Whatsapp-Nachrichten an türkischen Geheimdienst
Bieler Pizzaiolo soll für Erdogan spioniert haben

Am Mittwoch steht ein Pizzeria-Besitzer aus dem Kanton Bern vor Gericht. Die Bundesanwaltschaft verdächtigt ihn der Spionage für den türkischen Staat. Der Kurde bestreitet die Vorwürfe.
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Aslan G. soll für den türkischen Staat spioniert haben.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Der Bieler Pizzaiolo Aslan G. soll Erdogans Geheimdienst zugearbeitet haben
  • Die Bundesanwaltschaft wirft ihm Spionage für die Türkei vor – jetzt steht er vor Gericht
  • G. soll heikle Infos über Kurden in der Schweiz verraten haben
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Fabian EberhardStv. Chefredaktor SonntagsBlick

Tagsüber belegte er Pizzen, abends soll er dem türkischen Geheimdienst Informationen über Kurden in der Schweiz geliefert haben: Aslan G.* (45) ist der mutmassliche Erdogan-Spion vom Bielersee. Am 7. Oktober steht er vor Gericht.

Ist G. Opfer, Täter – oder beides? Fest steht: 2019 sperrten ihn vier Kurden in den Tiefkühlraum einer Bieler Pizzeria. Sie schlugen und bedrohten ihn und erzwangen ein Geständnis: G. soll Kurden in der Region bespitzelt und heikle Daten über sie an den türkischen Staat verraten haben. Der «Tages-Anzeiger» machte den Fall damals publik.

Telefonate mit türkischen Geheimdienstlern

G.s Peiniger sind mittlerweile verurteilt. Jetzt muss er selbst vor Gericht antraben. Die Bundesanwaltschaft (BA) wirft ihm politischen Nachrichtendienst vor, Juristendeutsch für Spionage für einen fremden Staat. Am Mittwoch startet der Prozess am Bundesstrafgericht.

Laut der Anklageschrift soll G. – auch er Kurde – 2018 und 2019 Informationen über Anhänger der kurdischen Arbeiterpartei PKK an den türkischen Geheimdienst MIT und an die Polizei in der Stadt Diyarbakir übermittelt haben. Die Ermittler listen Dutzende Whatsapp-Nachrichten und Telefonate auf. Absender soll jeweils die Schweizer Handynummer von G. gewesen sein.

Berner Familienvater verhaftet

Durch das Weiterleiten von nicht öffentlichen Daten hat er laut der Bundesanwaltschaft die Freiheit sowie Leib und Leben der verratenen Personen in der Schweiz gefährdet. Tatsächlich verhafteten die türkischen Behörden zu dieser Zeit einen kurdischen Familienvater aus dem Kanton Bern. Der Familienvater ist der Bruder des Besitzers jener Pizzeria, in der G. später gefoltert wurde. Und in der er damals selbst arbeitete. G. soll Infos über den Familienvater an die Erdogan-Beamten weitergeleitet haben.

Heute führt der mutmassliche Türken-Spion selbst eine Pizzeria im Kanton Freiburg. Er bestreitet sämtliche Vorwürfe. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung.

Beweise von geklautem Handy

Ob die Bundesanwaltschaft mit ihrer Anklage durchkommt, ist alles andere als sicher. Zwar listen die Ermittler detailliert auf, zu welcher Zeit G. welche Informationen an die türkischen Beamten geliefert haben soll. Das Problem aber ist: Die mutmasslichen Beweise stammen von einem Handy, das G. bei den Übergriffen in der Pizzeria durch die vier Kurden abgenommen wurde.

*Name geändert

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