Darum gehts
- Ellen Ringier gründete 2001 die Stiftung Elternsein und das Magazin «Fritz+Fränzi»
- Das Magazin erreicht monatlich über 1,5 Millionen Eltern in drei Ländern
- Jahresertrag 2025: 3'444'828 Franken; 80 Prozent der Magazine kostenlos verteilt
Als Ellen Ringier (1951–2025) 2001 ihren 50. Geburtstag feiert, stellt sie sich eine Frage: «Was braucht es in diesem Land wirklich, um Familien zu helfen?» Sie ist promovierte Juristin, mit dem Verleger Michael Ringier verheiratet und Mutter von zwei Töchtern. Eine Verlegerin ist sie nicht. Trotzdem gründet sie in jenem Jahr die Stiftung Elternsein und gibt wenige Monate später die erste Ausgabe von «Fritz+Fränzi» heraus.
Das gedruckte Sozialprojekt
Ellen Ringier hat erlebt, wie schwierig es für Familien werden kann, wenn Probleme sich gegenseitig verstärken. Über ihr Engagement bei der Stiftung Humanitas bekommt sie Einblick in Familien in schwierigen Lebenssituationen. Gleichzeitig beobachtet sie als Mutter, wie Eltern, Lehrpersonen und Kinder zunehmend unter Druck geraten. Dabei möchte sie sich vor allem auch des Bereichs Schule annehmen. «Es war mein Ziel, den Dialog zwischen Lehrpersonen und Eltern zu verbessern», sagt sie später. «Fritz+Fränzi» nennt sie ihr «gedrucktes Sozialprojekt». Die übergeordnete Vision der «Elternbildung für alle» bildet bis heute das Fundament dieser Arbeit.
Die Anfänge haben wenig mit einem klassischen Verlag zu tun. Ellen Ringier kümmert sich selbst um Vertrieb und Anzeigen, überzeugt Schulen davon, das Magazin an Eltern weiterzugeben, und akquiriert persönlich Inserate. Rückblickend schreibt sie, sie habe «schamlos so getan», als verstehe sie etwas vom Verlagswesen – «oder gar von Erziehung». Sechs Ausgaben erscheinen damals pro Jahr, produziert von gerade einmal drei fest angestellten Mitarbeitenden.
Preise über Preise: Vom Sozialprodukt zur Medienmarke
25 Jahre später ist aus diesem Projekt eine etablierte Medienmarke geworden. «Fritz+Fränzi» erscheint mittlerweile zehnmal im Jahr in einer Auflage von knapp 70'000 Exemplaren. Hinzu kommen die Sonderausgaben zur Berufswahl sowie die Kindergarten-Reihe. Das Magazin hat mittlerweile mehrere Preise gewonnen, im Mai 2026 zum zweiten Mal nach 2020 den European Magazine Award. Die internationale Jury zeichnete das 26-seitige Dossier «Autismus» aus der Ausgabe Juli/August 2025 als «Magazine Story of the Year» aus.
Auch die Reichweite ist gewachsen: Laut Jahresbericht 2025 erreicht «Fritz+Fränzi» monatlich mehr als 1,5 Millionen Eltern; jährlich kommt das Magazin auf mehr als 19 Millionen Kontakte in der Schweiz, Deutschland und Österreich.
Die Zielgruppe ist dieselbe geblieben: Eltern mit schulpflichtigen Kindern.
Seit zwölf Jahren arbeitet Evelin Hartmann (49) bei «Fritz+Fränzi», heute als stellvertretende Chefredaktorin. Sie kannte Ellen Ringier und arbeitete lange mit ihr zusammen. Im Gespräch über Vergangenheit und Zukunft des Magazins wird deutlich, wie stark sich der Alltag von Familien verändert hat – und wie konstant manche Fragen geblieben sind.
«Wie begleitet man Kinder bestmöglich? Wie fördert man ihre Selbständigkeit, wie findet man die richtige Balance zwischen Strenge und Zugewandtheit?», sagt Hartmann. Neu hinzugekommen seien gesellschaftliche Themen wie Medienkonsum. Auch Abklärungen etwa auf ADHS, Autismus oder Lernstörungen hätten zugenommen. «Diese veränderten gesellschaftlichen Realitäten führen dazu, dass wir das Elternsein heute als anspruchsvoller empfinden.»
Kostenlose Magazine für Schulen
«Fritz+Fränzi» soll möglichst viele Familien erreichen, unabhängig davon, ob sie sich ein Abonnement leisten können. Rund 90 Prozent der Magazine werden deshalb kostenlos an Schulen, Kindergärten und Fachstellen abgegeben.
Gleichzeitig muss sich die Stiftung einer Medienwelt anpassen, in der Print längst nicht mehr der einzige Weg zu den Eltern ist. Die Website ist mittlerweile auf Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch verfügbar, weitere Sprachen sollen folgen. Ein Chatbot soll künftig Fragen von Eltern beantworten und sich dabei ausschliesslich aus den über 4000 redaktionellen Texten von «Fritz+Fränzi» speisen.
Neu mit Podcast
Print bildet dabei weiterhin das Fundament. «Aber ich denke, dass online und Print in Zukunft noch mehr zusammenrücken werden», sagt Hartmann. Und auch im Bereich Podcast soll es zukünftig ein Angebot geben. «Zurzeit diskutieren wir eine Zusammenarbeit mit Stefanie Rietzler und Fabian Grolimund. Unter dem Label «Die zwei schon wieder» produzieren die beiden Kinder- und Jugendpsychologen bereits ein erfolgreiches Podcastangebot.»
Im vergangenen Jahr bekam diese Frage eine zusätzliche Bedeutung. Ellen Ringier starb am 19. März 2025 im Alter von 73 Jahren nach schwerer Krankheit. Sie hatte «Fritz+Fränzi» über Jahrzehnte begleitet und geprägt. Für das Team sei ihr Tod eine schwierige Zeit gewesen, sagt Hartmann. Gleichzeitig habe er den Blick darauf gelenkt, was von ihrer Idee bleiben soll.
«Sie war nicht nur Geldgeberin, sondern die Macherin hinter der Stiftung Elternsein und ‹Fritz+Fränzi›.» Ihre wertschätzende Art und ihr Vertrauen in die Mitarbeitenden hätten die Kultur der Redaktion geprägt. «Dem und dem Fortbestehen ihres Engagements fühlen wir uns verpflichtet.»
Auch Hartmann selbst bleibt dabei nicht aussen vor. Sie ist Mutter und kennt die Fragen, über die sie beruflich schreibt, aus dem eigenen Alltag. Das Wissen aus ihrer journalistischen Arbeit sei eine Bereicherung – gleichzeitig müsse auch sie zu Hause bei Themen wie Smartphone- und Mediennutzung immer wieder herausfinden, was funktioniere. «Ich stehe genauso an.»
25 Jahre Herzblut
Vielleicht liegt darin die erstaunlichste Konstante von «Fritz+Fränzi»: Auch 25 Jahre nach der ersten Ausgabe gibt es keine endgültigen Antworten auf die Fragen des Elternseins. Die Kanäle haben sich verändert, die Herausforderungen sind andere geworden, und das Wissen über Kinder und Erziehung wächst ständig. Der Anspruch aber ist derselbe geblieben: Eltern ernst zu nehmen, ihnen Orientierung zu geben und ihnen nicht vorzuschreiben, wie sie ihre Kinder erziehen sollen. Was 2001 mit einer Frage begann, ist damit auch heute noch nicht abgeschlossen.
Im September 2026 feiern das Magazin «Fritz+Fränzi» und die Stiftung Elternsein ihr 25-Jahr-Jubiläum.