Wiegt nur zwölf Gramm
Das kann Googles 99-Franken-Band

Das Fitbit Air misst alles: Schlaf, Herzrate, Aktivität. Manchmal auch Dinge, die nie passiert sind. Zwei Wochen mit Googles neuem Tracker-Band für 99 Franken.
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Kein Ziffernblatt, kein Display: Wer die Zeit wissen will, schaut mit dem Fitbit Air am Handgelenk woanders nach.
Foto: Tobias Bolzern

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Fitbit Air ohne Display: Es ist leicht, hat sieben Tage Akku, und kostet 99 Franken
  • KI-Coach hat Fehler, kann Schlafdaten falsch interpretieren, ist deaktivierbar in App
  • Daten auf Google-Servern, Apple-User müssen auf Update für Synchronisation warten
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Tobias BolzernRedaktor Digital

Das Erste, was man sich fragt, wenn man vorher eine Smartwatch hatte und neu den Google-Tracker trägt: Wie spät ist es eigentlich? Denn das Fitbit Air hat keinen Bildschirm, kein Ziffernblatt, keine Zeit. Nach zwei Tagen hat es mir gereicht. Ich trage rechts das Band und links wieder eine Analoguhr.

Der Name ist Programm: Man spürt das Teil kaum. Der Sensor alleine wiegt etwas über fünf Gramm, und ist damit leichter als ein Zweifränkler. Mitsamt Band sind es rund zwölf Gramm. Das Sportarmband trägt sich sehr angenehm, und die silberne Schnalle sieht sogar schick aus. Nach einer Stunde vergisst man komplett, dass da was am Handgelenk ist. Und genau das ist der Plan: Das Ding soll rund um die Uhr mitlaufen, ohne zu nerven. Damit das klappt, muss der Akku mitspielen. Google verspricht sieben Tage, und im Test sind wir fast drangekommen. Wenn es dann doch mal eng wird: Fünf Minuten an den Strom hängen, und man hat wieder Saft für den ganzen Tag.

Mein Schlaf – mit Lücken

Gerade nachts ist das geringe Gewicht ein Segen. Es soll Puls, die Herzratenvariabilität, Schlafphasen und den Sauerstoff im Blut messen. Meistens hat das super geklappt, aber in drei Nächten (von insgesamt zwei Wochen) wurde keinerlei Schlaf erfasst. Das Band sass fest, der Akku war voll, aber am Morgen herrschte gähnende Leere in der App. Woran es lag? Keine Ahnung. Google hat in einem Blogpost aber schon zugegeben, dass da noch ein paar Software-Bugs drinstecken und manche Nutzer Probleme mit den Schlafdaten haben.

Wenn es aber läuft, sind die Daten gut. Der sogenannte Readiness-Score, ein Wert, der anzeigt, wie fit du für den Tag bist, hat sich bei mir fast immer mit meinem tatsächlichen Körpergefühl gedeckt. Beim Puls muss man allerdings genauer hinschauen: Das Fitbit Air mass im Schnitt fünf Schläge mehr als meine Apple Watch, die ich testweise zum Vergleich eine Nacht am anderen Arm hatte. Das ist aber kein Fehler, sondern liegt an den unterschiedlichen Algorithmen der Hersteller.

Fitbit wird Google Health

Die ganzen Daten landen in einer App, die jetzt nicht mehr Fitbit, sondern Google Health heisst. Google hat die Marke Fitbit 2021 für 2,1 Milliarden Dollar geschluckt. Nun verschwindet der Name. Falls man ein altes Fitbit-Konto hat: Das ist seit dem 19. Mai Geschichte. Wer seine Daten bis zum 15. Juli nicht umzieht, verliert sie komplett.

Viele bunte Grafiken: die neue Google-Health-App.
Foto: Google

In der neuen App steckt jetzt ein KI-Assistent, der auf Googles Gemini basiert. Der soll dich coachen und gibt dir Tipps wie: «Heute lieber mal ausruhen» oder «Noch eine halbe Stunde spazieren, dann hast du dein Ziel erreicht». Manchmal sagt er zwar nur das Offensichtliche, aber manchmal braucht man genau diesen Tritt. Was mich aber genervt hat: Der Coach übertreibt es völlig mit dem Lob für die absolut banalsten Dinge. Und noch schlimmer: Er halluziniert. Zweimal hat er mir mitten in der Nacht ein Cardio-Training eingetragen – einmal um 0:55 Uhr für 26 Minuten und noch mal um 1:21 Uhr für 22 Minuten. Spoiler: Ich habe geschlafen. Wenn einem das zu blöd wird, kann man den KI-Coach in den Einstellungen deaktivieren. Drei Monate Premium sind beim Kauf dabei, danach kostet der Spass knapp zehn Franken im Monat. Die Basics (Schlaf, Puls, Readiness) bleiben aber gratis.

Was ist mit den Daten?

Ein wichtiger Punkt für alle mit iPhone: Ohne die Google-Health-App geht gar nichts, und damit landen die Daten auf Google-Servern. Die App zieht sich zwar Daten aus Apple Health, kann aber aktuell noch keine Daten dorthin zurückschreiben. Das soll erst «in den kommenden Monaten» per Update kommen. Wer seine Gesundheitsdaten also zentral bei Apple sichern will, guckt in die Röhre oder muss mühsam mit Drittanbieter-Apps tricksen.

Und wo wir gerade bei den Daten sind: Die liegen zwar verschlüsselt auf den Google-Servern, aber im Gegensatz zu Apple hat Google den Schlüssel. Warum? Weil der KI-Coach sonst deine Daten (und sogar hochgeladene Arztberichte) nicht analysieren könnte. Wer den Coach nutzt, gibt also tiefe Einblicke. Für personalisierte Werbung werden die Daten laut Kleingedrucktem zwar nicht genutzt, aber Google darf dir auf dieser Basis eigene neue Produkte vorschlagen.

Wie sicher sind Fitnesstracker?

Eine im Juni 2025 im Fachjournal «npj Digital Medicine» (Nature) veröffentlichte Studie bewertete die Datenschutzrichtlinien von 17 grossen Wearable-Herstellern anhand von 24 Kriterien. Am schlechtesten schnitten Xiaomi, Wyze und Huawei ab. Am besten Google, Apple und Polar. Branchenweit hapert es vor allem bei der Transparenz und beim Melden von Sicherheitslücken. Wichtig: Geprüft wurden die Richtlinien der Hersteller, nicht einzelne Geräte. Das Fitbit Air und die neue Google-Health-Struktur kamen erst danach auf den Markt und waren nicht Teil der Untersuchung.

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Eine im Juni 2025 im Fachjournal «npj Digital Medicine» (Nature) veröffentlichte Studie bewertete die Datenschutzrichtlinien von 17 grossen Wearable-Herstellern anhand von 24 Kriterien. Am schlechtesten schnitten Xiaomi, Wyze und Huawei ab. Am besten Google, Apple und Polar. Branchenweit hapert es vor allem bei der Transparenz und beim Melden von Sicherheitslücken. Wichtig: Geprüft wurden die Richtlinien der Hersteller, nicht einzelne Geräte. Das Fitbit Air und die neue Google-Health-Struktur kamen erst danach auf den Markt und waren nicht Teil der Untersuchung.

Was das Gerät nicht kann

Kein Display bedeutet: Keine Navigation beim Joggen und keine Benachrichtigungen. Wer das von einer echten Smartwatch gewohnt ist, wird hier nicht glücklich. Das Fitbit Air ist kein Ersatz für eine Smartwatch, sondern eine Ergänzung – oder genau das Richtige für alle, die von dem ständigen Blinken und Vibrieren am Handgelenk wegwollen. Schade finde ich: Wer das Band beruflich nicht am Unterarm tragen darf (wie etwa in der Pflege), würde es gerne am Oberarm tragen. Die Konkurrenz von Whoop bietet dafür extra Bänder an, Google nicht. Das mitgelieferte Band ist für den Bizeps zu kurz. Laut Google werde die Option aber geprüft. 

Fitbit Air: Fazit

Das Fitbit Air ist ein Deal: Man tauscht das Display, die Benachrichtigungen und ein Stück weit die Datenhoheit gegen eine gute Akkulaufzeit, solides Schlaftracking (wenn es funktioniert) und ein Gadget, das man im Alltag komplett vergisst. Wenn du Google nicht vertraust oder alles in Apple Health speichern willst, lass die Finger davon. Für alle anderen: Für 99 Franken bekommt man hier trotz Kinderkrankheiten viel Tracker fürs Geld.

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