Leser zur Mietpreis-Initiative
«Was interessieren höhere Mieten den Polit-Adel?»

Die Mietpreis-Initiative wirft in der Community Fragen auf. Während einige Leser die Zuwanderung begrenzen wollen, kritisieren andere die Forderungen des Mieterverbandes und verteidigen die Interessen der Vermieter.
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Die Schweiz steckt in der Wohnungsnot. Das Gesetz verbietet zwar schon heute missbräuchliche Mietzinse. Doch die Regeln werden oft missachtet.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Badran und Mieterverband sammelten über 100'000 Unterschriften
  • Sie warnen vor Vergleichsmieten und kritisieren Parmelin
  • Leser sind gespalten
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Eva KunzSenior Community Editorin

Steigende Mietpreise und knapper Wohnraum belasten immer mehr Menschen. Nun wächst der Widerstand gegen den geplanten Gegenvorschlag zur Mietpreis-Initiative: SP-Nationalrätin Jacqueline Badran und der Mieterverband haben innert nur zwei Wochen mehr als 100'000 Unterschriften gesammelt. Sie warnen, dass die vorgesehenen Regeln die Mieten weiter in die Höhe treiben könnten.

Konkret geht es um die geplante Orientierung an statistischen Vergleichsmieten. Der Mieterverband befürchtet, dass diese die Mietpreise zusätzlich unter Druck setzen könnten. Auch Bundesrat Guy Parmelin steht in der Kritik: Aus Sicht der Initianten setzt er sich zu wenig für die Interessen der Mieterschaft ein.

«Das heutige Mietzinsniveau ist arrogante Abzocke»

In der Community ist bei vielen der Unmut über die Wohnungsnot gross. Das zeigt sich auch in der Kommentarspalte zur Mietpreis-Initiative. «Das heutige Mietzinsniveau ist arrogante Abzocke», empört sich Max Frey. Auch Christian Berger hat genug. «Obwohl Eigentümer und Rechtswähler, werde ich die Mietpreis-Initiative mit einem Ja unterstützen», schreibt er. «Es ist nicht alles gut, was von rechts kommt, aber auch nicht alles, was von links kommt ...»

Auch User Okay Alary stört sich an der aktuellen Wohnsituation, thematisiert die soziale Ungleichheit und wirft der Politik vor, die Sorgen der Bevölkerung zu vernachlässigen. Während das reichste Prozent fast die Hälfte des Vermögens besitze, kämpfe die breite Masse mit steigenden Kosten und Wohnungsnot. Viele Politiker würden vor allem die Interessen von Grosskonzernen und Lobbygruppen vertreten. «Das Wohl der normalen Bevölkerung scheint die Damen und Herren in Bern schon lange nicht mehr zu interessieren», schreibt Alary.

«Parmelin hat keine Ahnung vom sterbenden Mittelstand»

Die Kritik an der Politik zieht sich auch durch viele weitere Kommentare. Thomas Kraus fragt etwa: «Was interessieren höhere Mieten den Polit-Adel?» Er kritisiert die hohen Politikersaläre und die lebenslange Versorgung ehemaliger Bundesräte. Martin Volk richtet seine Kritik direkt an den Bundespräsidenten: «Parmelin hat keine Ahnung vom sterbenden Mittelstand», schreibt er. «Das Schweizer Volk wurde noch nie so schlecht von der Politik geschützt wie in der heutigen Zeit.» Stefan Kappeler schliesst sich dem an: «Zu Recht Widerstand gegen SVP-Parmelin.» Kappeler findet, dieser mache «sehr wenig» für die Mieter, welche die Mehrheit in diesem Land ausmachten. «Und nein, ich bin kein Linker.»

Manche Leser bekunden, wenig Hoffnung auf Besserung zu haben: «Wenn die Nachfrage höher ist als das Angebot, steigen die Preise, daran wird sich nichts ändern. Da kann man noch an so vielen Schrauben drehen, wie man will – es wird nicht günstiger werden», schreibt Heinz Seiler. Marco Bruz sieht es ähnlich: «Solange die Schweiz hohe Löhne, Sicherheit und Stabilität bietet, wird der Druck bleiben. Ein kleines Land kann nicht unbegrenzt wachsen – es braucht endlich eine ehrliche Debatte über Zuwanderung, Wohnraum, Infrastruktur und Nachhaltigkeit.»

«Wir hätten die Chance gehabt»

Die Zuwanderung ist in vielen Kommentaren ein zentrales Thema, wenn es um die Wohnungsnot geht. «Die Schweiz hat eine massive Zuwanderung. Durch diese verschärft sich die Wohnungsnot jährlich mehr», schreibt Peter Kaufmann.

«Die Wohnungsnot und die Bevölkerung werden weiterhin wachsen», kommentiert Fredy Staudacher und bedauert das Resultat der 10-Millionen-Initiative: «Wir hätten die Chance gehabt, dies zu regulieren.» Willy Rothenbühler pflichtet ihm bei: «Genau auf den Punkt gebracht! Solange die Zuwanderung nicht reguliert wird, ist alles Symptombekämpfung!»

Paul Streuli argumentiert auf derselben Linie und bringt die Forderung der Initiative ins Spiel: «Immer mehr Zuwanderung und gleichzeitig tiefere Mieten fordern – das ist, als würde man immer mehr Kuchen essen und dabei abnehmen wollen. Diese Wunschrechnung geht nicht auf!»

«Finde diese Diskussion über Mieten übertrieben»

Christoph Graf kritisiert seinerseits die aus seiner Sicht widersprüchlichen Forderungen des Mieterverbandes: «Der Mieterverband will, dass 30-jährige Mieten nie mehr an heutiges Niveau angepasst werden dürfen, aber umgekehrt sollen sehr teure Neubauwohnungen sehr gerne auf den Durchschnitt runtergehen müssen. Entweder dreist oder sehr wenig Wirtschaftsverständnis – eventuell auch beides …»

Leserin Layla Bailey steht der Mietpreis-Initiative ebenfalls kritisch gegenüber: «Ich finde diese ganze Diskussion über die hohen Mieten ehrlich gesagt etwas übertrieben.» Zwar sei Wohnen in Zürich teuer, doch sie halte es für unfair gegenüber den Vermietern, ständig geringere Einnahmen zu fordern. «Eine Immobilie zu besitzen, bedeutet schliesslich auch Verantwortung.»

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