Hallo, Busen!
Victoria’s Secret feiert den Retro-Look

Jahrelang war er verpönt, jetzt steht er wieder im Rampenlicht: der Push-up-BH. Bei der Victoria’s-Secret-Show feierten Supermodels das üppige Décolleté ab. Sexy oder sexistisch? Warum der Look der Neunzigerjahre wieder gefeiert wird.
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Sex-Appeal der alten Schule: Victoria's Secret feiert den prallen Busen.
Foto: Dukas

Darum gehts

  • Bei der Victoria’s-Secret-Show sorgen pralle Dekolletés für Sex-Appeal der alten Schule
  • Busenwunder oder Bralette: Nach Jahren der Bequemlichkeit ist der Push-up-BH zurück
  • Engel im Höhenflug: Victoria’s Secret legt wieder zu
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Katja RichardRedaktorin Gesellschaft

Je höher und praller, desto besser! Bei der pompösen Victoria’s-Secret-Show in Los Angeles flogen am Sonntag nicht nur die Engelsflügel in die Höhe. Auch das Décolleté rückte ganz gross ins Rampenlicht. Supermodels wie Adriana Lima (45), Alessandra Ambrosio (45) und Candice Swanepoel (38) feierten in Push-up-BHs, Korsetts und Spitze den legendären Bombshell-Look. Eine weibliche Üppigkeit, wie man sie lange nicht mehr gesehen hat. Pralle Rundungen, schmale Taillen, voluminöse Wallemähnen – Sex-Appeal der alten Schule.

«Hello Boys» – ein BH schreibt Geschichte

Sexy oder sexistisch: Mit der Wonderbra-Werbung sorgte Eva Herzigova 1994 für Furore.
Foto: The Advertising Archives

Dazu gehört der Push-up-BH. Lange Zeit war das Busenwunder mit seinen wattierten Körbchen zuhinterst in der Wäscheschublade verschwunden. Berühmt machte den Wonderbra 1994 das tschechische Supermodel Eva Herzigova (53). Die Werbekampagne mit ihren üppigen Rundungen und der Aufschrift «Hello Boys» sorgte weltweit für Furore – angeblich verursachte der Anblick sogar Verkehrsunfälle, weil Autofahrer vor lauter Busen nicht mehr auf die Strasse achteten. Der Push-up wurde zum Must-have, zauberte er doch dank Polstern und Bügeln mehr Oberweite.

Doch irgendwann war Schluss mit dem Hochpushen. Nach #MeToo geriet das auf männliche Blicke zugeschnittene Schönheitsideal zunehmend in Kritik. Und spätestens während der Corona-Pandemie hatten viele Frauen genug von unbequemen Bügeln und engen Körbchen. Statt Männern zu gefallen, rückten Authentizität, Selbstfürsorge und Wohlbefinden in den Vordergrund. Weiche Bralettes, Bustiers und Sport-BHs waren angesagt. Bequemlichkeit und Natürlichkeit statt Busenwunder.

Heidi Klum 2003 im «Fantasy Bra» von Victoria’s Secret im Wert von elf Millionen Dollar.
Foto: MARION CURTIS/REX FEATURES DUKAS

Selbst Victoria’s Secret warb bereits 2016 mit dem Slogan «No Padding Is Sexy Now» – ungepolsterte BHs sind jetzt sexy.

Die Engel fliegen wieder

Der aktuelle Fantasy-Bra ist mit 40 Millionen Franken der teuerste bisher: Kylie Jenner.
Foto: keystone-sda.ch

Jetzt feiert Victoria’s Secret seinen Look, als wäre er nie weg gewesen. Riesige Engelsflügel, Supermodels und Kylie Jenner (29) in einem mit Diamanten besetzten BH im Wert von 50 Millionen Dollar: Die Marke rührt wieder mit der ganz grossen Kelle an. Schliesslich galt ihre Dessous-Show einst als Super Bowl der Modewelt. Doch der Glamour konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Unternehmen lange im Sinkflug war. Die Verbindungen des früheren Konzernchefs Leslie Wexner (89) zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein (1953–2019) und die Kritik am einseitigen Frauenbild beschädigten das Image. Die Einschaltquoten sanken, 2019 wurde die Show eingestellt.

Kurven willkommen: Ashley Graham (38) zeigt, dass Engelsflügel nicht nur ultraschlanken Models stehen.
Foto: Dukas

Seit 2024 fliegen die Engel wieder – und auch die Umsätze steigen. Im September jenes Jahres übernahm Hillary Super (54) das Ruder. Die neue Konzernchefin setzt erneut auf den alten Glamour und Sex-Appeal. Neben den ultraschlanken Supermodels sind auf dem Laufsteg auch Frauen mit unterschiedlichen Körperformen zu sehen. Die Rechnung scheint aufzugehen: Im zweiten Quartal 2026 stieg der Umsatz um zehn Prozent.

Mehr Busen, bitte!

Der Push-up-BH feiert nicht nur beim amerikanischen Dessous-Label ein Comeback. Die Modebibel «Vogue» erklärte das betonte Décolleté in diesem Frühjahr wieder für angesagt. Auch Kurvenkönigin Kim Kardashian (46) setzt mit ihrer Wäschemarke Skims erneut auf Push-up-BHs – mit steigenden Verkaufszahlen. Und in der Schweiz? So ganz weg war der gepolsterte BH nie, bei Manor und Beldona gehört er weiterhin fest zum Sortiment. Und wer heute in die Auslagen von Intimissimi oder Hunkemöller schaut, sieht wieder mehr Looks für üppige Weiblichkeit: Korsagen, Spitze und kräftige Farben.

Das Gute am Retro-Trend: Heute muss keine Frau mehr einem Modediktat folgen. Jede entscheidet selbst, ob und wie sie ihren Busen in Szene setzen will.

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