Ines Wagner (57) aus Hüttwilen TG hat unheilbaren Krebs
Warum sie trotzdem jeden Tag glücklich sein kann

Sie ist unheilbar krank – und dennoch strahlt Ines Wagner pure Lebensfreude und Positivität aus. Ihre emotionale ­Geschichte hat sie jetzt in einem Buch erzählt.
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Ihr Strahlen kann Ines Wagner auch der Krebs nicht nehmen. Trotz schwerer Tage bleibt die Thurgauerin optimistisch.
Foto: zVg

Darum gehts

  • Ines Wagner aus Hüttwilen TG lebt seit Juli 2023 mit metastasiertem, unheilbarem Brustkrebs
  • In ihrem Buch «Letrozol und Erdbeere» beschreibt sie Therapie, Alltag und ihre Erdbeermomente
  • Sie nimmt täglich Letrozol, arbeitet 20 Prozent im Kundendienst und spricht offen über Krebs
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Sarina Bosshard
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Es war ein eigentlich ganz normaler Sommertag im Juli 2023, als sich das Leben von Ines Wagner (57) aus Hüttwilen TG für immer veränderte. Nach mehreren Abklärungen beim Arzt erhielt sie die Diagnose metastasierter Brustkrebs. Zwar behandelbar, aber nach heutigem Stand unheilbar. «Es zieht einem wirklich komplett den Boden unter den Füssen weg», erinnert sich die zweifache Mutter an jene unfassbare Ohnmacht. Doch wenn man heute mit ihr spricht, ist da keine Verbitterung. Im Gegenteil: Sie strahlt eine tiefe Dankbarkeit aus und hat gelernt, das Beste aus ihrem neuen Alltag zu machen.

Seit über drei Jahren schluckt sie jeden Abend eine Tablette Letrozol, die das Wachstum der Krebszellen eindämmen soll. Zu Beginn wurde zudem eine Metastase im Becken­knochen bestrahlt. Die Nebenwirkungen des Medikaments sind hart: Gelenk- und Knochenschmerzen plagen sie, ­besonders in den Händen. «Es ist zum Teil sehr zermürbend», sagt sie offen. Dennoch lässt sie sich nicht unterkriegen. ­Bewegung sei essenziell, auch um der drohenden Osteoporose entgegenzuwirken.

Sie sammelt Erdbeermomente

Aus dem Bedürfnis heraus, das Erlebte zu ordnen und anderen Betroffenen Mut zu machen, entstand ihr Buch «Letrozol und Erdbeere», das durch Zufall zum Brustkrebsmonat Oktober erschienen ist. Die Erdbeere im Titel steht für die süssen, oft unbeachteten Augenblicke des Alltags. «Für mich ist das Schöne im Leben ein Erdbeermoment», erklärt sie. Das könne ein vorbeifliegender Schmetterling beim Spaziergang sein, wärmende Sonnenstrahlen oder ein schönes Gespräch. Durch die Krankheit habe sie gelernt, nicht mehr weit in die Zukunft zu planen. «Ich nehme es Tag für Tag, Schritt für Schritt. Ich versuche, den Moment zu leben und zu geniessen.»

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Dieser Artikel wurde erstmals in der «GlücksPost» veröffentlicht. Mehr aus der Welt der Schweizer Prominenz, Royals und Sportstars erfährst du immer donnerstags in unserem Heft: zum Abo!

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Zu dieser neuen Achtsamkeit gehört auch eine feste Tagesstruktur. Sie hat ihre Ernährung umgestellt, backt ihr Brot selbst und hat den Zuckerkonsum reduziert. Ein Stück Normalität gibt ihr zudem ihr kaufmännischer Job im Kundendienst, den sie nach jahrelanger Vollzeitbeschäftigung nun in einem 20-Prozent-Pensum ausübt. Wichtig war für sie auf ihrem Weg aber auch der Lernprozess, persönliche Grenzen zu setzen und Unterstützung anzunehmen. Früher habe sie stets versucht, ­alles mit sich allein auszumachen, um niemanden zu belasten. Heute weiss sie: «Ich muss kein schlechtes Gewissen haben.» Wenn ihr ein Ausflug zu viel wird, zieht sie sich zurück. Der Krebs soll aber nicht die Oberhand über ihr Programm gewinnen.

Offener Umgang mit Erkrankung

In dieser schweren Zeit ist ihr das Umfeld, besonders ihre Tochter und ihr Sohn (25 und 20), eine enorme Stütze. Um ­Familie und Freunden die Scheu vor dem Tabu­thema Krankheit zu nehmen, setzte die Thurgauerin von Anfang an auf Offenheit. «Ich habe den Leuten gesagt: ‹Du darfst mich alles fragen.›» Gleichzeitig entlastete sie ihre Mitmenschen vom Druck, immer das Richtige sagen zu müssen. «Manchmal reicht es schon, wenn man jemanden einfach in den Arm nimmt oder sagt: ‹Hey, ich bin da, wenn du mich brauchst.›»

Wie lange das Medikament noch wirkt und wie viel Lebenszeit ihr bleibt, hat sie ihren Arzt bewusst nie gefragt. Zahlen bringen ihr nichts, sie würden einen nur wahnsinnig machen. Lieber investiert sie ihre Energie in das Hier und Jetzt. Auf die Frage, was sie selbst Betroffenen raten würde, hat sie eine klare Antwort: «Auf sich selber hören, sich Zeit für Entscheidungen lassen und das machen, was für einen persönlich passt.» Und vor allem: jeden einzelnen Erdbeermoment auskosten.

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