Darum gehts
- Atelier 1604 in St. Gallen bietet Kleidung nach Mass für Einzelpersonen
- Nachhaltigkeit und Reparatur stehen im Zentrum von Sinan Netzers Arbeit
- Jedes Kleidungsstück ist langlebig und bewusst für Anpassungen verarbeitet
In der Goliathgasse 33, mitten in der St. Galler Altstadt, öffnet sich hinter einer schmalen Eingangstür die Welt von Atelier 1604 – Kleider nach Mass. Hier arbeitet Sinan Netzer an Stücken, die nicht für möglichst viele, sondern ganz bewusst für einen Menschen entstehen: die Person, die sie später trägt. Das Atelier wirkt konzentriert und intim, eher wie ein Wohnzimmer für Stilfragen als ein klassisches Geschäft.
Auf den Bügeln hängen Anzüge, Mäntel und Kleider, die Netzer in seine eigene ruhige Formensprache übersetzt. Im Zentrum steht für ihn ein klares Prinzip: «Ich möchte das Handwerk den Menschen wieder näherbringen und so den Bezug zu hochwertiger Qualität und edlen Materialien herstellen. Weniger ist mehr. Qualität statt Quantität», sagt er. Massarbeit versteht er als Gegenentwurf zu schneller Mode und Wegwerfzyklen. Viele Kundinnen und Kunden kommen, weil sie keine passenden Kleider von der Stange finden.
Nachhaltigkeit gehört zum Arbeitsalltag
Was ein massgeschneidertes Kleidungsstück ausmacht, fasst Netzer so zusammen: perfekte Passform, bewusst gewählte Materialien und Farben, mehrere Anproben und eine Wirkung, die über das Sichtbare hinausgeht. «Wenn man sich beim Schneider etwas machen lässt, nimmt der Mensch beim Tragen der Kleidung automatisch eine völlig andere Körperhaltung und Ausstrahlung an. Das hebt Selbstsicherheit und Lebensattitüde. Das kann Konfektion von der Stange nicht bieten.» Nachhaltigkeit ist dabei keine Floskel, sondern Arbeitsalltag. Netzer fertigt nicht nur neu an, er ändert und repariert konsequent: Hosen werden gekürzt, Bundweiten angepasst, Schultern korrigiert.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!
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Seine Stücke sind bewusst «änderungsfreundlich verarbeitet», damit sie sich an ein Leben anpassen können, das sich verändert und im Idealfall, wie er sagt, «ein Leben lang begleiten», statt nach wenigen Saisons im Altkleidersack zu landen. Dass das Atelier 1604 in St. Gallen zu Hause ist, passt zu dieser Haltung: Die Textilstadt mit ihrer langen Handwerkstradition ist auch Teil von Netzers eigener Geschichte. «Schon mein Grossvater war Schneider», erzählt er. Heute führt er dieses Erbe weiter – mit Stücken, die sich nicht über Logos, sondern über Passform, Proportionen und subtile Details definieren, und mit einem Verständnis von Mode, das die Langlebigkeit, die Qualität und den Respekt vor dem Material wieder ins Zentrum stellt.