Wer Pech hat, muss künftig deutlich mehr Distanz zum nächsten SBB-Schalter zurücklegen. Die Schweizer Bundesbahnen machen ab dem 1. Januar 13 bediente Reisezentren dicht. 47 Schalter haben die SBB bereits in den letzten zehn Jahren geschlossen. Kommuniziert wurde dies bisher nur sehr leise.
Laut SBB-Sprecher Moritz Weisskopf macht der Schritt für das Unternehmen nur Sinn. 97 Prozent aller ÖV-Tickets würden mittlerweile am Automaten, digital per App oder über die Website bezogen. Gerade mal 3 Prozent der Billette werden laut Weisskopf noch am Schalter gekauft. Einer grossen Mehrheit unserer Leserschaft passt dieser Abbau trotz der harten Zahlen ganz und gar nicht.
Die Community will die Reisezentren nicht missen
Wie eine nicht repräsentative Leserumfrage mit über 7400 Teilnehmern zeigt, halten ganze 60 Prozent die Schliessungen für einen Fehlentscheid. Sie kritisieren, dass der Service public trotz hoher Kosten immer weiter abspeckt. Weitere 28 Prozent können die Entscheidung zwar nachvollziehen, haben aber Mitgefühl für digital unaffine Mitbürger.
Nur 10 Prozent finden die Entwicklung richtig. Sie begrüssen die überwiegend digitale Abwicklung und nutzen Schalter nur in Ausnahmefällen. Die verbliebenen 3 Prozent verwenden laut eigenen Angaben ausschliesslich die App oder den Automaten. Auch in den Kommentaren gehen die Meinungen deutlich auseinander.
«Am besten ist, die ganze SBB kaputtzusparen!»
Viele Leserinnen und Leser äussern sich kritisch zu der Massnahme. Michel Gasser ist einer von ihnen: «Die SBB spart mal wieder bei der Kundenfreundlichkeit. Dienstleistung ist was anderes.» Steve Luicci kann nur zustimmen: «Leistungsabbau bei steigenden Kosten für die Kunden. Super SBB, macht nur weiter so!» Auch für Heinrich Treichler ist eindeutig: «Eine komplett falsche Entscheidung. Am besten ist, die ganze SBB kaputtzusparen!»
Daniel Jans kritisiert zudem: «Das ist einfach nur noch Gewinnmaximierung der SBB, ohne Rücksicht auf Ältere, die digital weniger stark sind.» Elisabeth Hager fügt zudem an: «Dass der Abbau fast ausschliesslich im ländlichen Raum stattfindet, halte ich für einen Fehler. Es gibt immer mehr Gebiete, die weit und breit nichts mehr anbieten.» Matthias Rüegg schreibt: «Die SBB sieht nicht, was so was für die Bewohner dieser Orte bedeutet.»
«Niemand braucht einen Schalter zum Zugfahren»
Andere haben mehr Verständnis für das Verkehrsunternehmen. Felix Bremgartner kann die Aufregung nicht verstehen: «Das ist doch in jeder anderen Branche normal. Wenn ein Geschäft nicht genügend Umsatz abwirft, dann wird es geschlossen.» Marcel Schuler argumentiert ähnlich: «Einen Standort zu betreiben, bei dem nur jedes Schaltjahr jemand vorbeikommt, macht einfach keinen Sinn.»
Auch Christoph Sägesser hält den Entscheid für richtig: «Ein Rentner kann sich genauso umgewöhnen, wenn er wirklich will. Am Ende hat man es sogar bequemer.» Lutz Erner ist ebenso überzeugt: «Um ein Ticket zu kaufen, braucht es wirklich kein Schalterpersonal.» Renato Ritter schreibt: «Niemand braucht einen Schalter zum Zugfahren in der Schweiz. Und falls man doch mal an den Schalter muss, sind ja noch genügend vorhanden.»