Kakadus knacken Mülltonnen
Die erstaunliche Anpassungsfähigkeit von Tieren

Von kuschelnden Hunden über lernfähige Rinder bis zu klauenden Affen: Verhaltensforscher Norbert Sachser zeigt im Buch «Tierwelt am Limit», wie Tiere sich an den Menschen anpassen – und wo selbst ihre erstaunlichen Fähigkeiten an Grenzen stossen.
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Gelbhaubenkakadus auf Futtersuche in Sydney.
Foto: IMAGO/Zoonar

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Hunde steigern Kuschelhormone durch Blickkontakt, anders als Wölfe
  • Kälber wachsen schneller, wenn sie täglich drei Minuten gestreichelt werden
  • Killifische tolerieren 1000-fach mehr Gift durch evolutionäre Anpassung
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Katja RichardRedaktorin Gesellschaft

Fische entwickeln «Superkräfte», um Umweltgiften zu widerstehen und Kakadus lernen Mülltonnen zu öffnen, um an Nahrung zu gelangen. Wildtiere, aber auch Haus- und Nutztiere können sich erstaunlich gut an veränderte Umweltbedingungen anpassen. Der Verhaltensforscher Norbert Sachser (71) ordnet solche Beispiele auf dem neusten Stand der Wissenschaft ein und zeigt auf, wo diese Anpassungen ihre Grenzen haben.

1. Hunde koppeln sich an unser «Kuschelhormon»-System

Der Hundeblick aktiviert beim Menschen das Kuschelhormon.
Foto: Getty Images

Hunde haben im Laufe der Domestikation gelernt, intensiv über Blicke mit uns zu kommunizieren. Schaut ein Hund seinen Menschen an, wird bei beiden die Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin erhöht – ein Mechanismus, der der Mutter-Kind-Bindung dient. Hunde nutzen damit eine positive Rückkopplungsschleife zwischen Mensch und Tier. Wölfe hingegen vermeiden, selbst wenn sie von Hand aufgezogen wurden, direkten Blickkontakt weitgehend.

2. «Stubenreine» Rinder und die Kraft des Streichelns

Kälber, die täglich gestreichelt werden, wachsen schneller.
Foto: Getty Images

Rinder sind überraschend lernfähig. Kälbern kann man etwa beibringen, gezielt einen bestimmten Bereich im Stall als Toilette zu benutzen. Ebenso eindrücklich ist der Einfluss von Nähe: Kälber, die in den ersten Lebenswochen täglich nur drei Minuten am Hals gestreichelt werden, nehmen bis zu sieben Prozent mehr pro Tag an Gewicht zu.

3. Fische passen sich Giftwasser an

Killifische passen sich Giftwasser an: Eine evolutionäre Adaption durch Mutation.
Foto: imago/blickwinkel

An der dicht besiedelten US-Ostküste sind Meere seit Jahrzehnten stark mit Industriechemikalien belastet – Stoffe, die für viele Tiere tödlich wären. Trotzdem leben dort Atlantische Killifische. Studien zeigen: Nachkommen aus belasteten Regionen vertragen Giftkonzentrationen, die bis zu 1000-mal höher liegen als jene in sauberen Gewässern. Die Ursache ist evolutionäre Anpassung durch Mutation.

4. Kakadus knacken Mülltonnen

Kakadus finden immer wieder neue Tricks, um Mülltonnen zu öffnen.
Foto: Screenshot youtube

In Sydney haben Gelbhaubenkakadus gelernt, Mülltonnen in mehreren präzisen Schritten zu öffnen – vom Deckel bis zum Scharnier. Dieses Verhalten verbreitet sich rasch: Die Vögel lernen voneinander, wodurch sich die Technik innerhalb weniger Jahre im gesamten Grossraum der australischen Stadt ausgebreitet hat. Weil die Kakadus so den Müll überall verstreuen, werden immer wieder neue Methoden gefunden, um die Mülleimer zu sichern – ohne die Müllabfuhr zu behindern. Aktuell verhindern mit Wasser gefüllte Plastikflaschen das Öffnen der Deckel – bis die Kakadus eine neue Technik finden.

5. Wie Affen klauen und verhandeln

Schlaue Affen: Sie klauen gezielt und tauschen die Beute gegen Essen.
Foto: IMAGO/Depositphotos

Tempelaffen auf Bali bestehlen Touristen gezielt – und geben das Diebesgut erst gegen Futter wieder zurück. Besonders «erfolgreiche» Affen haben gelernt, welche Objekte am meisten einbringen – etwa Brillen oder Smartphones. Dieses Verhalten begann wahrscheinlich bei wenigen Individuen und verbreitete sich dann durch soziales Lernen in der Gruppe – die Affen schauen sich die beste Strategie einfach voneinander ab.

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