Darum gehts
- Ein Polizist im Aargau kritisierte ein holländisches Paar wegen Englisch.
- Das Paar bot Französisch an, doch der Beamte sprach perfektes Englisch.
- Die Mehrheit der Leser verteidigt den Polizisten, andere kritisieren sein Verhalten.
Am Sonntag platzte einem Polizisten der Kragen. Grund dafür war eine Verkehrskontrolle im Kanton Aargau. Der Beamte kontrollierte das Fahrzeug eines im Aargau ansässigen holländischen Pärchens. Der Polizist tadelte die Passagiere, weil sie Englisch sprachen. «Hier spricht man Deutsch, nicht Englisch!», hört man ihn in einem Video des Vorfalls rufen.
Da die Holländer kein fliessendes Deutsch sprechen konnten, boten sie einen Wechsel auf Französisch an. Folgend sprach der Beamte jedoch perfektes Englisch. «Wir waren schockiert», berichtete die Frau aus den Niederlanden. Das Paar habe am Folgetag des Vorfalls erfolglos versucht, eine Beschwerde einzureichen. Der Fall beschäftigt unsere Leserinnen und Leser.
«Wer sein Haus verlässt, hat sich anzupassen»
Die Mehrheit der Leserschaft verteidigt sein Handeln. Willi Tell ist einer davon: «Es ist nicht die Aufgabe der Polizei, die gewünschte Sprache des Kontrollierten zu sprechen. Wer sein Haus verlässt, hat sich anzupassen.» Auch Rees Baumann nimmt den Polizisten in Schutz: «Man muss doch irgendwie Verständnis dafür haben, dass er ein bisschen gereizt war. Wie viele leben über 20 Jahre bei uns und sprechen ganz schlechtes Deutsch? Das ist respektlos gegenüber unseren Werten.»
Viele teilen die Ansicht, dass alle Ansässigen in der Schweiz die Landessprache beherrschen müssten. Jürg Grüter kommentiert: «Wer hier arbeitet und wohnt, sollte sich auch in unserer Landessprache unterhalten können.» Er findet es arrogant, hier Geld zu verdienen, die Sprache aber nicht sprechen zu wollen.
Einige Kommentierende nehmen eine Doppelmoral wahr. Philippe Hurni beanstandet: «Von uns Schweizern wird immer mehr verlangt, dass wir uns in unserem eigenen Land bedingungslos den Zugewanderten anpassen!» Max Richard fügt an: «Ich nerve mich regelmässig, mit welcher Selbstverständlichkeit erwartet wird, dass wir mit Zugezogenen auf Englisch kommunizieren.» Auch Andreas Schärer positioniert sich klar: «Guter Polizist, alles richtig gemacht. Nicht wir müssen uns anpassen!»
«Sprachliche Integration ist ein schrittweiser Prozess»
Andere Leserinnen und Leser sind gegenteiliger Meinung. Jacques Boehmer zeigt den Holländern gegenüber Kulanz. «Man kann es auch übertreiben. Auch ich finde, dass Menschen, die hier leben und arbeiten, der deutschen Sprache mächtig sein sollten», schreibt er. Er fügt trotzdem an: «Dass man eine Sprache nicht in einer Woche lernt, ist aber auch klar.» Ähnlich schreibt Mario Zipple: «Es ist ein wesentlicher Unterschied, ob jemand seit wenigen Wochen, einem Jahr oder einem Jahrzehnt im Land lebt. Sprachliche Integration ist ein schrittweiser Prozess, der Zeit und soziale Einbindung erfordert.»
Pete Zahad hebt zudem hervor: «Sind wir ehrlich – wenn man etwa in Italien kontrolliert wird, wären die meisten hier auch froh, wenn der Polizist etwas Englisch oder Deutsch kann.» Daniel Kaufmann argumentiert ebenso: «Völlig unprofessionell und daneben vom Polizisten. Wenn man in Italien ist und in eine Kontrolle gerät, muss ich auch nicht italienisch mit den Beamten sprechen.»
Manche weisen darauf hin, dass die Kontrollierten dem Polizisten eine andere Landessprache angeboten hatten. So Hans Peter Loosli: «Nur so als Erinnerung, auch Französisch ist eine der offiziellen Sprachen der Schweiz. Das konnten die besagten Personen. Sehe kein Problem.» Barbara Schweizer schliesst sich an: «Sie sagten ihm, dass sie auch Französisch sprechen. Französisch ist doch bei uns auch eine Landessprache, nicht?»