptstadt der Seide mit mehr als 60000 Webstühlen. Noch heute lässt Hermès die berühmten Halstücher in Lyon designen und in Millionenstückzahlen fertigen.

Kulinarische Reise nach Lyon

Seinen guten Ruf verdankt Lyon vor allem der Gastronomie, mit einem Restaurant auf 244 Einwohner und acht Sterne-Restaurants ein Eldorado für Feinschmecker. Das liegt zunächst an den Mères Lyonnaises, den «Müttern der Stadt». Als reiche Familien ihre Köchinnen entlassen mussten, kochten diese in eigenen Restaurants und kombinierten grossbürgerliche Gerichte mit volkstümlichen Elementen. So entstanden überbackene Hechtklösse und Huhn mit Trüffeln. Ein typischer Lokaltyp ist das Bouchon, eine einfache Weinstube mit währschafter Küche. Inzwischen buhlen auch Brasserien und Gourmettempel um die Gunst des Publikums, allen voran Frankreichs berühmter Chefkoch Paul Bocuse. 

Wunderschöne Ausblicke über die roten Dächer von Lyon.
Foto: Getty Images

Praktische Reise-Tipps

Anreise: Lyon liegt knapp zwei Autostunden von Genf entfernt und ist auch per TGV von Genf aus erreichbar. Auch gibt es täglich Flüge von Zürich nach Lyon.

Beste Reisezeit: Lyon hat das ganze Jahr über Saison. Besonders lohnenswert und ausgebucht ist das Lichterfest rund um den 8. Dezember. 

Office de Tourisme & des Congrès, Place Bellecour, Lyon

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