Darum gehts
- Tourismus mit Walhaien auf den Philippinen schädigt deren Verhalten durch Anfütterung
- Elefantenparks in Südostasien oft unseriös, bieten schlechte Lebensbedingungen
- Slum-Touren sollten soziale Projekte vor Ort unterstützen, keine Armut ausnutzen
Mit Walhaien schwimmen auf den Philippinen
Walhaie – majestätisch gleiten sie durch das Wasser wie die Könige der Weltmeere. Bis zu 12 Meter lang und mehrere Tonnen schwer. Einen Walhai beim Tauchen oder Schnorcheln zu erleben, ist ohne Frage ein Highlight. Allerdings hat sich daraus eine Tourismusindustrie entwickelt, die in manchen Regionen mit fragwürdigen Methoden arbeitet. So etwa an der Südostküste der philippinischen Insel Cebu, wo sich das Whalewatching in einen Streichelzoo verwandelt hat.
Hier werden die Walhaie mit Garnelen angefüttert, um Sichtungen zu garantieren. Dadurch verändern die Tiere ihr natürliches Verhalten und bleiben in der Region, statt zyklisch weite Strecken auf der Nahrungssuche zurückzulegen. Zudem kann es für Menschen bei nahen Kontakten mit Walen zu Verletzungen kommen.
Tipp: Falls mit «garantierten Sichtungen» oder «nahen Begegnungen» («Close Encounters») geworben wird, ist das Angebot sehr wahrscheinlich nicht seriös.
Elefantenerlebnisse in Südostasien
In den touristischen Regionen von Thailand, Laos und Kambodscha werden Interaktionen mit Elefanten angeboten. Eine grundsätzliche Verurteilung greift allerdings zu kurz. Denn Elefanten wurden in Südostasien (und anderen asiatischen Ländern) seit Jahrhunderten als Arbeitstiere domestiziert – in diesem Sinn unterscheidet sich ein Arbeitselefant nicht von einem Pferd in Europa. Was allerdings zutrifft: Die Tierschutzbestimmungen sind in diesen Ländern deutlich schlechter als in der Schweiz. In nicht wenigen Elefantenparks geht es ums Geldverdienen und nicht um den Schutz der Dickhäuter – schlechte Behandlung und Lebensbedingungen sind in diesem Fall die Regel.
Andererseits gibt es Schutzeinrichtungen, die ehemaligen Arbeitselefanten gute, artgerechte Lebensbedingungen bieten. Diese werden oft von der Regierung oder Naturschutzvereinigungen betrieben und sind auf Eintrittsgelder angewiesen. Vermeiden sollte man Elefantenparks, welche Reiten, Schlammbäder oder Elefantenshows anbieten. Seriöse Angebote fokussieren auf Wissensvermittlung und sanfte Interaktion mit den Tieren.
Löwen streicheln in Afrika
Ein Löwe ist kein Haustier. Und ein Gepard kein Accessoire fürs Instagram-Profil. Insbesondere in den Safari-Destinationen Afrikas werden regelmässig Begegnungen mit Grosskatzen angeboten: Spazieren mit einem Geparden, Fotosessions mit Löwen. Dabei handelt es sich um Jungtiere, die leichter zu kontrollieren sind – die Stöcke in den Händen der Wildhüter sind Hinweis genug, warum sich die Tiere ruhig verhalten. Zudem werden Löwen und Co. oftmals mit Beruhigungsmitteln vollgepumpt.
Die Alternative: Der einzige vertretbare Weg, Grosskatzen zu erleben, ist auf einer professionellen Safari – manchmal kommen Tiere den Fahrzeugen beängstigend nahe.
Besuch der Long-Neck-Villages in Thailand
Eines meiner schlimmsten Erlebnisse auf Reisen war der Besuch eines sogenannten Long-Neck-Village im Nordwesten Thailands. Bei den Long-Neck, den Langhälsen, handelt es sich um das Volk der Padaung, deren Frauen eine metallene Spirale um den Hals tragen. Dadurch werden Schultern und Schlüsselbein verformt und nach unten gedrückt, was den Hals länger erscheinen lässt. Ursprünglich im benachbarten Myanmar heimisch, flohen viele Padaung wegen ethnischer Säuberungen durch die burmesische Regierung nach Thailand. Allerdings werden den Flüchtlingen nur grundlegende Rechte und Unterstützung zuteil, weswegen viele der sogenannten «Bergvölker» in Armut leben. Ein Beispiel der schlechten Lebensbedingungen sind die Schaudörfer der Padaung, in denen die Frauen wie Ausstellungsstücke präsentiert werden. Besonders schlimm: Von den Eintrittsgeldern geht nur ein Bruchteil an die Long-Neck-Frauen – der Grossteil des Geldes landet in der Tasche gerissener Geschäftsleute.
Die Alternative: Im Norden Thailands bieten verschiedene ethnische Gruppen, beispielsweise die Lisu oder Hmong, Homestays in ihren Dörfern an. Dabei besteht auch die Möglichkeit, mehr über deren Leben zu erfahren und beispielsweise gemeinsam zu kochen. In diesem Fall kommen die Einnahmen den Menschen direkt zugute.
Waisenhaus-Besuche in Kambodscha
Die Idee klingt so schön: ein paar Tage in einem Waisenhaus helfen, mit Kindern spielen, «etwas zurückgeben». Nur: Kinder sind keine kurze Erfahrung, die man in den Ferien abhakt. In Kambodscha und anderen ärmeren Regionen der Welt sind solche Waisenhausbesuche mittlerweile zu einem Ferienprodukt verkommen. Schlussendlich werden Kinder (und ihr treuherziger Blick) dafür benutzt, an das Geld der Touristen zu kommen – auch wenn die Intention des Waisenhauses ganz redlich ist.
Das Gleiche gilt auch für den Besuch von Schulen.
Die Alternative: Waisenhäuser, Schulen und medizinische Hilfsprojekte in der «Dritten Welt» sind auf Spenden und Extraeinnahmen angewiesen. Wer wirklich helfen will, sollte an seriöse Organisationen und Einrichtungen spenden.
Quads-Touren in den Emiraten
Quads (ATVs) sind nerviger als Wespen im Sommer: laut, aggressiv, überflüssig. Die vierrädrigen Ego-Blaster verpesten die Umwelt mit ihrem Abgasgestank und stören Tiere durch ihren Lärm. Zudem zerpflügen die Reifenspuren empfindliche Ökosysteme und hinterlassen hässliche Narben in der Natur. Besonders beliebt sind diese ATV-Touren in den Dünen der Vereinigten Arabischen Emirate. Macht doch nichts, die Wüste ist sowieso tot? Falsch: Die Wüste ist lebendiger, als es den Anschein hat.
Die Alternative: Die Wüste erlebt man am besten zu Fuss oder ganz traditionell auf einem Kamel.
Slum-Tourismus in Südafrika, Brasilien oder Indien
Die Armut ist meist fotogener als der Luxus. Der chaotische, farbenfrohe Slum von Mumbai (Indien) macht schlicht mehr her als die gläsernen Hochhausfassaden der Innenstadt, die es so in der ganzen Welt gibt. Nur: Armut und Leid sind keine Sightseeing-Kategorien. Das heisst nicht, dass man solche Slums nicht besuchen sollte. Die Haltung ist entscheidend: Geht es um Voyeurismus oder um den Wunsch, etwas zu lernen? Für Letzteres bieten Organisationen aus den jeweiligen Armenvierteln Führungen an, bei denen es darum geht, die Lebensrealität der Bewohner zu verstehen. Die Einnahmen kommen zudem sozialen Projekten zugute.
Tipp: Sicherstellen, dass der Anbieter im jeweiligen Slum angesiedelt ist und Projekte unterstützt, welche das Leben der Menschen verbessern.