Meisterdieb Assane Diop
Netflix-Hit «Lupin»: Darum klingt der Meisterdieb plötzlich anders

Drei Jahre mussten Fans auf neue Folgen von «Lupin» warten. Doch seit die vierte Staffel auf Netflix läuft, sorgt nicht nur die Geschichte für Gesprächsstoff: Hauptfigur Assane Diop hat eine neue deutsche Stimme. Dahinter steckt ein Streit um künstliche Intelligenz.
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Hoch zu Ross: die neue Staffel lässt nichts aus.
Foto: Emmanuel Guimier/Netflix
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Gunda BosselSEO-Redaktorin

Wer «Lupin» auf Deutsch schaut, dürfte sich beim Start der neuen Folgen erst einmal wundern. Omar Sy, der als charismatischer Meisterdieb Assane Diop die Netflix-Serie prägt, klingt plötzlich anders. Die vertraute Stimme, die das Publikum durch die ersten drei Teile begleitet hat, ist verschwunden. Und damit für manche Fans auch ein Stück der Serienidentität.

In den Reaktionen auf den Trailer zur vierten Staffel gab es bereits deutliche Kritik. Einige Zuschauerinnen und Zuschauer bemängelten den Wechsel, andere riefen sogar zum Boykott auf. Die neue Synchronisation sei zwar solide, räumte das Branchenmagazin DWDL.de ein. Doch für alle, die sich an die bisherigen Stimmen gewöhnt haben, ist die Umstellung spürbar.

Wer spricht Lupin jetzt auf Deutsch?

Hinter dem Stimmenwechsel steckt eine Umbesetzung gleich mehrerer Hauptrollen. Die neuen Sprecherinnen und Sprecher sind inzwischen im Abspann der veröffentlichten Folgen zu finden. So haben auch Claire, der Bösewicht Pellegrini und andere Mitwirkende neue Stimmen erhalten.

Das sind die wichtigsten Wechsel:

  • Assane Diop (Omar Sy): Neu spricht Alexander Doering die Hauptfigur. Zuvor war Sascha Rotermund zu hören.
  • Claire Laurent (Ludivine Sagnier): Aline Staskowiak übernimmt die Rolle von Anne Helm.
  • Hubert Pellegrini (Hervé Pierre): Rainer Doering ersetzt Michael Iwannek.
  • Benjamin Férel (Antoine Gouy): Ricardo Richter übernimmt die Rolle von Michael Ernst.
  • Juliette Pellegrini (Clotilde Hesme): Damineh Hojat tritt an die Stelle von Yvonne Greitzke.
  • Sofia Belkacem (Shirine Boutella): Marie-Terese Katt ersetzt Leonie Dubuc.

Damit betrifft die Änderung also nicht nur die Stimme unseres geliebten Titelhelden. Auch bei mehreren anderen Figuren müssen sich Fans umgewöhnen. Laut DWDL.de soll zudem Michael Nowka die Synchronregie übernommen haben, nachdem zuvor Jürgen Wilhelm dafür verantwortlich war.

Warum ist Sascha Rotermund nicht mehr dabei?

Der Grund ist ein Konflikt, der die deutsche Synchronbranche seit Monaten beschäftigt. Netflix verlangt von Sprecherinnen und Sprechern neue Vertragsvereinbarungen, die auch die Nutzung ihrer Aufnahmen für das Training künstlicher Intelligenz betreffen.

Sascha Rotermund, der Omar Sy in den ersten drei Teilen von «Lupin» seine deutsche Stimme geliehen hat, wollte diese Vereinbarung nicht unterschreiben. In einem Interview mit dem österreichischen «Standard» erklärte er im Mai 2026, dass er grundsätzlich dagegen sei, seine schauspielerische Arbeit für KI-Trainingszwecke zur Verfügung zu stellen.

Dabei gehe es ihm nicht allein um den Klang seiner Stimme, sondern um seine gesamte künstlerische Leistung. Rotermund ist auch als deutsche Stimme von Hollywoodstars wie Benedict Cumberbatch und Pedro Pascal bekannt.

Seine Entscheidung sei ihm nicht leichtgefallen. Er habe sich intensiv mit der Frage auseinandergesetzt und auch Gespräche mit Netflix und der Synchronfirma geführt. Dennoch blieb er bei seiner Haltung.

Was hat Netflix mit der AI und den Stimmen vor?

Im Kern geht es um die Frage, unter welchen Bedingungen Synchronaufnahmen für künstliche Intelligenz verwendet werden dürfen. Netflix möchte entsprechende Aufnahmen für das Training von KI-Systemen nutzen können. Nach Darstellung des Unternehmens sollen digitale Nachbildungen oder synthetische Stimmen nicht ohne eine gesonderte und ausdrückliche Zustimmung eingesetzt werden.

Der Verband Deutscher Sprecher:innen (VDS) hält die neuen Vertragsregelungen jedoch für problematisch und hat zum Boykott aufgerufen. Er befürchtet, dass die Arbeit der Sprecherinnen und Sprecher dadurch langfristig entwertet werden könnte. Die Schauspielergewerkschaft BFFS hatte sich dagegen bereits mit Netflix auf entsprechende Regelungen verständigt.

Der Konflikt spaltet die Branche. Während einige Sprecherinnen und Sprecher Aufträge ablehnen, besetzt Netflix die betroffenen Rollen mit anderen Stimmen neu. Auch bei weiteren Produktionen des Streamingdienstes kam es deshalb bereits zu Umbesetzungen.

Müssen sich Fans jetzt an die neue Stimme gewöhnen?

Vorerst sieht es danach aus. Netflix hat die vierte Staffel mit der neuen deutschen Synchronbesetzung veröffentlicht. Eine Rückkehr von Sascha Rotermund in der Rolle von Assane Diop ist bislang nicht angekündigt.

Wer den Meisterdieb ganz unverfälscht erleben möchte, kann natürlich immer auf die französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln wechseln. Doch das ist nicht für alle eine gleichwertige Alternative. Viele schauen die Serie lieber auf Deutsch, um sich ganz auf die Handlung und die Bilder konzentrieren zu können, statt nebenbei Untertitel lesen zu müssen.

Lupins (beziehungsweise Sascha Rotermunds) samtig-weiche Stimme ist für viele also längst untrennbar mit der charmanten Figur des Meisterdiebs verbunden. Umso ungewohnter klingt es, wenn nun plötzlich jemand anderes spricht. Und wenn diese Stimme einfach weniger samtig, weniger schön und weniger charmant klingt, tut es zumindest mir, als Riesenfan, fast ein bisschen im Herz weh.

Der Streit um «Lupin» zeigt damit, wie weitreichend die Debatte um künstliche Intelligenz inzwischen ist. Es geht nicht mehr nur um technische Möglichkeiten, sondern auch um die Frage, wem die eigene Stimme und die eigene künstlerische Arbeit gehören. Für die Fans bleibt vorerst vor allem eine ungewohnte Erkenntnis: Selbst ein Meisterdieb kann seine Stimme verlieren.

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