Wenn es eine Geschichte gibt, die zeigt, wie der designierte Apple-Chef tickt, ist es die mit der Schraube.
«Es war in meinem ersten Jahr bei Apple 2001», erzählt John Ternus (50) 2024 in einer Rede an der Penn Engineering School. «Ich war fürs Cinema Display verantwortlich. Ein grosser Monitor, der hinten von Schrauben zusammengehalten wurde. Und die Schraubenköpfe sollten konzentrische Rillen haben, damit sie im Licht schimmerten wie eine CD.»
Ternus erinnert sich, wie er weit nach Mitternacht bei einem Lieferanten – wohl weit weg in Asien – mit einer Lupe die Rillen zählte und sich mit dem Hersteller stritt, weil die Schrauben 35 statt der vorgegebenen 25 Rillen aufwiesen: «Ich erinnere mich daran, wie ich einen Moment lang zurücktrat und mir dachte: Was zum Teufel mache ich hier? Ist das normal?»
«Ternus ist ein Hardware-Guy»
«Dann wurde mir klar: Es mag zwar nicht normal sein, aber es ist richtig.» Dabei war ihm unwichtig, ob die Kunden die Schrauben auf der Rückseite je bemerkten.
«Ternus ist ein Hardware-Guy», freut sich der Schweizer Apple-Pionier Röbi Weiss (79). Weiss verfolgt die Computer-Geschichte seit Jahrzehnten. 1984 stellte er in der SRF-Sendung «Karussell» den schweizweit ersten Apple Macintosh vor. «Ich werde heute noch auf meine braune Lederjacke angesprochen», sagt er lachend zu Blick.
Damals war Steve Jobs Apple-Chef, «ein Guru», erzählt Weiss. «Apple war viel kleiner als Microsoft und fühlte sich mehr wie eine Religion an.»
Unter Jobs entstanden die legendären Produkte: iMac, iPod, iPhone und iPad.
Clean, aber seelenlos
Was viele vergessen: Erst nach Steve Jobs' Tod 2011 begann Apples finanzieller Aufstieg: «Als Tim Cook den Laden übernommen hatte, war Apple ‹nur› 350 Milliarden Dollar wert», sagt Weiss. Jetzt sind es mit vier Billionen über elfmal mehr. «Cook war aber kein Charismatiker, sondern war für mich mehr lahme Ente.» Inspirierende Keynotes fehlten. Da war aber auch Covid schuld. Seit der Pandemie sind sie immer aufgezeichnet. Clean, aber seelenlos.
Kritiker bemängeln, dass die iPhones seit Jahren gleich aussehen. Immerhin sind unter Cook Produkte wie AirPods und die Apple Watch entstanden – die an Stückzahlen und mittlerweile auch beim Umsatz grösser sind als die gesamte Schweizer Uhrenindustrie. Aber da waren auch Flops wie die VR-Brille Vision Pro und das eingestellte Projekt Titan – das Apple-Auto, mit dem Cook zehn Milliarden Dollar verbrannte.
Ternus' Mammut-Aufgabe heisst KI
Nun muss also Ternus liefern. In der Pipeline sind Geräte wie das klappbare iPhone Fold oder smarte Kamerabrillen. Dass er zu überraschen vermag, zeigte er schon im März, als er das günstige MacBook Neo präsentierte – sein «Baby». Für 579 Franken gibts hier Laptopqualität, von der andere Hersteller nur träumen können.
Ternus' Mammut-Aufgabe heisst aber KI. Bei der künstlichen Intelligenz hinkt Apple der Konkurrenz hinterher. Siri ist schon länger das Gespött in der Techindustrie. Aber vor allem: Apple erlebt eine Talentflucht, junge KI-Ingenieure gehen lieber zu anderen Firmen.
Nun muss Hardware-Guy Ternus zeigen, dass er auch Software kann.