Leser kritisieren Comparis-Umfrage
«Okay, ich kann die Prämien bezahlen …aber»

Die Blick-Community ist hässig. In der Kritik stehen die Ergebnisse einer jüngst durchgeführten Comparis-Umfrage. Diese besagt, dass die Mehrheit der Bevölkerung die Krankenkassenprämien ohne Probleme zahlen kann.
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Viele Schweizer ächzen unter den Kosten für die Grundversicherung.
Foto: KEYSTONE/Jean-Christophe Bott

Darum gehts

  • Neue Umfrage: 59 Prozent der Schweizer können Krankenkassenprämien problemlos zahlen
  • Kritik an Umfrage: SP und Caritas betonen finanzielle Belastung vieler Haushalte
  • Auch die Community äussert sich kritisch gegenüber der Bewertung der Umfrage
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Eva KunzSenior Community Editorin

Trotz anhaltend steigender Krankenkassenprämien in der Schweiz zeigt eine neue, repräsentative Umfrage des Vergleichsdienstes Comparis, dass eine klare Mehrheit der Haushalte die Kosten «problemlos» tragen kann. Laut Gesundheitsexperte Felix Schneuwly geben 59 Prozent der Befragten an, ihre Prämien ohne grössere Schwierigkeiten zu bezahlen – in der Deutschschweiz sind es sogar über 60 Prozent.

Prompt hagelt es Kritik aus Politik und Sozialverbänden: So hält etwa die SP fest, dass bezahlte Rechnungen nicht automatisch bedeuten, dass die Belastung gering ist, und Caritas warnt, dass rund 16 Prozent der Bevölkerung regelmässig Mühe haben, die Prämien aufzubringen. Gleichzeitig sind die Gesundheitskosten und Prämien weiter auf dem Vormarsch.

«Ich glaub, ich bin im falschen Film»

Auch der Blick-Community stossen die Ergebnisse der Comparis-Umfrage sauer auf. Viele greifen in ihrem Kommentar direkt die Bewertung der Umfrage-Ergebnisse durch Comparis auf: «Wenn 59 Prozent die Krankenkassenprämien zahlen können, bedeutet das nichts anderes, als dass 41 Prozent dies eben nicht können», schreibt Rolf Stocker. «Und diesen Missstand findet Comparis super? Ich glaub, ich bin im falschen Film.»

«Wieder einer dieser Herren, die das locker bezahlen können, aber keine Ahnung haben, wie das ist, wenn du mit einem 100-Prozent-Job jeden Rappen umdrehen musst, kein Auto mehr hast und nicht mehr in die Ferien fahren kannst», schreibt Dominik Bamert. «Natürlich muss das die Mehrheit nicht – aber es gibt immer mehr, die das nicht können. Und das sind nicht wenige!»

Manche Kommentare sind regelrecht zynisch verfasst und zielen in dieselbe Richtung. Etwa jener von Leser Thomas Ulrichsson: «Selbstverständlich können die meisten die Krankenkassenprämien selber bezahlen. Dass dann aber kaum noch etwas übrig bleibe für so unwichtige Dinge wie Familie, Freizeit, Hobbys, Kultur, Ferien, Freunde oder Miete ist ja völlig nebensächlich und vernachlässigbar. Hauptsache die Krankenkasse ist bezahlt, judihui.»

«Legalisiertes Wuchergeschäft»

Roberta Schwienbacher kommentiert nicht weniger pikant: «In einem reichen Land wie der Schweiz haben rund 41 Prozent teilweise Mühe, die Prämien zu zahlen!» Das Statement, dass aber die Mehrheit keine Probleme habe mit der Finanzierung der Prämien, sei schon fast peinlich.

Manche wie etwa Erich Wirz wittern gar ein Kalkül hinter der Umfrage. Er kommentiert: «Die Mehrheit kann die Prämie problemlos bezahlen! Wenn das mal kein deutliches Signal an die Krankenkassen ist, um im nächsten Jahr bei der Prämienerhöhung gehörig zuzulangen.» Andere greifen die Krankenkassen direkt an: «Legalisiertes Wuchergeschäft wäre der treffendste Begriff», Li Pira Giuseppe.

«Die Prämie ist ein Problem»

Neben dem allgemeinen Unmut teilen einige aus der Community auch ihre ganz persönlichen Mühen mit der Finanzierung der Krankenkassenprämien. Maria Keusch ist eine von ihnen. Sie ist in Rente. Mehr als ein Viertel ihres Einkommens fliesst direkt in die Einzahlung an ihre Krankenkasse. «Die Prämie ist ein Problem», schreibt sie, «ich habe nur die AHV und erhalte keine Prämienverbilligung, weil ich eine Eigentumswohnung habe.»

Der Leserin Ruth Fischer Ruth Fischer geht es ähnlich: «Als Rentnerin und Alleinstehende habe ich mit der Krankenkassenprämie schon zu beissen. Denn 20 Prozent ihres Einkommens muss sie für die Prämienrechnung aufwenden. «Dann kommen Miete, Telefon, Fernsehgebühren, Strom und Steuern auch noch dazu!», ergänzt sie ihre monatlichen Ausgaben.

«Okay, ich kann die Prämien bezahlen ... aber»

Auch Kommentatoren, die sich zur Gruppe jener zählen, die die Prämien ohne Probleme bezahlen können, üben Kritik. «Okay, ich kann die Prämien für mich und meine Frau bezahlen», schreibt Henry Erhard. Die permanent und über die Teuerung hinaus wachsenden Prämien nähmen ihm aber Kaufkraft weg. «Das schlaue Reden, ‹Prämien können locker bezahlt werden› – das stösst bei mir jedenfalls ziemlich sauer auf.»

Auch Eric Lang schreibt, er könne seine Prämie zwar problemlos bezahlen, aber: «Als jemand, der seit Jahren keine Leistungen der Krankenkassen beziehen musste, finde ich die Prämien erst recht unfair und viel zu hoch.»

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