Neuer Internet-Begriff
«Tonic» statt «Toxic» lautet die Devise

Schon mal von «Tonic Masculinity» gehört? Das ist kein Verschreiber, sondern das Gegenstück zu «Toxic Masculinity». Der Ausdruck bezeichnet ein positives Männlichkeitsbild, welches von einigen Promis vorgelebt wird.
Publiziert: 30.08.2025 um 19:14 Uhr
Teilen
Anhören
Kommentieren
1/6
Besonders Frauen loben in den sozialen Medien bestimmte Männer für ihre «Tonic Masculinity».
Foto: Shutterstock

Darum gehts

  • «Tonic Masculinity»: Positives Männerbild als Gegensatz zu toxischer Männlichkeit
  • Begriff schon 2021 von Miles Groth im Journal «New Male Studies» verwendet
  • Bekannte Vorbilder: Travis Kelce, Pedro Pascal und Tim Walz
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
Caroline_Kälin_Praktikantin Ressort Gesellschaft_Blick (Ringier AG)_1-Bearbeitet.jpg
Caroline KälinRedaktorin Gesellschaft

«Kräftigend» oder «stärkend» – so die deutsche Übersetzung des englischen Begriffs «tonic». Genau in diesem Sinne ist das Wort im Zusammenhang mit Männlichkeit gemeint. «Tonic Masculinity» bildet ein positives Pendant zu schädlichen Männlichkeitsbildern, sogenannter «Toxic Masculinity». Während Letztere durch Dominanz, Aggression und Gefühlskälte geprägt ist, betont «Tonic Masculinity» Eigenschaften wie Fürsorge, Sanftmut und Verletzlichkeit.

Der Begriff wurde von Miles Groth, Psychologieprofessor am Wagner College in New York, bereits im Jahr 2021 im Journal «New Male Studies» verwendet. Das internationale Fachjournal beleuchtet Forschung und Analysen zu männlicher Identität, Beziehungen und gesellschaftlichen Rollen. Groth versteht «Tonic Masculinity» nicht als blosses Verhalten, sondern als Haltung, die Männern ermöglicht, heilsame Beziehungen zu pflegen und ihr Umfeld positiv zu gestalten.

Bekannte Aushängeschilder

Unter «Tonic Masculinity» kann man sich besser etwas vorstellen, wenn man Vorbilder vor Augen hat. Ein Mann, der im Internet häufig als Beispiel genannt wird, ist Travis Kelce (35). Er zeigt, dass moderne Männlichkeit auch darin besteht, andere zum Strahlen zu bringen. Der erfolgreiche American-Football-Spieler stellt sich nicht in den Vordergrund, sondern unterstützt öffentlich seine Partnerin Taylor Swift (35), feiert ihre Erfolge und begleitet sie bei Auftritten. Solche Gesten bringen ihm im Internet viel Zuspruch ein. Vor allem weibliche Fans sehen in ihm ein Vorbild für ein positives Männerbild: präsent, unterstützend und selbstbewusst zugleich.

Ein weiteres Beispiel ist der Schauspieler Pedro Pascal (50), den man unter anderem aus den Serien «Game of Thrones» oder «Narcos» kennt. Er reagiert gelassen auf die vielen Memes, Kommentare und Lob zu seiner Person und geht respektvoll auf Fans ein. Gleichzeitig spricht er offen über persönliche Herausforderungen. Darunter der Verlust seiner Mutter, die Kindheit als Flüchtling mit Umzug in ein neues Land und die Hürden, die er auf seinem Werdegang als Schauspieler meistern musste.

Auch in der Politik lassen sich «Tonic»-Männer finden. So zum Beispiel Tim Walz (61), der Gouverneur von Minnesota und ehemalige US-Vizepräsidentschafts-Kandidat. Seinen Status als moderner Mann zementierte er im Jahr 2023, als er ein Gesetz unterzeichnete, das die öffentlichen Schulen Minnesotas dazu verpflichtet, in den Toiletten Menstruationsprodukte zur Verfügung zu stellen. Dafür hat er aus konservativen Kreisen den Spitznamen «Tampon Tim» erhalten. Unter diesem Namen hat Walz im Internet viel weiblichen Zuspruch erhalten, obwohl die Bezeichnung wohl ursprünglich spöttisch gemeint war.

Nur das absolute Minimum

Gleichzeitig gibt es Stimmen, die betonen, dass vieles davon eigentlich nur das Mindeste ist, was man von einem Mann erwarten kann. Dennoch wird die Sichtbarkeit solcher positiven Männlichkeitsbilder im Netz gefeiert. Sie zeigt, dass Stärke und Fürsorge, Selbstbewusstsein und Rücksichtnahme keine Widersprüche sein müssen und bietet gerade für junge Männer ein alternatives Rollenbild, an dem sie sich orientieren können.

Teilen
Fehler gefunden? Jetzt melden
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen
      Meistgelesen