Diese Ängste haben Milena Moser, Peach Weber und Co.
«Mindestens einmal pro Tag bin ich überzeugt, dass mein Mann tot ist»

Jeder Mensch hat Ängste. Wir haben vier kluge Köpfe nach ihren befragt – und offene, ehrliche Antworten erhalten.
Publiziert: 17.06.2024 um 15:01 Uhr

Milena Moser (60), Schriftstellerin

«Mindestens einmal pro Tag bin ich überzeugt, dass Victor (mein Mann) tot ist. Wenn er schläft und ich ihn nicht atmen höre. Wenn er sich verspätet, wenn er das Telefon nicht abnimmt. Anfangs wurde diese Angst von ärztlichen Prognosen geschürt, doch ich lebe jetzt seit zehn Jahren mit ihr und manchmal denke ich, sie ist meine Freundin. Sie hilft mir, sie trainiert mich.»

Peach Weber (71), Komiker

«Für mich persönlich habe ich keine grossen Ängste, ich würde mich als «realistischen Optimisten» bezeichnen. Für die Welt habe ich im Moment zwei grössere Ängste: Dass in dieser Zeit, der sich jagenden Krisen, die Menschen zu den einfältigsten Politikern überlaufen, die eine vermeintlich einfache Lösung lautstark hinausposaunen.

Und dass wir in unserer naiven Pseudo-Toleranz unsere Kinder jeden absoluten Schwachsinn über die ‹sozialen Medien› konsumieren lassen, weil wir zu wenig Rückgrat haben, Regeln und minimale Verbote aufzustellen.»

Julia Panknin (38), Gründerin von mamibrennt.com

«Seitdem ich Mutter einer Tochter bin, müsste ich mich nicht mal mit der angsteinflössenden weltpolitischen Lage befassen, um mir Sorgen zu machen. Die steigenden Zahlen an psychischen Erkrankungen bei Jugendlichen, die Tatsachen, dass die Gleichstellung der Geschlechter bis heute nicht umgesetzt und Gewalt an Frauen bis hin zu Feminiziden noch an der Tagesordnung ist, reichen mir, um regelmässig schlecht zu schlafen.»

Christine Brand (51), Krimi-Autorin

«Angst ist ein Gefühl, das uns ausbremst und sich im Nachhinein fast immer als unnötig herausstellt. Darum spreche ich lieber von Sorgen: Sorgen bereitet mir die Tatsache, dass wir in ein Zeitalter der Desinformation hineinschlittern, in dem die Menschen nicht mehr zwischen Fakten und Fake unterscheiden können – oder wollen –, und populistische Parteien und radikale Gruppierungen sich das schamlos zunutze machen.»

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