Darum gehts
- Fondation Beyeler in Riehen BS eröffnet am 26. September grosse Erweiterung
- 120 Millionen Franken für drei Neubauten von Stararchitekt Peter Zumthor investiert
- 2025 besuchten über 500'000 Gäste das Museum, Rekordjahr für die Fondation
Wer Angst vor Spinnen hat, aufgepasst: Im erweiterten Park der Fondation Beyeler lauert die haushohe «Maman» von Louise Bourgeois. Und wenn es plötzlich vom Dach heruntertrommelt, entdeckt man auf dem neuen Wyss Museum einen täuschend echten Jungen. «Drummer Boy» von Maurizio Cattelan haut alle halbe Stunde wie zum Tusch auf seine Trommel. Ab 26. September öffnet die Fondation Beyeler in Riehen BS ihr neues Ensemble. Das weltberühmte Museum wird zum Kunst-Erlebnisort.
Der eigentliche Star der 120 Millionen Franken teuren Erweiterung ist Peter Zumthor (83). Der Architekt wurde in Basel geboren, wuchs nur fünf Kilometer entfernt in Oberwil BL auf – und hat ausgerechnet in seiner Heimat bisher noch nie gebaut. «Ich wurde vorher nie eingeladen», sagt Zumthor zu Blick. Die Rückkehr bedeutet ihm viel: «Ich kenne die Landschaft, die Orte und die Wege.» Ganz in der Nähe, in Bettingen, wohnte einst seine erste Freundin.
Wyss Museum dank Schweizer Milliardär
Statt eines monumentalen Erweiterungsbaus setzte Zumthor drei kleinere Bauten in den Park. «Ich wollte, dass sich meine Gebäude so einfügen, dass es selbstverständlich aussieht.» Wenn er nun höre, sie wirkten, als seien sie schon immer hier gewesen, «ist das ein Kompliment für mich».
Herzstück ist das neue Wyss Museum mit rund 1500 zusätzlichen Quadratmetern Ausstellungsfläche auf drei Etagen. Benannt ist es nach dem Hauptförderer des Neubaus, Hansjörg Wyss (91). Der Schweizer Milliardär ist einer der bedeutenden Kunstmäzene des Landes und Mitbesitzer des englischen Fussballklubs Chelsea. Zumthor plante es um jahrhundertealte geschützte Bäume herum. Ein Ginkgo, ein Mammutbaum und eine Platanengruppe mussten bleiben – die Architektur passte sich der Natur an. «Die Landschaft ist für mich das Grösste, was wir haben», sagt Zumthor. Ein Gebäude dürfe daneben auch unbedeutender werden: «Davor muss man keine Angst haben.» Für ihn gilt: «Das Museum selbst soll nur für die Kunst da sein.» Sein Anspruch: «Ich versuche, Gebäude zu bauen, die geliebt werden.»
Park im Sinn von Ernst Beyeler
Dass der angrenzende Park nun Teil der Fondation Beyeler wird, geht laut Direktor Sam Keller auf einen Wunsch von Gründer Ernst Beyeler zurück. «Jetzt ist es möglich geworden.» Der bisher private Erlengarten wird erstmals öffentlich zugänglich, die Parkfläche wächst um fast 10'000 Quadratmeter. Dabei sollen Kunst und Natur immer stärker miteinander verschmelzen: Zwischen jahrhundertealten Bäumen und dem Seerosenteich begegnet man Werken von Louise Bourgeois, Pierre Huyghe und Rachel Whiteread. Die Installation von Fujiko Nakaya lässt Nebel durch die Landschaft ziehen, im Frühling folgt ein Garten von Fischli/Weiss.
Doch die Fondation erweitert nicht nur ihre Kunstfläche. Im gläsernen Ammann Pavillon kann man sich tagsüber kostenlos aufhalten – auch ohne Museumsticket. «Es ist ein Raum für Konzerte, Performances, Gespräche oder Filme», sagt Keller. «Das hat bis jetzt gefehlt.» Ein neuer Musiksalon bietet mehr als 2000 Vinylplatten und High-End-Sound.
Auch die historische Orangerie bekommt ein neues Leben. Designerin India Mahdavi hat sie in ein Gewächshaus mit Pflanzenshop verwandelt. Hier wachsen unter anderem Pflanzen, die angesichts des Klimawandels künftig auch in der Schweiz eine grössere Rolle spielen könnten.
Damit verschwimmen die Grenzen des klassischen Museums: Man kann Kunst anschauen, durch einen verwunschenen Garten spazieren, Musik hören, Pflanzen entdecken – oder einfach im Pavillon sitzen.
Info: Die Preview des Ensembles beginnt am 26. September 2026. Tickets sind limitiert und müssen online reserviert werden. fondationbeyeler.ch