Für Schweizer SAC-Hüttenwarte sind kurzfristige Absagen und Gäste, die trotz Reservation nicht auftauchen, ein grosses Ärgernis. Bereits geplante Mahlzeiten und freigehaltene Schlafplätze verursachen Kosten, die sich kaum kurzfristig auffangen lassen. Besonders dreist sind manche Ausreden: Fabio Merzaghi, Hüttenwart der Motterasciohütte im Tessin, berichtet von angeblichen Todesfällen als Absagegrund. «An einem einzigen Tag hatte ich angeblich vier Todesfälle», erzählt er in der SRF-Dokuserie «Hüttengeschichten».
Die Folgen der No-Shows sind deutlich spürbar: Rund 40 Prozent der Reservationen beim Schweizer Alpen-Club (SAC) werden annulliert, ein weiteres Prozent der Gäste erscheint ohne Absage gar nicht erst. Weil Berggänger teilweise vorsorglich mehrere Hütten buchen und erst kurzfristig entscheiden, wohin sie gehen, will der SAC ab 2027 mit einer einheitlichen Reservationsgebühr von zehn Franken pro Gast und Nacht gegensteuern.
Kreditkarte hinterlegen oder vorauszahlen?
Auch in unserer Community sorgen solche Ausreden für Unmut: In einer Blick-Umfrage mit über 10'000 Teilnehmenden halten 79 Prozent angebliche Todesfälle für einen Vorwand. Für viele Leserinnen und Leser ist deshalb klar: Wer eine Berghütte reserviert, soll dafür auch Verantwortung übernehmen. Die ab 2027 geplante Gebühr von zehn Franken pro Gast und Nacht geht vielen nicht weit genug.
Leserin Mary Woodtli schlägt vor, mindestens 50 Franken auf der Kreditkarte zu blockieren und den Betrag bei einem Nichterscheinen oder einer kurzfristigen Absage einzuziehen. «Manche Restaurants in Zürich blockieren schliesslich bis zu 100 CHF pro Person!», argumentiert sie. Auch Franz Kleinsasser findet: «Eine hinterlegte Kreditkarte garantiert, dass keine unüberlegten Buchungen getätigt werden.»
Andere Leserinnen und Leser würden noch weiter gehen. Roland Wyler fordert eine vollständige Vorauszahlung: «100 % Vorkasse – ihr müsst einfach den Mut haben!» Im Verhinderungsfall könnten 50 Prozent zurückerstattet werden. Auch Hans Peter Pleisch schlägt vor, die Übernachtung per Kreditkarte im Voraus zu bezahlen – wahlweise mit oder ohne Versicherung. «Bei Hotel- und Flugbuchungen ist es gleich», hält er fest.
Martin Leuenberger schlägt ein gestaffeltes Modell vor: Bis zwei Wochen vor dem Termin soll eine kostenlose Stornierung möglich sein, bis eine Woche vorher sollen 50 Prozent und ab sechs Tagen vor der Übernachtung der gesamte Betrag fällig werden. Bei einem nachgewiesenen Unfall oder einem Todesfall in der direkten Familie soll eine Rückerstattung möglich sein.
Belege für Todesfälle und Krankheiten
Gerade bei Absagen mit Verweis auf einen Todesfall oder eine Krankheit fordern mehrere Leser, dass solche Gründe belegt werden müssen. Rita Simmen findet, man solle «für Ausreden Arztzeugnisse verlangen». Auch eine weitere Leserin schreibt: «Man muss den Todesschein einreichen. Geht anscheinend nicht anders, und die Ehrlichen leiden auch darunter.»
Ein System gegen Mehrfachbuchungen
Neben finanziellen Sanktionen sehen einige Leser vor allem bei der Technik Handlungsbedarf. Sie wollen verhindern, dass Berggänger mehrere Hütten für dieselbe Nacht reservieren und erst später entscheiden, wohin sie gehen.
Harry Nick fordert ein einheitliches Reservationssystem über die SAC-App. Mehrfachbuchungen sollten sofort erkennbar sein. Gleichzeitig nimmt er den SAC in die Pflicht: «Der SAC muss seinen Hütten auch die Möglichkeit zum Funktionieren geben, oder sich komplett aus dem Reservationssystem fern halten.» Die Pächter müssten Geld verdienen können, sonst gehe «die Hüttenromantik sehr bald dem Ende entgegen».
Remo Hediger plädiert ebenfalls für eine technische Lösung statt zusätzlicher Gebühren. Bei der Online-Reservation sollten die Namen aller Gäste obligatorisch erfasst werden. Das System müsse Doppelbuchungen für dieselbe Nacht auch über verschiedene Benutzerkonten hinweg erkennen. «Was bei Flugbuchungen möglich ist, sollte auch bei SAC-Hütten umsetzbar sein», findet er. Würden solche Reservationen nicht rechtzeitig bereinigt, sollten sie automatisch annulliert werden.
Freie Betten rasch weitervermitteln
Eine weitere Idee setzt nicht bei der Bestrafung, sondern bei der Vermittlung frei werdender Plätze an. Claudio Spaar schlägt ein automatisiertes Wartelistensystem vor, das kurzfristig stornierte Schlafplätze sofort anderen Interessierten anbietet. So könnten Betten, die andernfalls leer blieben, doch noch belegt werden.
Isabell Seidel bringt zudem ein Bewertungssystem für Gäste ins Spiel. Ähnlich wie bei Airbnb sollten auch Hüttenwarte die Möglichkeit haben, das Verhalten ihrer Gäste zu bewerten. «Wer wiederholt durch kurzfristige Absagen auffalle, könnte künftig abgelehnt werden», argumentiert sie.