Umweltsünde oder vertretbar?
Jährlich werden über 20'000 Bäume für Weinkisten gefällt

Laut der Alliance France Caisse Bois (AFCB) werden in Frankreich pro Jahr rund 10 Millionen Holzkisten für Weinverpackungen hergestellt. Die Konsequenz: Bäume fällen im grossen Stil.
Publiziert: 27.06.2024 um 14:31 Uhr
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Aktualisiert: 28.06.2024 um 10:37 Uhr
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Weinholzkisten sind praktisch, brauchen für die Herstellung aber auch Holz.
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Nicolas GreinacherRedaktor Wein DipWSET

Der Grossteil aller Weine wird heutzutage in wiederverwertbaren Kartonverpackungen transportiert. Die edelste und traditionellste Wein-Verpackungsform besteht allerdings nach wie vor aus Holz, wobei Frankreich die weltweite Produktion von Weinholzkisten mit grossem Abstand anführt. Rund zehn Millionen Holzkisten in verschiedenen Grössen sollen es sein, die französische Holzkistenmanufakturen jährlich anfertigen.

Umweltbewussten Menschen stehen beim Lesen dieser Informationen womöglich die Haare zu Berge, da für die Herstellung solcher Holzkisten massenhaft Bäume gefällt werden müssen. Wie viel Holz ein durchschnittlicher Baum für die Produktion einer Weinholzkiste liefert, haben wir bei französischen Weinkistenherstellern recherchiert.

58 Bäume pro Tag

Bei der Herstellung einer Weinholzkiste für sechs Flaschen werden rund 0.0032 Kubikmeter Holz benötigt. Ein 20 Meter hoher Kieferbaum liefert im Durchschnitt rund ein bis zwei Kubikmeter verwertbares Holz. Wer die Rechnung macht, kommt auf 469 Holzkisten – in diesem Beispiel 6er – pro gefälltem Baum. Für die jährlich zehn Millionen Holzkisten müssen also mehr als 20'000 Bäume pro Jahr gefällt werden, oder 58 Bäume pro Tag.

Im Gegensatz zur Kartonproduktion wird bei der Holzkistenfertigung allerdings auf die Benutzung von Wasser oder Chemikalien verzichtet, was wiederum der Umwelt zugutekommt. Weiter erzeugen nach Angaben der Alliance France Caisse Bois (AFCB) die für die Herstellung der Weinholzkisten verwendeten Kieferbäume ab einem Alter von 55 Jahren mehr CO₂ als sie absorbieren. Deshalb sei es notwendig, solche Bäume zu fällen und neue anzupflanzen.

Dieser Aussage widerspricht Simon Hepner (28), Leiter Fachbereich Baumgesundheit bei der Matthias Brunner AG in Zürich: «Die Behauptung ist eine grobe Vereinfachung des äusserst komplexen Kohlenstoff-Zyklus und dürfte irreführend sein. Bäume können der Atmosphäre auch im hohen Alter noch substanzielle Mengen an CO₂ entziehen», so Hepner zu Blick. Den Weinholzkisten attestiert Hepner allerdings, dass der aus der Luft entzogene Kohlenstoff in ihnen gebunden bleibt.

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