Darum gehts
- Pixel-Verkäufe wachsen, der Marktanteil bleibt trotzdem klein
- Im Grafik-Stresstest unterliegt das Pixel dem iPhone 18 Pro deutlich
- Kaufempfehlung: lieber die Version mit 512 GB Speicher
Pendlerzeit in der S-Bahn nach Zürich-Stadelhofen. Ich laufe durch den Zug auf der Suche nach einem Sitzplatz. Geschätzt neun von zehn Menschen starren auf ihr Handy. Vor den Gesichtern sehe ich überraschend viele ältere iPhones, ein orange leuchtendes iPhone 17 Pro, teure und günstige Samsung-Geräte, vermutlich ein Xiaomi und ein Nothing Phone.
Und ein Google Pixel? Keines, weit und breit. Wissenschaftlich ist das mitnichten. Aber die Szene passt ins Bild. Google entwickelt Android, das System, das auf drei von vier weltweit verkauften Handys läuft. Googles Pixel-Handys sind trotzdem eine Randerscheinung. Dabei gehört das neue Pixel 11 Pro zu den besten Android-Geräten auf dem Markt.
Pixel 11 Pro: Das ist neu
Von aussen hat sich wenig verändert. Der Kamerabalken auf der Rückseite besteht jetzt ganz aus Glas, und mit 204 Gramm wiegt das Handy minimal weniger als der Vorgänger. Der 6,3-Zoll-Bildschirm leuchtet heller und bleibt auch bei hellem Sonnenlicht gut lesbar. Im Alltag bringen die Magnete auf der Rückseite am meisten. Damit hält Zubehör, das fürs iPhone gemacht ist, etwa Autohalterungen oder Ladegeräte. Unter den grossen Android-Herstellern baut nur Google solche Magnete ein. Der Akku reicht locker durch den Tag, bei intensiver Nutzung wird es abends aber etwas eng.
Einen Sprung macht Google bei der Zoomkamera. Sie bekommt einen grösseren Sensor, der mehr Licht einfängt. Das zeigt sich morgens um 6.15 Uhr in der Zürcher Altstadt. Im Dämmerlicht liefert der Nachtmodus gute bis sehr gute Fotos, mit der normalen Kamera genauso wie mit doppeltem und fünffachem Zoom. Ab zehnfachem Zoom schneidet das Pixel das Foto digital zu, und eine zusätzliche Stabilisierung kann eingeschaltet werden. Diese hält das Bild ruhig, macht es aber schwieriger, auf dem Motiv zu bleiben. Im schwachen Licht sinkt die Qualität dann schnell. Bei Tageslicht funktioniert der Zoom besser.
Ab 30-fachen Zoom übernimmt die Funktion «Pro Zoom», theoretisch bis aufs 120-Fache. Dabei rechnet eine künstliche Intelligenz (KI) Details dazu, die nicht existieren. Im besten Fall klappt das gut. Im weniger guten Fall wirkt das Foto wie mit Wasserfarbe gemalt, im schlimmsten Fall ist es so stark verändert, dass es unbrauchbar wird. Immerhin speichert das Pixel jeweils auch eine Version ohne KI. Ich habe fast immer diese bevorzugt, auch wenn sie unscharf oder verschwommen war.
Die Discokugel
Eine Neuerung zeigt sich erst, wenn das Smartphone mit dem Display nach unten auf dem Tisch liegt. Wo frühere Pro-Modelle ein Thermometer hatten, sitzt jetzt ein farbiges Licht namens HiLight, eine Art kleine Discokugel. Viel kann sie nicht. Sie leuchtet, wenn der Sprachassistent Gemini zuhört, und blinkt in einer von fünf Farben, wenn ein Lieblingskontakt anruft. Whatsapp-Nachrichten oder Mails meldet sie nicht, SMS sollen laut Google später dazukommen. Bis dahin ist die Discokugel vor allem Deko.
Der Pixel-Marathon
Im Alltag bin ich mit der Leistung des Pixel 11 Pro nie an Grenzen gestossen. Also schicke ich das Handy in den Dauerlauf. Der Stresstest Steel Nomad Light der Testsoftware 3DMark lässt das Gerät rund 20 Minuten lang ununterbrochen aufwendige Spielszenen berechnen. Wird ein Handy zu warm, bremst es aus. Das Pixel wird beim Test ordentlich warm, die Szene ruckelt oft. Als Vergleich führe ich den gleichen Test auf einem iPhone 18 Pro durch, und das Ergebnis ist eindeutig: Der beste Durchgang des Pixels ist schlechter als der schlechteste des iPhones. Wer nur chattet, fotografiert und surft, merkt davon nichts. Wer gern länger spielt, vermutlich schon.
Warum es kaum jemand kauft
Google macht, was Apple vorlebt: Gerät, System und Chip entwickelt der Hersteller selbst. Das zahlt sich aus. Neue Android-Versionen landen zuerst auf dem Pixel, und Google liefert sieben Jahre lang Updates, mit dem Pixel 11 Pro also bis 2033. Doch Apple hat einen Vorteil, den Google nie haben wird. Wer iOS will, muss ein iPhone kaufen. Wer Android will, hat die Wahl zwischen Samsung, Xiaomi, Nothing und Dutzenden weiteren Marken. Google tritt mit dem eigenen Handy gegen genau die Firmen an, die Android anbieten.
Immerhin geht es aufwärts. Laut Counterpoint stiegen die Pixel-Auslieferungen im zweiten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent, während der Gesamtmarkt um elf Prozent schrumpfte. Hierzulande beträgt der Marktanteil von Google bei den Smartphones bei 2,2 Prozent. Platz vier hinter Apple, Samsung und Xiaomi.
Welche Version?
Speicherchips sind zurzeit knapp und teuer, weil KI-Rechenzentren gigantische Mengen davon kaufen. Das trifft alle Hersteller, auch Google. Beim Modell mit 256 GB Speicherplatz verbaut Google darum nur noch 12 GB Arbeitsspeicher, der Vorgänger hatte 16. Die gibt es erst ab 512 GB. Getestet habe ich die grössere Version. Ob die kleinere im Alltag spürbar langsamer ist, kann ich nicht beurteilen. Mit 256 GB kostet das Pixel 11 Pro 979 Franken, mit 512 GB 1079 Franken. Für 100 Franken mehr gibt es also doppelt so viel Speicherplatz und mehr Arbeitsspeicher. Das ist fair. Andere Hersteller verlangen schnell das doppelte. Wer das Handy sieben Jahre nutzen will, spart hier am falschen Ort.
Und für wen lohnt sich das Pixel 11 Pro generell? Wer ein älteres Android-Handy hat und vor allem gute Fotos und lange Updates will, macht wenig falsch. Wer ein Pixel 9 oder 10 besitzt, kann getrost warten. Wer das Handy vor allem für anspruchsvolle Mobile Games nutzen will, schaut sich besser anderswo um. In der S-Bahn nach Stadelhofen wäre das Pixel eine Rarität. Verdient hätte es mehr.