Erste-Hilfe-Buch
«Ich vergebe mir» – diese Sätze können Eltern helfen

Ein neues Buch mit bindungsorientierten Tipps soll Familien helfen. «50 Sätze, die es Eltern leichter machen» will Eltern als Erste-Hilfe-Kit dienen. Blick zeigt, welche Sätze schwierige Situationen entschärfen können.
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Autorin Birgit Gattringer liefert mit 50 Sätzen einen sprachlichen Erste-Hilfe-Kasten für Familien.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Birgit Gattringer veröffentlicht Buch mit 50 hilfreichen Eltern-Sätzen
  • Sätze stärken Bindung, fördern Selbstvertrauen und helfen bei Konflikten
  • 7 Unterthemen und konkrete Beispiele für den Familienalltag
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Florin SchranzRedaktor News

«Es tut mir leid!» Dieser und 50 weitere Sätze, die Eltern sagen können, um die Beziehung zu ihrem Kind zu stärken, werden im neuen Buch von Birgit Gattringer (42) «50 Sätze, die es Eltern leichter machen» behandelt. Gattringer ist diplomierte Mentaltrainerin, Familien-Beraterin und Gründerin der deutschsprachigen «Friedvollen Elterncommunity». Mit fundiertem Wissen in bindungsorientierter Entwicklung und gewaltfreier Kommunikation begleitet die zweifache Mutter aus Wien Familien. Ihr zentrales Herzensthema: Kindern ein unerschütterliches Selbstvertrauen mit auf den Weg zu geben. Sie war nach dem Lesen des Karten-Sets «50 Sätze, die das Leben leichter machen» von Karin Kuschik inspiriert, mit ihrer eigenen Expertise ein themenspezifisches Buch zu schreiben. Sie nennt das Ganze einen sprachlichen Erste-Hilfe-Kasten für den Familienalltag und widmet jedem Satz ein Kapitel mit einem Beispiel.

Hier ein kleiner Einblick in die verschiedenen Teile des Buchs, das sieben verschiedene Unterthemen behandelt. 

Wir gehören zusammen

Gerade nach einem Streit signalisiert ein verbindender Satz dem Kind unbedingte familiäre Sicherheit und löst emotionale Spannungen sofort auf. Da eine solch sichere Bindung existenziell ist und über die Jahre wächst, sollte das Gefühl der Zusammengehörigkeit auch im ruhigen Alltag durch kleine Rituale regelmässig gestärkt werden. Echte Bindung bedeutet dabei nicht, dass Kinder sich ständig anpassen müssen. Vielmehr bildet sie das unverzichtbare Fundament, das es ihnen erst ermöglicht, Wut zu zeigen, Grenzen auszutesten und schliesslich zu selbständigen Persönlichkeiten heranzuwachsen.

Ich nehme das Verhalten meines Kindes nichtpersönlich

Wenn Kinder plötzliche Wutanfälle bekommen und ihre Eltern mit verletzenden Worten attackieren, reagieren diese oft geschockt und nehmen das Verhalten persönlich. Hinter solchen kindlichen Ausbrüchen steckt jedoch keine böse Absicht oder echte Ablehnung, sondern emotionale Überforderung und ein unbewusster Hilferuf. In einer solch akuten Stresssituation bringt es nichts, das Verhalten sofort massregeln zu wollen, da das Gehirn des Kindes blockiert ist und es ohnehin nichts aufnehmen kann. Statt aus der eigenen Verletzung heraus zu reagieren, sollten Eltern ruhig bleiben, das Verhalten nicht auf sich beziehen und dem Kind als sicherer Hafen emotionale Unterstützung bieten. Erst in einem späteren, entspannten Moment ist es sinnvoll, das Geschehene noch einmal aufzugreifen und in Ruhe über die verletzende Wirkung von Worten zu sprechen.

Wenn Kinder plötzliche Wutanfälle bekommen und ihre Eltern mit verletzenden Worten attackieren, reagieren diese oft geschockt und nehmen das Verhalten persönlich. Besser ist, die Situation erst später zu besprechen.
Foto: Getty Images/Westend61

Ich helfe dir, deine Wut rauszulassen

Wenn Kinder aus Frust wütend werden und ihre Eltern beschimpfen, reagieren diese oft selbst mit Zorn und Strafen, weil sie die unerwünschten Gefühle unterdrücken wollen. Emotionen bauen sich jedoch wie Wasser hinter einem Staudamm auf und suchen sich blitzschnell ein Ventil, was bei überforderten Kindern oft zu körperlichen Ausbrüchen führt. Anstatt diese Wut zu verbieten, ist es die Aufgabe der Eltern, ihren Kindern aktiv zu zeigen, wie sie diese starken Gefühle sicher und ohne Schaden anzurichten herauslassen können. Die Sorge, dass das Zulassen von Wut die Kinder langfristig aggressiver macht, ist unbegründet, denn genau dieser begleitete Ausdruck entzieht der Aggression den Nährboden. Um die aufgestaute Energie abzubauen, können Eltern gemeinsam mit ihrem Kind stampfen, in ein Kissen boxen oder die Wut durch wildes Schütteln («schüttelt euch für mindestens 90 Sekunden durch») körperlich entladen. Zudem hilft auch im Alltag regelmässige, intensive Bewegung dabei, emotionale Spannungen schon im Vorfeld abzubauen.

Connect before you direct

Wenn Kinder nicht hören, sind sie meist im Spiel versunken, erschöpft oder überfordert. Da in diesen Momenten das Gefühlsgehirn dominiert, können sie erst kooperieren, wenn sie sich wieder sicher und verbunden fühlen. Eltern sollten daher immer zuerst eine emotionale Verbindung herstellen, bevor sie etwas fordern. Im Alltag hilft dabei die Drei-A-Regel: das Kind freundlich in seiner Tätigkeit abholen, das Anliegen klar ansprechen und danach bewusst atmen, um dem Kind schweigend Zeit zur Verarbeitung zu geben. Dieser Ansatz schafft echte Kooperation, während Druck die Beziehung langfristig schädigt.

Jeder hat seine eigene Wahrheit

Geschwisterrivalität entspringt oft dem tiefen Bedürfnis nach Bindung und der Angst, um elterliche Liebe kämpfen zu müssen – besonders wenn ein neues Kind hinzukommt. Der Versuch von Eltern, alles exakt gleich aufzuteilen, verstärkt dieses Konkurrenzdenken jedoch nur. Wahre Gerechtigkeit heisst stattdessen, auf die individuellen Bedürfnisse jedes Kindes einzugehen. Mit dem beruhigenden Satz «Es ist genug für alle da» können Eltern den Vergleichsdruck auflösen und vermitteln, dass Zuneigung unbegrenzt vorhanden ist und niemand zu kurz kommt.

Eine aufrichtige Entschuldigung kann manchmal Wunder wirken.
Foto: Getty Images

Ich vergebe mir

Wenn Eltern nach einem anstrengenden Tag die Nerven verlieren und ihr Kind anschreien, versinken sie im Nachhinein oft in harten Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen. Anstatt sich jedoch in einer destruktiven Gedankenspirale zu verlieren, ist bewusste Selbstvergebung entscheidend, um den inneren Druck abzubauen und aus alten Mustern auszusteigen. Dies bedeutet keinesfalls, verletzendes Verhalten schönzureden, sondern anzuerkennen, dass man in diesem Moment schlichtweg nicht anders handeln konnte und oft eine tiefere Sorge oder ein unerfülltes Bedürfnis dahintersteckt. Wer sich selbst mit der gleichen Milde wie einer guten Freundin begegnet und die wohlwollendste Interpretation für das eigene Handeln sucht, verwandelt Fehltritte in wertvolle Helfer für das persönliche Wachstum. Im Anschluss ist eine aufrichtige Entschuldigung beim Kind essenziell – ganz ohne «Aber» oder Ausreden. Auf diese Weise übernehmen Eltern liebevoll Verantwortung und leben ihrem Kind ganz menschlich vor, dass jeder Fehler macht und man stets daraus lernen darf.

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