Darum gehts
- Brotkulturen weltweit: Unterschiede in Zutaten, Bedeutung und Verzehr
- Brot symbolisiert in der Türkei Tradition, Respekt und Gemeinschaft
- Seit den 1960er-Jahren etablierte sich Brot in Japan
Wer derzeit in Südeuropa in den Sommerferien weilt und den Lebensmitteleinkauf fürs Airbnb erledigt, steht möglicherweise ernüchtert in der Brotabteilung des lokalen Supermarktes. Zwischen den hellen Weizenbroten findet sich gelegentlich eines mit Körnern, doch Dinkel-, Roggen- und Vollkornbrot? Fehlanzeige.
Während etwa in Italien meist industriell hergestelltes, nährstoffarmes Weissbrot die Supermärkte dominiert, findet sich im Laden in der Schweiz eine breite Palette an vor Ort frisch gebackener und gesunder Brotsorten mit langem Fermentationsprozess und hohem Ballaststoffanteil.
Wie auch in Deutschland oder Österreich kann der Verzehr von Brot in der Schweiz bereits als vollständige Mahlzeit gelten (Frühstücksbrot, Abendbrot, Brotzeit). Auch in anderen Regionen der Welt spielt das tägliche Brot als Nahrungsmittel eine Hauptrolle – allerdings in anderer Form und mit anderem kulturellen Gewicht. Blick stellt die Brotkulturen aus fünf Ländern rund um den Globus vor.
Türkei
«Bazlama», «Pide» oder «Simit» – türkisches Brot hat viele Formen und Namen. Gemeinsam ist den meisten Sorten Weizen als Hauptzutat, oft ergänzt durch Joghurt. Obwohl Brot nicht als eigenständige Mahlzeit gegessen wird, hat es im Land einen hohen symbolischen Stellenwert: Es steht für Tradition, Respekt und Gemeinschaft. In der anatolischen Republik gilt Brot als Geschenk Gottes, das nicht verschwendet werden darf – fällt es zu Boden, wird es aufgehoben und aus Ehrfurcht geküsst.
Island
Dunkel, leicht süsslich und ohne Kruste – das klassische isländische Roggenbrot «Rúgbrauð» wird dank geothermischer Backtechnik in heissen Quellen auch als «Lavabrot» bezeichnet. Roggenmehl ist auch die Hauptzutat für das dünne, weiche Fladenbrot «Flatkaka». Historisch spielt Brot in Island jedoch eine untergeordnete Rolle, da Getreideanbau wegen des Klimas kaum möglich war. Statt Brotscheiben bestrichen die Isländer früher getrockneten Fisch mit Butter. Heute gehört Brot als Beilage auch in Island zum Alltag – zum Frühstück sind aber Skyr, Porridge oder Müsli besonders beliebt.
Mexiko
Brote aus Dinkel, Roggen, Hafer oder Gerste sowie Vollkornmehl findet man in Mexiko höchstens in modernen Bio-Bäckereien. Das dominierende Getreide für mexikanisches Brot wie «Bolillo» oder «Telera» ist raffiniertes Weizenmehl, also helles Mehl ohne Kleie oder Keim. Doch das Herzstück der mexikanischen Küche ist nicht Weizen, sondern Mais. Maisprodukte wie «Tortillas», «Tamales» oder «Gorditas» übernehmen als alltägliche Grundlage in Mexiko die gleiche Funktion wie Brot in Mitteleuropa. Besonders Tortillas werden zu fast jeder Mahlzeit gegessen und bilden die Basis für Gerichte wie Tacos, Enchiladas oder Fajitas.
Japan
Brot als Teil der täglichen Ernährung ist in Japan eine relativ junge Erscheinung: Erst seit den 1960er-Jahren wurde es als Symbol westlicher Modernität etabliert. Nicht nur in Japan, sondern auch in den meisten anderen asiatischen Ländern nimmt Reis jene kulturelle Rolle ein, die Brot in Mitteleuropa spielt. Wie in der Türkei oder Mexiko bestehen auch die japanischen Brotsorten meist aus Weizenmehl. Brote wie «Shokupan», «Anpan» oder «Koppepan» gehören heute für viele moderne Japanerinnen und Japaner zum Frühstück oder Snack. Am Abend jedoch bleibt Reis die dominierende Stärkebasis in den meisten Haushalten.
Äthiopien
Das Brot Äthiopiens heisst «Injera». Als fester Bestandteil nahezu jeder Mahlzeit wird es täglich gegessen und traditionell geteilt. Das leicht säuerliche, schwammige Fladenbrot besteht aus dem Mehl der glutenfreien Zwerghirse «Teff» und dient zugleich als Teller und Besteck: Würzige, farbenfrohe Eintöpfe werden direkt auf dem Injera angerichtet, gegessen wird mit den Händen – indem man mit dem Brot die Speisen aufnimmt. Übrig gebliebene Injera-Stücke werden später mit Öl, Zwiebeln und der scharfen Gewürzmischung «Berbere» vermengt und als Frühstück serviert – bekannt unter dem Namen «Fit-fit» oder «Fir-fir».