Darum gehts
- ADAC: Jährlich 400'000 Handyverstösse am Steuer in Deutschland registriert
- Schweiz: Strengere Massnahmen gegen Ablenkung am Steuer politisch umstritten
- Bis zu 1 Milliarde Dunkelziffer vermutet, Busse von 100 CHF kritisiert
Handy am Steuer ist ein No-Go. Viele machen es trotzdem. So zeigt eine aktuelle ADAC-Auswertung, dass viele Autofahrende während der Fahrt zum Smartphone greifen – trotz klarer Verbote und deutlich erhöhtem Unfallrisiko. In Deutschland werden jährlich rund 400'000 Handyverstösse am Steuer offiziell erfasst. Der ADAC vermutet jedoch eine massive Dunkelziffer von bis zu einer Milliarde. Zudem ergab die Analyse, dass die meisten beim Schreiben oder Lesen von Nachrichten am Smartphone erwischt wurden. In Deutschland wird deshalb bereits über härtere Kontrollen und technische Lösungen wie sogenannte Handy-Blitzer diskutiert.
Auch in der Schweiz gewinnt das Thema an Bedeutung, da Ablenkung am Steuer weiterhin eine der häufigsten Unfallursachen ist. Wer hierzulande mit dem Handy am Steuer erwischt wird, muss derzeit mit einer Ordnungsbusse von 100 Franken rechnen. SP-Nationalrätin Gabriela Suter (53) forderte 2023 Pilotprojekte für die Kantone, der Bundesrat lehnt dies jedoch als nicht prioritär beziehungsweise nicht zielführend ab. Das stösst bei der Community mehrheitlich auf Unmut.
«Da chan mer nur de Chopf schüttle»
«Unser Bundesrat sieht keinen Handlungsbedarf ... da chan mer nur de Chopf schüttle», kommentiert etwa Ron Taler. «Täglich sieht man diese telefonierenden Idioten im Auto.» Daher fände er strengere Gesetze und striktere Kontrollen angebracht. «Die Bundes- und Nationalräte haben vermutlich selber ein Handy im Gesicht», munkelt Marc Kürner.
Willibald Willi sieht es ähnlich: «Ablenkung ist in der Unfallstatistik zu oberst, aber unsere Politik ist das egal.» Seiner Meinung nach ist eine Busse von 100 Franken bei Handy am Steuer «lächerlich». So würde Willi bei der Bussenhöhe ansetzen und diese nach oben anpassen.
«Bussen dringend erhöhen und straff kontrollieren»
Dass es hier mitunter um Leben und Tod gehen kann, spricht etwa Oski Dillinger an: «Wenn wegen Telefonieren am Handy oder Textelesen und -schreiben jemand schwer verletzt wird oder zu Tode kommt – dann ist auch eine Busse von 500 Franken noch zu wenig.» Eine höhere Busse könnte aber durchaus auch mehr abschrecken, ist er überzeugt. «Deshalb Bussen dringend erhöhen und straff kontrollieren.»
Einige weitere Kommentare zielen in dieselbe Richtung, teilweise mit noch happigeren Geldbussen. Teilweise mit weiteren Ideen, wie etwa die von Remo Ragettli: «Minimum ein Jahr Führerscheinentzug. Das schmerzt mehr als jede Busse.»
«Bildschirme im Auto lenken genauso ab»
Andere sehen das Problem primär woanders. Sie nehmen nicht nur Smartphones am Steuer als Gefahrenquelle für Unfälle wahr, sondern auch moderne Autodesigns an sich. «Bildschirme im Auto lenken genauso ab», schreibt etwa Claudia Häfele. Konrad Schläpfer geht da mit: «Wenn man alles nur noch über das Tablet abrufen und steuern muss, ist das mindestens so gefährlich – wenn nicht noch gefährlicher.» – «Meiner Meinung nach lenkt das Verstellen der Lüftung und Ventilator Geschwindigkeit am Bildschirm mehr ab als Telefonieren», findet hingegen Ruedi Leutenegger.
«Neben den Mobiltelefonen lenkt halt auch die sinnfreie Bedienung wichtiger Funktionen via Bildschirm in neueren Autos ab», kommentiert Felix Egolf. So folgert er pragmatisch: «Wer mit dem Auto unterwegs ist, sollte einfach nur aufmerksam fahren.»