Darum gehts
- Diese Modeklassiker feiern 2026 ein Comeback mit neuem, modernem Look
- Blousons sind jetzt knallbunt, Karohemden und Poloshirts wieder angesagt
- Junge Männer entdecken Krawatten neu, 20 Jahre nach ihrer Krise
Jedem modischen Kleidungsstück ergeht es irgendwann gleich: Wenn es alle tragen – vor allem der Bünzli von nebenan –, dann ist seine Zeit abgelaufen. Denn Mode unterliegt Zyklen: Zuerst ist ein Kleidungsstück praktisch, dann wird es von Trendsettern entdeckt, es wird modisch und schliesslich zum Mainstream. Bis es so sehr von der Bildfläche verschwindet, dass es für die neue Generation wieder spannend wird. Derzeit kehren auf den Laufstegen vertraute Klassiker zurück, die lange als bieder, langweilig oder gar «bünzlig» galten – allerdings mit einem Twist. Eine Stilkritik von Jeroen van Rooijen (55).
1. Poloshirt
Vom Sportplatz in die Bourgeoisie: Das Poloshirt wurde in den 1920er-Jahren für Tennis und später Golf entwickelt und steht bis heute für sportlich-elegante Freizeitkultur. Anfangs der 1990er-Jahre wurde der posche Look hipp, in den knalligen Farben dieser Zeit des Hedonismus, der offen zelebriert wurde – so wie von George Clooney. Heute erlebt das Poloshirt ein Revival dank Jungstars wie Timothée Chalamet, der es privat und im Film neu ins Modebewusstsein rückt.
Stilexperte Jeroen van Roojen: Das Polo-Shirt ist und bleibt ein bisschen blasé und bourgeois – doch das macht genau seinen Reiz aus. Es ist das T-Shirt der Bessergestellten, der Nicht-Büezer … man segelt damit oder spielt Golf, und das gibt ihm das gewisse Flair.
2. Blouson
Einst war er Rebell, der Blouson. Die kurze, voluminöse Jacke wie sie James Dean in den 1950er-Jahren getragen hat, war der Look der Jugend mit Haartolle. Ursprünglich war es die Bomberjacke der US-Airforce, die schliesslich die Mode erobert. In den 1980er-Jahren wird der Blouson zum Mainstream, die Uniform des gepflegten Mittelstands oder des Nerds, sowie bei Dustin Hoffman in «Rainman» 1988. Jetzt ist der Blouson zurück, minimalistisch – seine neue Rebellion: Er ist knallbunt.
Jeroen van Rooijen: Der Blouson war früher lange die absolute Langweiler- und Rentner-Klamotte – ein Kleidungsstück ohne Ambition. Das hat sich geändert, seit ihn junge Leute wiederentdeckt haben. Er ist praktisch, unprätentiös und hat eine History, die überzeugt.
3. Zip-Pullover
Er steht für sportlichen Golf- und Freizeit-Chic der 1980er-Jahre. Später ist der Zip-Pulli im Sport verankert, ganz typisch bei Roger Federer. Dann kippt der Look: Er wird zum funktionalen Klassiker für Büro und Outdoor – die Prinzen William und Harry verleihen ihrem konservativen Look damit etwas Lässiges. Heute ist der Zip zurück im Modekreislauf – nicht zuletzt dank Influencer Jason Gyamfi, der einen neuen, erwachsenen Männlichkeitsstil propagiert. Den sogenannten Preppy-Look – also der US-Collegestil mit Poloshirts, Loafern und eben Quarter-Zips.
Jeroen van Roojien: Dieses Teil stand lange wie kein anderes für Mittelmass: Keine Strickjacke, aber auch kein Pullover, weder Fisch noch Vogel. Doch genau das macht ihn jetzt wieder cool: Er ist etwas dazwischen, so etwas wie «fluid».
4. Staubmantel
Ursprünglich hatte der Mantel eine rein funktionale Aufgabe: Er sollte Kleidung vor Staub und Schmutz schützen, etwa beim Reisen oder in offenen Autos. In den 1950er-Jahren verleiht ihm Cary Grant zeitlose Eleganz. Mit den Spaghetti-Western wird der Mantel zur Ikone des Anti-Helden, in den 1970er-Jahren zur Uniform der «Tatort»-Kommissare und rutscht in seine funktionale Biederkeit zurück: als bürgerliche, unauffällige Schutzkleidung des Mittelstands. Heute ist er wieder zurück als Fashion-Statement: übergross, reduziert und bewusst inszeniert.
Jeroen van Roojen: Der sandfarbene Dust Coat war mal der Pensionierten-Klassiker schlechthin – doch das ist vorbei, man trägt ihn heute gerne Vintage, also aus dem Brockenhaus, etwas zu gross und mit einem ironischen Twist.
5. Karohemd
Vom Arbeitshemd zur Stil-Ikone: Das Karohemd hat seine Wurzeln im 19. Jahrhundert als robuste Kleidung von Farmern und Holzfällern. In den 1970er-Jahren wird es durch Robert Redford zum lässigen Symbol eines naturnahen, männlichen Freizeitstils. Später prägen Subkulturen den Look – vom Grunge der 1990er bis zur Ironisierung im Hipster-Alltag. Mit Bruce Springsteen steht das Karohemd zudem für Arbeiterstolz und Authentizität. Heute erlebt es ein Comeback – auch dank Jeremy Allen White, der Springsteen im Biopic verkörpert und dem Look neue, raue Coolness verleiht.
Jeroen van Roojen: Das karierte Hemd gehört zu den Klassikern des Bünzlitums, ein Evergreen aus dem Sortiment des Walbusch-Versandhandels: Praktisch, freizeitlich und unempfindlich. Sein naher Verwandter, das Holzfäller-Hemd, ist schon länger wieder in Mode, doch nun wird auch das Karohemd wieder neu kombiniert.
6. Bundfaltenhose
In den 1940er- und 1950er-Jahren setzt sich die Hose mit hohem Bund, Bügelfalte und weitem, bequemem Schnitt als Zeichen als Standard der Business-Mode durch. In den 1980er-Jahren wird sie durch Richard Gere in «American Gigolo» neu aufgeladen – als Sinnbild von lässiger, verführerischer Eleganz. Um dann als zu brave «Papahose» in Vergessenheit zu geraten. Wie sexy das weite Beinkleid sein kann, macht Schauspieler Jacob Elordi vor.
Jeroen van Roojen: Früher die Hose der Lehrer. Ich mache ab und zu Personal Shopping, und dabei merke ich immer, wie die Männer Vorbehalte gegenüber etwas weiter Kleidung haben, sie glauben, sie sähen darin dann dick aus, dabei ist das Gegenteil der Fall: In vorsätzlich zu enger Kleidung sieht man dick aus!
7. Krawatte
Lange Zeit war die Krawatte fester Bestandteil männlicher Kleidung – vom 19. Jahrhundert bis weit ins 20. Jahrhundert galt sie als Symbol für Herkunft und gesellschaftlichen Aufstieg. Sie war Pflicht im Büro, im Business und im formellen Alltag. In den 1990er-Jahren erreicht sie ihren letzten modischen Höhepunkt – am elegantesten verkörpert von John F. Kennedy Jr. Heute wird sie wieder getragen – sei es zu formellen Anlässen oder locker inszeniert.
Jeroen van Roojen: 2008 bekam die Krawatte im Zuge der globalen Finanzkrise den finalen Todesstoss – jetzt, bald zwanzig Jahre nach den Lehman Bros, ist sie reif für ein Comeback. Die Alten werden sie nie wieder tragen wollen, für sie ist das vorbei – aber junge Männer (und auch Frauen!) entdecken den Schlips als exotisches Accessoire wieder und tragen ihn wieder gerne, auch ungewöhnlich kombiniert.