Dass der Massentourismus immer mehr zum Problem wird, wird immer offensichtlicher – man frage nur mal die Einwohner von Luzern. Doch der Andrang am Vierwaldstättersee ist nichts im Vergleich mit den Touristen-Tsunamis in Destinationen wie Barcelona, Venedig, Paris oder Mallorca, die es regelmässig in die Nachrichten schaffen. Die folgenden Spots rund ums Mittelmeer sind allesamt bilderbuchschön, ächzen aber unter den Massen. Deshalb: zur Hochsaison besser vermeiden.
Ibiza-Stadt, Spanien
Ibiza-Stadt ist ein Ort mit weissen Häusern, mittelalterlichem Charme und romantischen Sonnenuntergängen am Meer. Ibiza ist so schön, wie es auf den Balearen werden kann. Nur leider wissen das viele Menschen. Sehr viele, um genau zu sein: Laut offiziellen Statistiken besuchen etwa 3,7 Millionen Touristen die Insel, der Grossteil davon im Sommer. Bei nur etwa 160 000 Einwohnern macht das rund 23 Touristen pro Einheimischem. Da werden Ferien zur Hölle.
Die Alternative: Wer gerne die Balearen besucht, sollte auf Menorca ausweichen. Zwar ist die Insel nördlich von Mallorca längst kein Geheimtipp mehr, aber die Massen halten sich auch im Sommer in Grenzen.
Saint-Tropez, Frankreich
Saint-Tropez ist längst kein charmantes südfranzösisches Dorf mehr – es ist eine Touristenfalle mit Parkplatzproblem. 80 000 Besucher strömen im Hochsommer pro Tag in das Städtchen – bei 3669 Einwohnern. Die meisten haben nur einen Wunsch: einen Promi zu entdecken, der sich auf einer der Luxusjachten im Hafen oder im berühmten Nikki Beach Club sonnt. «Der Teufel trägt Prada»-Star Anne Hathaway soll gerade erst gesichtet worden sein. Die meisten Promi-Stalker gehen freilich nach Hause, ohne jemanden Berühmten vor die Linse bekommen zu haben – dafür mit Frust und einem verschwendeten Ferientag.
Die Alternative: Ein sehr ähnliches Flair und einen ähnlichen Look bietet die Stadt Sanary-sur-Mer, westlich von Saint-Tropez – nur ohne Promi-Status und Hunderttausende Follower.
Ayia Napa, Zypern
Ayia Napa ist Zyperns Ballermann. Der Küstenabschnitt im Südosten der Insel ist bekannt für seine Partys und sein eher junges Publikum. Ayia Napa und das benachbarte Protaras gehören zu den Ferien-Hotspots der Insel. Besonders überfüllt: der Nissi Beach. Zypern verzeichnete 2025 4,5 Millionen Touristen, ein Plus von 12,2 Prozent gegenüber 2024, wobei der August die meisten Ankünfte verzeichnete. Ohne uns!
Die Alternative: Der Party- und Massenstrandtourismus auf Zypern konzentriert sich auf die Südküste. Im Norden geht es viel entspannter zu und her, beispielsweise im kleinen Fischerdorf Latsi.
Positano, Italien
Positano an der Amalfiküste ist Postkartenidylle pur: bunte Häuser wie Legoklötze am Hang, Bougainvilleasträucher, Meerblick, Zitronen – und dazwischen Menschenkolonnen, die sich durch Gassen schieben wie an der Street Parade in Zürich. Laut Statistiken kommen in der Hochsaison auf rund 4000 Einwohner bis zu 25 000 Besucher pro Tag, so viele, dass die Bürgermeister der Region sich zu Krisensitzungen zusammengefunden haben.
Die Alternative: Südlich der Amalfiküste nimmt der internationale Tourismus rasant ab – die Stranddörfer und -städtchen bieten dennoch Italianità pur.
Lindos, Rhodos
Das Dorf Lindos ist mittlerweile zum Disneyland Griechenlands geworden. Hier findet sich alles, was man sich unter einer griechischen Insel vorstellt: eine kleine Bucht, kalkweisse Häuser, enge Gassen und eine antike Akropolis auf einem Hügel. Nur ist die Schönheit dem Ort zum Verhängnis geworden: In dem Dörfchen reihen sich Souvenirläden, Tavernen von fragwürdiger Qualität und Boutiquehotels aneinander. Von authentischem griechischem Leben gibt es hier keine Spur mehr. Und dennoch wird das Museumsdorf von den Touristen überrannt. Knapp 600 000 Touristen besuchen die Akropolis von Lindos pro Jahr, plus noch ein paar Zehntausend, die es nicht auf den Berg schaffen. Ein Tourismuserlebnis zum Abgewöhnen.
Die Alternative: Rhodos ist insgesamt überlaufen. Eine Alternative in der Nähe sind kleinere Inseln, beispielsweise das kleine Chalki.
Mykonos, Griechenland
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: An jedem Sommertag übersteigt die Anzahl der Touristen die der Anwohner um mindestens das Siebenfache. Seit mehreren Jahrzehnten hat sich die Kykladeninsel zu einem Reiseziel der Reichen und Schönen entwickelt – und von Influencern, die sich hier auf Instagram, TikTok und Co. präsentieren wollen. Zu den überfülltesten Spots gehören die Altstadt, insbesondere Klein Venedig, und die Strände, darunter Paradise Beach, den man besser «Crowded Beach» nennen sollte.
Die Alternative: Ich finde, Mykonos sollte man komplett vermeiden. Wer authentischen Inselcharme ohne Party und Massen erleben möchte, sollte sich nach Serifos aufmachen.
Djerba, Tunesien
Schon der griechische Held Odysseus und seine Mannen chillten auf Djerba, wie man in Homers Epos nachlesen kann. Im «Land der Lotosesser», wie es im Original heisst, berauschten sich die Seeleute an halluzinogenen Früchten, die ihnen den Wunsch nach einer Heimreise raubten. 2500 Jahre später hat sich das Bild kaum geändert: Das All-inclusive-Fliessband zwischen Buffet, Pool und Strand in den Beach-Resorts fesselt jedes Jahr mehrere Millionen Besucher. Im Jahr 2025 knackte Tunesien die 11-Millionen-Besuchergrenze – ein Grossteil davon vergnügt sich am Strand.
Gewusst? Touristen in beliebten Ferienorten werden in Tunesien meist in sogenannten Hotelzonen untergebracht, wo ein Resort an das nächste grenzt: eine Touristenhölle ohne jegliches lokales Flair.
Die Alternative: Kaum international bekannt sind die kleinen Kerkennah-Inseln vor der Stadt Sfax. Hier gibt es keine grossen Resortburgen und keine Massenabfertigung.