Shitstorm nach Trump-Auftritt
«Ich verkaufe meinen Audi, sonst muss ich mich fremdschämen!»

Audi-Chef Gernot Döllner tritt mit Donald Trump auf und kündigt eine Milliardeninvestition in den USA an. In der Community sorgt das für mächtig Ärger: Einige Leser wollen ihren Audi verkaufen, andere verteidigen den Entscheid.
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Audi-CEO Gernot Döllner verkündete den Aufbau des neuen Werks bei einem gemeinsamen Auftritt mit US-Präsident Donald Trump.
Foto: AP Photo/Mike Stewart

Darum gehts

  • Audi baut für umgerechnet 3,3 Milliarden Franken in Georgia sein erstes US-Werk
  • 4500 Jobs, Produktionsstart im Jahr 2030 geplant
  • Zahlreiche Leserinnen und Leser drohen mit Audi-Boykott
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Sarah RiberzaniRedaktorin Community

Die geplante Milliardeninvestition von Audi in den USA sorgt nicht nur für Freude. Vor laufender Kamera trat Audi-Chef Gernot Döllner gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump auf und dankte ihm für dessen Unterstützung. Für VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo geht das deutlich zu weit: Sie wirft Döllner aktive Wahlkampfhilfe vor und spricht von einem Verstoss gegen die Konzernleitlinien.

Audi will in Georgia für rund vier Milliarden Dollar ein neues Werk bauen. Ab 2030 sollen dort bis zu 200'000 Fahrzeuge pro Jahr vom Band laufen und rund 4500 Arbeitsplätze entstehen. Für den deutschen Autobauer ist der Schritt strategisch wichtig, denn die Verkäufe in den USA sind zuletzt deutlich eingebrochen. Doch gerade die Inszenierung der Ankündigung mit Trump stösst auf heftige Kritik.

Audi-Fans ziehen Konsequenzen

Auch in der Community sorgt der gemeinsame Auftritt für Diskussionen. Für zahlreiche Leserinnen und Leser ist die Nähe zu Trump eine klare rote Linie. So schreibt etwa User Roland Sandmeier: «Bravo Audi, der Untergang ist so vorprogrammiert. Ich verkaufe meinen Audi, sonst muss ich mich noch fremdschämen!»

Rudolf Stäuble zieht ebenfalls Konsequenzen. «Audi ist für mich gestorben», schreibt er. Während in Deutschland Leute entlassen würden, investiere der Konzern in den USA vier Milliarden – für Stäuble ein Grund, der Marke den Rücken zu kehren.

Leser Michael Ronner bezeichnet Audi als «Trumps Wahlhelfer» und kritisiert den Auftritt scharf. «Trump belegt Europa mit Zöllen, droht Deutschland und der Schweiz und setzt unsere Wirtschaft unter Druck», schreibt er. Döllner habe Trump ausgerechnet wenige Tage vor den US-Zwischenwahlen eine Wahlkampfbühne geboten. Für Ronner sei das ein «politisches No-Go»: Wer sich an einen Präsidenten anbiedere, der Europa mit Zöllen unter Druck setze, verspiele sein Vertrauen. «Meine Konsequenz: Nie wieder Audi! Mein Geld bekommt, wer Rückgrat zeigt – nicht, wer Trump Schützenhilfe leistet.»

Leser Manfred Weiss kritisiert sowohl die Milliardeninvestition als auch den gemeinsamen Auftritt mit Trump. «Der Audichef an der Wahlveranstaltung von Trump und dann noch Milliardeninvestitionen ankündigen geht nicht!», schreibt er. Wenn Audi damit den Wahlkampf für Trump unterstütze, sei die Marke «ganz sicher für sehr viele Menschen nicht mehr kaufbar». Für ihn ist klar: «Der Verwaltungsrat müsste hier schon längst eingreifen!»

«Reines wirtschaftliches Denken»

Andere Leserinnen und Leser sehen den Auftritt deutlich gelassener. Britta Gantner hält die Investition für nachvollziehbar. «Das ist absolut verständlich – ohne Werk in USA ist da kaum mehr ein Absatzmarkt.» Mercedes und BMW würden diesen Weg schliesslich schon länger gehen. Dass man sich dafür mit Trump zeigen müsse, sei zwar bedauerlich, aber letztlich Realität: «Ein Kniefall ist bei Trump nötig, sonst geht gar nichts. Schade, aber wahr.»

Leser Thomas Ulrichsson sieht im Auftritt «definitiv kein Kniefall vor Trump», sondern «reines wirtschaftliches Denken und Handeln». Die deutsche und europäische Politik habe es Konzernen mit Bürokratie, Vorschriften, hohen Strompreisen und Steuern zunehmend schwer gemacht. Deshalb sei es logisch, dass Unternehmen dorthin ausweichen, «wo sie noch gewinnbringend wirtschaften können und sich willkommen fühlen». Mit Trump habe das für ihn nichts zu tun: «Audi ist es egal, wer Präsident ist und wie er heisst.» Entscheidend seien günstige Rahmenbedingungen wie wenig Bürokratie, zuverlässige und günstige Energie sowie tiefe Steuern. «Und das ist völlig nachvollziehbar. Ich würde es nicht anders machen, wäre ich Chef eines Konzerns.»

Auch Marcel Schuler glaubt nicht, dass Audi mit der Investition Trump gefallen wolle. «Es ist eine einfache Wirtschaftlichkeitsrechnung», schreibt er. Die «Altparteien» hätten die deutsche Autoindustrie abschaffen wollen. «Das ist ihnen gelungen.» Dass der Konzern nun dafür «praktisch des Landesverrats» beschuldigt werde, sei «einfach nur lächerlich».

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