In Zürich sorgt der geplante Abbau von Parkplätzen erneut für Diskussionen. Für eine Velovorzugsroute durch Schwamendingen sollen laut dem Automobil Club der Schweiz (ACS) 153 von 232 öffentlichen Parkplätzen verschwinden. Besonders stark trifft es die blauen Parkfelder: Von heute 195 sollen künftig nur noch 52 bestehen bleiben.
Der ACS spricht von einem «Kahlschlag» und hat gegen das Projekt Einsprache eingereicht. Die Organisation kritisiert zudem sechs geplante Einbahnregelungen und befürchtet zusätzlichen Ausweichverkehr. Die Stadt verfolgt mit der 2,2 Kilometer langen Veloroute ein anderes Ziel: Sie soll die Sicherheit für Velofahrende erhöhen und den Schwamendingerplatz mit dem Bahnhof Stettbach verbinden.
Autofahrer sehen sich verdrängt
Das Vorhaben trifft in der Blick-Community einen deutlichen Nerv. Eine Leserumfrage zeigt eine klare Tendenz: 87 Prozent der Teilnehmenden finden den Abbau der Parkplätze «total daneben» und befürchten, dass sich der Verkehrsfluss für Autofahrer dadurch unnötig verschlechtert. Nur 13 Prozent begrüssen das Vorhaben und sehen darin einen wichtigen Schritt für mehr Sicherheit und eine bessere Velo-Infrastruktur.
User David Huber bringt seine Kritik auf den Punkt: «Langsam wird aus Verkehrspolitik eine Kampfansage an alle, die auf ein Auto angewiesen sind.» In Zürich werde der Autofahrer inzwischen behandelt, als hätte er in der Stadt nichts mehr verloren. «Für Handwerker, Familien, ältere Menschen oder Personen mit eingeschränkter Mobilität ist das Auto nicht einfach ein Luxus!», doppelt er nach.
Auch Leser Kenny Roberts befürchtet Folgen für Handwerker und Gewerbe. «Es gibt jetzt schon zahlreiche Handwerker und anderes Gewerbe, das keine Aufträge in Städten mehr annimmt oder dann mit Zuschlägen», schreibt er. «Solche Projekte werden das weiter fördern!»
«Gut, dass die Veloroute kommt»
Ganz anders sehen es Leserinnen und Leser, die den Platz für Autos in der Stadt stärker reduzieren wollen. Stefan Meier findet, dass abgestellte Privatautos «den ganzen Verkehr und eine schnelle Route für Pendler blockieren». Für ihn ist deshalb klar: «Gut, dass die Veloroute kommt.» Weniger Autos würden zudem für weniger Stau sorgen und könnten sogar dem Handel zugutekommen. «Auf die wenigen Autofahrer kann man gut verzichten», schreibt er.
Hanspeter Wyss-Meier sieht im Abbau von Autoverkehr zudem einen Gewinn für die Lebensqualität. «Jahrzehntelang wurde der Automobilverkehr gegenüber allen anderen bevorteilt. Nun holt sich die Allgemeinheit halt einen Teil zurück», schreibt er. Die «linken Städter» wollten «einfach Lebensqualität» – und diese erhalte man seiner Meinung nach «halt nicht mit Autos». Sein Fazit: «Der Autofahrer darf auch mal zu Fuss gehen oder das Velo benützen.»
Leser Kevin Hofmann sieht es differenzierter. «Ich bin klar dafür, dass Zürich mehr für den Veloverkehr macht», schreibt er. Gleichzeitig müsse die Planung «gemeinsam mit der Auto-Lobby und den verschiedenen Verkehrsteilnehmern» erfolgen. Dabei dürfe man jene nicht vergessen, die «aufgrund ihres Alters oder ihrer Mobilität auf ein Auto angewiesen sind». Er schlägt zudem vor, Velos und E-Trottinetts mit einer jährlichen Abgabe zu beteiligen, damit «alle Verkehrsteilnehmer angemessen an den Kosten» beteiligt werden. Sein Wunsch für die Zürcher Verkehrspolitik ist deshalb klar: «Mehr Miteinander, weniger Gegeneinander.»