Taskforce-Mediziner warnen vor falschen Hoffnungen
Seife schützt besser als Vitamine

Ein Strategiepapier von Medizinern und der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Vitamine und Zink zum Schutz gegen Corona. Experten der Taskforce des Bundes warnen vor dieser Empfehlung.
Publiziert: 12.10.2020 um 17:29 Uhr
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Aktualisiert: 18.02.2021 um 17:05 Uhr
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Ein Gremium von Medizinern und Forschern fordert neue Massnahmen gegen Corona. Es erklärt in einem Grundlagenpapier, wieso die Bevölkerung Nährstoffe wie Vitamin D und Zink gegen Corona nehmen soll.
Franziska Scheven

Trump hat ihn getrunken. Und nun ist er in aller Munde: der Vitamin-Cocktail, der gegen Corona schützen soll. Jetzt fordert auch ein Schweizer Gremium von Medizinern und Forschern sowie die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung in einem Strategiepapier, dass die Bevölkerung Nährstoffe wie Vitamin D und Zink einnehmen soll, um das Corona-Risiko abzuschwächen (BLICK berichtete).

Nährstoffe zum Schutz gegen Covid-19?

Darüber kann die Corona-Taskforce des Bundes nur den Kopf schütteln. Infektiologe Manuel Battegay ( 60): «Ein Effekt von solchen Cocktails spezifisch für SARS-CoV-2 oder Winterviren ist nicht erwiesen.» Epidemiologe und Taskforce-Mitglied Marcel Tanner (68) doppelt nach: «Vitamin-Cocktails sind keine Corona-spezifischen Behandlungen.» Und weiter: «Sie tragen zur allgemeinen Stärkung der Gesundheit und der Konstitution bei, wie wir ja alle seit Jahren wissen.»

Gute Ernährung ist wichtig

Sowohl das Expertengremium als auch die Gesellschaft für Ernährung gehen von einer Unterversorgung mit Vitamin D und C, Zink, Selen sowie Omega-3-Fettsäuren in der Schweizer Bevölkerung aus.

«Die Versorgung mit wichtigen Nährstoffen für die optimale Funktion des Immunsystems ist weitgehend unklar, eine Unterversorgung wird vermutet», heisst es in dem Grundlagenpapier.

Viele Schweizer seien unterversorgt

An sich seien diese Vitamine und Spurenelemente bei einer gesunden und ausgewogenen Ernährung ausreichend, heisst es weiter. Die Experten aber befinden: «Gemäss der aktuellen Datenlage hält sich die Schweizer Bevölkerung zu wenig an diese Empfehlungen.»

Tatsächlich spiele eine einseitige Ernährung eine Rolle bei einigen Corona-Patienten, weiss auch der Impfstoff-Experte der Taskforce, Daniel Speiser (65): «Es ist allgemein gut, Vitamine zu sich zu nehmen, wenn man sie braucht, und es stärkt das Immunsystem auch in der Abwehr gegen Krankheiten wie Corona.»

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Schutzmassnahmen sind wichtiger

Gegen Ernährungstipps an sich sei nichts auszusetzen, sagt Taskforce-Mitglied und Virologe Didier Trono (65). «Generell nehmen die Leute ja im Winter oft zusätzliche Vitamine wie Vitamin C ein», sagt er gegenüber BLICK.

Aber solche Ernährungstipps direkt in Verbindung mit einem Schutz gegen Corona zu bringen, stellt er infrage. «Ernährung ist gut, aber es hat nur eine schwache Wirkung, um sich tatsächlich gegen Corona zu wappnen.» Er empfiehlt daher weiterhin ausdrücklich: Abstand halten, Maske tragen und die Hände waschen.

Schweizer haben schlechte Nährstoffwerte

Eigentlich sollte in der Schweiz eine optimale Versorgung mit allen essenziellen Nährstoffen wie Vitaminen und Mineralien weitgehend durch eine ausgeglichene Ernährung möglich sein. Doch laut Experte Manfred Eggersdorf zeigten Untersuchungen, dass weniger als 20 Prozent der Schweizer Bevölkerung die empfohlene Menge an Obst und Gemüse regelmässig zu sich nehmen. Vitamin D zum Beispiel ist in Lebensmitteln nur in geringen Mengen enthalten. In den Sommermonaten kann es der Körper durch Sonnenlicht in der Haut produzieren. In den Herbst- und Wintermonaten ist allerdings die Sonneneinstrahlung für eine optimale Vitamin-D-Produktion in der Haut nicht ausreichend.

Eigentlich sollte in der Schweiz eine optimale Versorgung mit allen essenziellen Nährstoffen wie Vitaminen und Mineralien weitgehend durch eine ausgeglichene Ernährung möglich sein. Doch laut Experte Manfred Eggersdorf zeigten Untersuchungen, dass weniger als 20 Prozent der Schweizer Bevölkerung die empfohlene Menge an Obst und Gemüse regelmässig zu sich nehmen. Vitamin D zum Beispiel ist in Lebensmitteln nur in geringen Mengen enthalten. In den Sommermonaten kann es der Körper durch Sonnenlicht in der Haut produzieren. In den Herbst- und Wintermonaten ist allerdings die Sonneneinstrahlung für eine optimale Vitamin-D-Produktion in der Haut nicht ausreichend.

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Nährstoff-Empfehlung für Corona-Winter

Diese Nährstoffe stärken gemäss der Expertengruppe das Immunsystem. Die Empfehlung gilt für Erwachsene pro Tag.

  • Vitamin D: 50 Mikrogramm
  • Zink: Supplementierung mit 10 mg
  • Vitamin C: Supplementierung mit 200 mg
  • Omega-3-Fettsäuren: Supplementierung mit 500 mg
  • Selen: Supplementierung mit 50 bis 100 Mikrogramm

Diese Nährstoffe stärken gemäss der Expertengruppe das Immunsystem. Die Empfehlung gilt für Erwachsene pro Tag.

  • Vitamin D: 50 Mikrogramm
  • Zink: Supplementierung mit 10 mg
  • Vitamin C: Supplementierung mit 200 mg
  • Omega-3-Fettsäuren: Supplementierung mit 500 mg
  • Selen: Supplementierung mit 50 bis 100 Mikrogramm
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