Ex-Supermodel Jerry Hall
«Ich bin 70 – ich sollte Falten haben»

Jerry Hall feiert zum 70. Geburtstag ihre Falten. Botox und Facelifting lehnt das Ex-Supermodel ab. Entwicklungspsychologin Pasqualina Perrig-Chiello erklärt, warum die Babyboomerinnen das Altern neu definieren – und weshalb Ausstrahlung wichtiger ist als Perfektion.
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Schön mit 70: Das funktioniert für Jerry Hall auch mit Falten.
Foto: IMAGO/Eventpress

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Jerry Hall feiert ihren 70. Geburtstag und setzt auf Natürlichkeit statt Beauty-Eingriffe
  • Psychologin Perrig-Chiello betont: Frauen definieren Alter heute selbst
  • Babyboomerinnen: Gesünder, gebildeter, finanziell unabhängiger als frühere Generationen
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Katja RichardRedaktorin Gesellschaft

Runzeln im Gesicht? Ja und? Jerry Hall feiert ihren 70. Geburtstag und hat kein Problem damit. «Was ist so schlimm an Falten? Ich habe jede Menge Falten, aber es ist mir egal. Ich bin 70, ich sollte Falten haben», sagt sie in der «Vogue». Das Modemagazin hat mit dem ehemaligen Supermodel und der Ex von Mick Jagger aus diesem Anlass ein Shooting gemacht.

Mit ihren langen Beinen macht sie noch immer eine tolle Figur, an Ausstrahlung hat sie nichts eingebüsst. Jerry Hall fühlt sich wohl in ihrer Haut. Botox, Filler oder gar ein Facelifting kommen für sie nicht infrage. «Ich finde, wir sollten wie 70 aussehen dürfen. Warum versuchen wir, auszusehen wie 50?» Schliesslich ist Hall auch Grossmutter – und hütet regelmässig ihre Enkel.

Babyboomerinnen: Gebildet und unabhängig

Wie eine Frau heute altert, entscheidet sie selbst. Mit dieser Haltung steht Hall nicht allein. «Die Babyboomerinnen sind eine neue Generation», sagt die Entwicklungspsychologin Pasqualina Perrig-Chiello (73), Autorin des Buches «Own Your Age». Die heute 60- bis knapp 80-jährigen Frauen seien gesünder, besser gebildet und finanziell unabhängiger als frühere Generationen. «Traditionell werden Frauen über ihr Aussehen definiert. Je älter sie werden, desto stärker wird dieser Fokus.» Gleichzeitig hätten Frauen heute mehr Möglichkeiten als je zuvor. «Das ist eine schöne neue Freiheit.» Sie können selbst entscheiden, ob sie ihr Äusseres verändern wollen – oder eben nicht. Das Thema interessiert, die Psychologin schreibt bereits an ihrem neuen Buch mit dem Arbeitstitel: «Diese Zukunft nehmen wir uns.»

Die Psychologin Pasqualina Perrig-Chiello schreibt Bücher übers Altern.

Lange Zeit verschwanden Frauen mit den Wechseljahren gesellschaftlich aus dem Blickfeld – es waren die berüchtigten unsichtbaren Jahre. Und die sind trotz Wandel noch nicht vorbei. «Ältere Frauen sind nach wie vor unterrepräsentiert, sei es in der Wirtschaft, der Politik, den Medien oder im Film», sagt Perrig-Chiello. Sichtbar zu altern, braucht Mut – besonders, wenn man in der Öffentlichkeit steht. Das musste Alexandra Grant (53), die Lebensgefährtin von Keanu Reeves (61), erfahren. Sie trägt ihr Haar natürlich weiss. Dafür wird sie in den sozialen Medien als «Oma» verspottet und regelmässig älter geschätzt. Reeves dagegen gilt mit seinem angegrauten Bart als charismatisch. «Mit Alters-Shaming setzen sich Frauen oft gegenseitig unter Druck – das ist besonders schade», sagt Perrig-Chiello.

Graue Schläfen nur für Männer attraktiv

Falten, sonnengegerbte Haut, graues Haar: Bei Männern gilt das oft als attraktiv. «Es zeigt Reife, ein gelebtes Leben», sagt die Psychologin. Bei einer Frau gelten dieselben Merkmale als Anzeichen, dass sie ihr Ablaufdatum erreicht hat. «Jugend und Fruchtbarkeit sind die Merkmale weiblicher Attraktivität, das ist tief in patriarchalen Strukturen verankert.» Männer würden dagegen stärker über ihre Leistungsfähigkeit und ihren sozialen Status definiert.

Cher mit ihrem Freund Alexander Edwards – er ist halb so alt wie sie.
Foto: Corbis via Getty Images

Kein Wunder versuchen viele Frauen, die Zeichen des Alterns möglichst lange hinauszuzögern. Botox, Filler und Faceliftings sind längst salonfähig. Stars wie Demi Moore (63) oder Cher (80) zeigen offen, dass sie ästhetischen Eingriffen nicht abgeneigt sind. Doch Perrig-Chiello warnt davor, Schönheit mit Attraktivität gleichzusetzen. «Aussehen ist wichtig. Menschen, die als schön gelten, sind erfolgreicher. Aber man muss zwischen Schönheit und Attraktivität unterscheiden. Letztere ist viel umfassender. Je älter man wird, desto mehr zählen Persönlichkeit und Ausstrahlung.»

Jugendlichkeit ist mehr als faltenfreie Haut

Ein makellos geglättetes Gesicht macht nicht automatisch jünger. Gerade bei exzessiven Eingriffen wirkt es oft starr und normiert. «Jugendlichkeit definiert sich über weit mehr als faltenfreie Haut oder volle Lippen», sagt Perrig-Chiello. Dynamik, Beweglichkeit, Mimik, Haltung und Ausstrahlung seien ebenso wichtig. «Es gibt viele Menschen, die nicht im klassischen Sinn schön sind und trotzdem unglaublich attraktiv wirken.»

Meryl Streep spielt mit 77 noch immer ganz oben in Hollywood mit.
Foto: WireImage

Ein gutes Beispiel dafür ist Meryl Streep (77). Als die Schauspielerin Ende 40 bereits zwei Oscars gewonnen hatte, stellte sich die Frage: Wie weiter in Hollywood? «Als ich auf die 40 zuging, dachte ich wirklich, jeder Film könnte mein letzter sein», sagte sie einmal. Doch sie überwand die unsichtbare Altersgrenze, an der viele Schauspielerinnen scheitern. Sie konzentrierte sich darauf, wer sie ist und was sie kann: «Man wird sich zunehmend bewusst, wie wenig das Äussere mit dem zu tun hat, wer man ist.» Sie spielte weiter – tiefgründig, aber auch komisch. Legendär wurde ihr Auftritt in «Der Teufel trägt Prada». Was wären ihre ausdrucksstarken Blicke ohne die feinen Falten um die Augen? Streep steht zu ihrem Alter, zu ihrem weissen Haar und ihrer Lesebrille – es scheint ihr sogar Spass zu machen. Das heisst nicht, dass sie auf Beautybehandlungen verzichtet.

Man muss sich nicht hässlich machen

Es geht nicht darum, sich zwischen Natürlichkeit und Schönheitseingriffen entscheiden zu müssen. «Wir müssen uns nicht hässlich machen», sagt Perrig-Chiello. Gepflegtheit darf in jedem Alter dazugehören – für Frauen wie für Männer. Entscheidend seien das Mass und die Motivation. «Ich will gefallen, ja. Aber nicht zu jedem Preis.» Gegen das Alter anzukämpfen, sei letztlich ein verlorener Kampf. «Es geht darum, das Älterwerden zu akzeptieren und sich damit wohlzufühlen – denn genau das strahlt man aus.»

So wie Jerry Hall. Mit ihrem Lebensstil lässt sie manchem Longevity-Berater die Haare zu Berge stehen: Sie raucht noch immer rund zehn Zigaretten am Tag, trinkt auch mittags ein Glas Wein und verzichtet meist auf Sonnencreme. Statt ins Fitnessstudio geht sie in ihren Garten. Ihr Beauty-Geheimnis? Viel Schlaf, Wasser und kein Dessert. Vielleicht ist genau das ihr Erfolgsrezept: Sie versucht nicht, jünger zu wirken – sondern wirkt glaubwürdig als schöne 70-Jährige.


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