Bloss nicht!
Diese zehn Verhaltensweisen nerven auf Reisen am meisten

Reisen bringen das Beste im Menschen zum Vorschein – und oft auch seine unerquicklicheren Seiten. Unser Reiseredaktor Christian Bauer beobachtet unterwegs Verhaltensweisen, die sich zu Hause kaum jemand erlauben würde. Diese zehn Angewohnheiten nerven besonders.
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Mit freiem Oberkörper oder im Bikini abseits vom Strand unterwegs sein: ein No-Go. Einheimische empfinden das als respektlos.
Foto: stock.adobe.com

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Reisende verhalten sich oft respektlos in fremden Kulturen und an heiligen Orten
  • Fotografieren ohne Erlaubnis, Drohneneinsatz und unangemessenes Verhalten sorgen für Ärger
  • Respekt zeigen: lokale Bräuche beachten und Menschen auf Augenhöhe begegnen
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Christian BauerReise-Journalist

Im Bikini in die Altstadt

Am Meer, am Pool, am Badesee, mit viel Stoff, mit wenig Stoff oder fast unsichtbar: alles wunderbar. Leider haben viele Sonnenhungrige Probleme, die Grenze zwischen Beach und «normalem Leben» zu erkennen. Wer mit einem Bikini oder nassen Badesachen durch die Altstadt schlendert, in Supermärkte geht oder im Restaurant sitzt, hat jeglichen Anstand verloren. Was für den weiblichen Teil der Bevölkerung der Bikini ist, ist für die Männerwelt der freie Oberkörper. Abseits vom Strand gilt: etwas anziehen!

Wie ich mich verhalte: Ich bin vielleicht etwas altmodisch, aber ich ziehe nicht einmal Shorts an, sondern lange Hosen.

Heilige Orte als Selfie-Kulisse missbrauchen

Gotische Kathedralen in Europa, buddhistische Tempel in Thailand, hinduistische Schreine auf Bali: Religiöse Stätten sind oft die eindrücklichsten Sehenswürdigkeiten einer Destination. Klar, dass man an solchen Orten das Handy zücken möchte.

Im Zeitalter von Social Media werden allerdings auch heilige Orte als Kulisse der Selbstdarstellung missbraucht – ganz nach dem Motto: «Ich habe 300 Follower, ich bin ein Star.» An keinem Ort sollte man sich in seinem Fotowahn so verhalten, dass man Mitmenschen stört. Das gilt insbesondere an religiösen Orten, wo Empfindungen sensibler sind.

Wie ich mich verhalte: Ich beobachte zunächst, ob Einheimische an diesen Orten fotografieren. Tun sie das, halte ich mich im Hintergrund und fotografiere von dort. Tun sie das nicht, lasse ich meine Kamera in der Tasche.

Einfach drauflos fotografieren

Die Marktfrau mit dem wettergegerbten Gesicht, der betende Mann im Tempel, die Kinder im Dorf: Menschen in der Ferne erscheinen meist fotogener als die Mitbürger zu Hause. Letztere würde man ohnehin nicht einfach so ablichten. In der heimatlichen Umgebung hätte man eine Scheu, Menschen zu fotografieren – warum glauben Reisende dann, es wäre in den Ferien in Ordnung, anderen das Objektiv ins Gesicht zu halten? Gerade in der Fremde gilt: immer zuerst fragen. Oder besser noch: die Kamera in der Tasche lassen. Die Tausenden Fotos, die in der Cloud versauern, schaut man sich ohnehin nicht mehr an.

Wie ich mich verhalte: Ich frage die Menschen, ob ich sie fotografieren darf. Eine solche Frage wirkt oft Wunder, und viele posieren gern vor der Kamera. Wenn es sich beispielsweise um Personen auf einem Markt handelt, kaufe ich etwas, um meine Dankbarkeit zu zeigen.

Mit der Drohne alles aufnehmen

Noch etwas zum Thema Fotografieren: Drohnen bleiben zu Hause im Schrank. Es gibt kaum etwas Nervigeres als dieses impertinente Summen, das die schönsten Reisemomente zerstört. Es ist ein Zeichen von Arroganz, wenn man meint, man müsse den Sonnenuntergang, die Aussicht oder die Safari für alle Anwesenden vermiesen, nur um ein paar Clips zu drehen.

Wie ich mich verhalte: Ich filme nur dort mit der Drohne, wo keine anderen Menschen anwesend sind.

Lokale Trachten als Verkleidung verwenden

Regelmässig vor dem Oktoberfest haben die Discounter Billig-Dirndl und Lederhosen im Angebot: Es ist zur Tradition geworden, dass man in bayerischer Tracht ans Oktoberfest in München geht – auch wenn man nicht aus der Region stammt. Nun sind die Bayern ein relaxtes Völkchen – Stimmen gegen diesen Trend werden dennoch laut. In Regionen, in denen die traditionelle Tracht noch eine wichtige kulturstiftende Rolle spielt, kann ein solches Verhalten für gehörige Irritationen sorgen. Kurzum: Trachten sind nicht für die eigene Belustigung da!

Wie ich mich verhalte: Ich ziehe nie lokale Trachten an. Es sei denn, die örtliche Kleidertradition hilft beim örtlichen Klima, wie beispielsweise die langen Schals der Beduinen in der Wüste.

Sich in Gedenkstätten verhalten wie im Freizeitpark

Je weiter die Geschichte der Ferienregion von unserer eigenen entfernt ist, desto weniger werden wir von deren Erinnerungsorten berührt. Beispiel gefällig? Das Rütli ist nur für Eidgenossen von Bedeutung, alle anderen wundern sich, was an dieser Wiese so besonders sein soll. Dennoch erwartet man selbstverständlich, dass sich die Besucher respektvoll verhalten. Das gilt ebenso für das Ho-Chi-Minh-Mausoleum in Hanoi, für das 9/11 Memorial in New York oder Robben Island in Südafrika. Das richtige Verhalten: unauffällig und zurückhaltend beobachten.

Wie ich mich verhalte: Ich verhalte mich respektvoll und beobachte eher aus der Distanz.

Alles mit zu Hause vergleichen

Die Bahn ist pünktlich, das Hahnenwasser trinkbar und die Regierung stabil: Was in der Schweiz (und in grossen Teilen der westlichen Welt) selbstverständlich ist, davon kann man in anderen Weltregionen nur träumen. Das ist wahrlich kein Grund, sich über die Lebenssituation in den Feriendestinationen zu erheben. Schon ein beiläufiger Satz zum Taxifahrer wie «In unseren Strassen gibt es keine Schlaglöcher» zeugt von Arroganz und kann Gefühle verletzen.

Wie ich mich verhalte: Ich spreche nur über die Lebensumstände in der Schweiz und Europa, wenn ich konkret gefragt werde.

Erwarten, dass alle Englisch sprechen

Englisch ist die Weltsprache. Auch im hintersten Winkel des Planeten wird man jemanden finden, der zumindest ein paar Wörter Englisch versteht. Dennoch ist es unhöflich, jeden direkt auf Englisch anzusprechen – ein Grossteil der Welt geniesst keine Schulbildung, wie wir sie aus Europa kennen.

Wie ich mich verhalte: Ich frage mein Gegenüber stets, ob sie oder er Englisch versteht, und betone, dass ich leider die Landessprache nicht beherrsche. Das ist eine Begegnung auf Augenhöhe, die klarstellt, dass sich alle Beteiligten in der gleichen Situation befinden.

Beim Feilschen den Geizknochen geben

Handeln gehört in vielen Ländern dazu und kann sogar Spass machen. Allerdings ist es peinlich, wenn man wegen Rappenbeträgen eine grosse Szene veranstaltet und den Verkäufer vorführt. Auch in Ländern ohne fixe Preise ist das Handeln ein respektvoller Austausch gleichberechtigter Partner – insbesondere, wenn man etwas Hochpreisiges erstehen will, gleicht das Handeln einem Geschäftsmeeting.

Wie ich mich verhalte: Ich feilsche bei regulären Dingen, beispielsweise bei Souvenirs, nicht mehr – die Preise ausserhalb der Schweiz sind günstig genug.

Personal behandeln wie Untergebene

Die Schweiz ist eine Servicewüste. In Restaurants, Hotels und Bergbeizen wird man hierzulande freundlich und korrekt behandelt, aber der Service ist selten aussergewöhnlich – ganz im Gegensatz zu vielen Ferienregionen im sogenannten «globalen Süden». Nebst einer stärker serviceorientierten Mentalität spielen auch die geringen Personalkosten eine Rolle: Hotels beispielsweise können sich schlicht mehr Personal leisten und so den Service für den einzelnen Besucher verbessern. Zudem kann man sich mit seinen Franken, Euros oder Dollars in den meisten Ferienregionen weit mehr leisten als in der Heimat: Wer in der Schweiz gerade so über die Runden kommt, ist im Ausland schnell einmal Mittelklasse. Damit kann nicht jeder gut umgehen, was sich in einem arroganten Verhalten gegenüber dem Servicepersonal zeigt.

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Wie ich mich verhalte: Ich behandle die Reinigungskraft genauso wie den Hotelmanager. Plus: Ein kurzes Gespräch, eine Frage nach dem Befinden reichen meist schon, um Wertschätzung auszudrücken.

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