Gates of Heaven, Bali
Es ist eines der berühmtesten Instagram-Motive Balis: Zwischen zwei steinernen Tempeltoren steht ein Mensch (meist jung, weiblich, schön), dahinter erhebt sich der Vulkan Gunung Agung. Das Ganze spiegelt sich in einer aalglatten Wasserfläche. Bali-Kitsch in Perfektion.
Das Problem: Hier gibt es weit und breit keinen See. Sondern nur einen schnöde gepflasterten Innenhof. Der Trick ist ein Spiegel, der unter die Handykamera gehalten wird. Der Tempel mit Blick Richtung Gunung Agung ist malerisch. Wer aber eine Wasserspiegelung erwartet, wird bitter enttäuscht.
Die Alternative: Der Tempel Pura Besakih. Der grosse Tempelkomplex liegt ebenfalls am Gunung Agung und gehört zu den wichtigsten hinduistischen Heiligtümern Balis. Die Architektur ist noch eindrücklicher als bei den Gates of Heaven.
Ein Wort zum Verhalten: Beim Besuch religiöser Stätten ist äusserste Zurückhaltung geboten. Es ist ein Zeichen des Respekts vor der Kultur des Landes. Gerade wurde ein Schweizer auf Bali zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, weil er religiöse Gefühle verletzt hatte.
Arashiyama Bamboo Grove, Kyoto
Ein schmaler Weg, links und rechts meterhoher, kerzengerader Bambus, dazwischen ein einzelner Mensch in andächtiger Stille – ein perfektes Symbol für die reinigende Kraft des japanischen Zen-Buddhismus. Doch wer das Foto am Arashiyama Bambuswald nachstellen möchte, braucht sehr viel Geduld. Oder gute Kenntnisse in Bildbearbeitung.
Denn der Bambuswald ist so überlaufen wie mittlerweile die meisten berühmten Instagram-Spots rund um den Globus. Der Bambus ist beeindruckend. Das meditative Japan-Erlebnis zwischen Selfiesticks, Gruppen und Fotoshootings muss man sich allerdings einreden. Zen geht anders.
Die Alternative: Gleich hinter den berühmten Sehenswürdigkeiten beginnt eine deutlich beschaulichere historische Landschaft mit Tempeln und alten Teehäusern.
Lake Hillier, Australien
Lake Hillier in Westaustralien ist so pink wie ein Hubba-Bubba-Kaugummi. Klar, dass dieses Setting Influencer anzieht wie das Licht die Motten. Dumm nur, dass der See seine intensive Farbe längst verloren hat. Nach starken Regenfällen sank der Salzgehalt des Sees. Zusammen mit Veränderungen bei den Mikroorganismen, die zu seiner rosa Farbe beitragen, führte dies dazu, dass die intensive Färbung verschwand. Ob und wann sie zurückkehrt, lässt sich nicht vorhersagen. Der See liegt auf Middle Island vor der Küste Westaustraliens. Man nimmt also einigen Aufwand auf sich, um einen weltberühmten See zu sehen, der momentan gar nicht richtig pink ist. Pech!
Die Alternative: Hutt Lagoon. Der See im Westen Australiens schillert je nach Bedingungen pink, lilafarben oder sogar rot.
Machu Picchu, Peru
Eine verlorene Inkastadt zwischen grünen Berggipfeln, Nebelschwaden ziehen durch die Ruinen, irgendwo steht ein Lama dekorativ im Bild. Machu Picchu ist der Stoff, aus dem Instagram-Träume gemacht werden. «Verloren» war die Stadt nicht einmal im Inkareich – und sie ist es heute garantiert nicht. Der Ansturm ist mittlerweile so gross, dass es Zugangsbeschränkungen gibt. Die Tickets sind teilweise Monate im Voraus ausverkauft.
Das schmälert die Schönheit der Anlage kein bisschen. Nur sollte niemand erwarten, durch eine menschenleere Ruinenstadt zu streifen.
Die Alternative: Choquequirao. Die ebenfalls aus der Inkazeit stammende Ruinenanlage liegt spektakulär in den peruanischen Anden auf 3085 Metern. Allerdings muss man sich das Erlebnis mit einer mehrtägigen Wanderung ohne grosse Infrastruktur verdienen.
Pyramiden von Gizeh, Ägypten
Drei Pyramiden, ein paar Kamele und dahinter nichts als endlose Sahara. So kennt man Gizeh aus Reisekatalogen und von Instagram – und das erwarten viele Erstbesucher vom letzten erhaltenen Weltwunder der Antike. Leider sieht die Realität ganz anders aus: Die Pyramiden stehen zwar am Rand der Wüste, auf der anderen Seite reicht die Millionenstadt Kairo-Gizeh jedoch praktisch bis an das Gelände heran. Häuser, Lärm, Hotels und Restaurants gehören deshalb genauso zur Realität wie Sand und Kamele – die übrigens nur durch eine geschickte Kameraperspektive so aussehen, als befänden sie sich mitten im Nichts.
Die Alternative: Saqqara. Südlich von Gizeh liegt die Pyramidenlandschaft von Saqqara, die älter ist als die Pyramiden von Gizeh. Hier gibt es weniger Touristen und weniger 21. Jahrhundert.
Hollywood Walk of Fame, Los Angeles
Hollywood! Filmstars! Glamour! Und dann kommt die grösste Enttäuschung Amerikas: der Walk of Fame in Hollywood. Die berühmten Sterne sind ins Trottoir eingelassen und verteilen sich entlang des Hollywood Boulevard und der Vine Street. Dazwischen herrscht ganz normaler Grossstadtbetrieb: Verkehr, Souvenirläden, Reklametafeln und – leider sehr oft in Los Angeles – Dreck. Wer hier die grosse Magie der Traumfabrik erwartet, braucht eine gehörige Portion Fantasie.
Die Alternative: Das Griffith Observatory. Oberhalb von Los Angeles gelegen, erinnert es an so manchen Film, der diese bombastische Aussicht eingefangen hat – das hat deutlich mehr Glamour, als der Hollywood Boulevard je bieten kann.
Oia, Santorini, Griechenland
Weisse Häuser, blaue Kuppeln und eine orangefarbene Sonne, die langsam in der Ägäis versinkt. Schöner als in Oia wird Griechenland kaum. Leider besteht der Ort fast nur noch aus Boutiquehotels und Touristenshops. Die Authentizität hat Oia längst verloren – und dann sind da die Menschenmassen, von denen ein Grossteil offenbar glaubt, ein wichtiger Instagrammer zu sein. Die Sonne geht hier trotzdem spektakulär unter – aber das Foto mit der einzelnen Person ist entweder Zufall oder die KI hat die restlichen Menschen entfernt.
Die Alternative: Pyrgos. Das ehemalige Inselzentrum liegt im Landesinneren und besitzt ebenfalls weisse Häuser, enge Gassen und die Ruinen einer venezianischen Burg. Von oben reicht der Blick weit über Santorini – und das mit deutlich weniger Andrang als in Oia.