Darum gehts
- Ein Kinderarzt betreut im Schnitt 1600 statt ideal 1000 Kinder
- Kinderarzt Stefan Roth warnt vor Pensionierungen, Teilzeit und komplexeren Fällen
- Er will Studienplätze und gleiche Tarife
Eltern verzweifeln immer mehr auf der Suche nach einem Kinderarzt. Die Wartezeiten sind lange, bei Notfällen wird es oft schwierig. Gemäss einer neuen Studie ist das kaum überraschend. Im Durchschnitt behandelt ein Fachmediziner aktuell 1600 Kinder. Im Idealfall sollten es nur 1000 sein.
Laut Stefan Roth, Vorstandsmitglied beim Verband der Haus- und Kinderärzte Schweiz (MFE), dürfte die Lage noch schlimmer werden. Viele Kinderärzte sind nahe an der Pension oder arbeiten bereits über das Rentenalter hinaus, erklärt der Mediziner. Jüngere Ärzte würden zudem immer mehr Teilzeit arbeiten. Auch häufigere auftretende komplexe Krankheitsbilder brauchen laut ihm immer mehr Ressourcen.
Roth nennt mehr Studienplätze und Praktika als mögliche Lösung für den Ärztemangel. Eine Vereinheitlichung der Vergütung in den verschiedenen Kantonen könne ebenfalls Abhilfe schaffen. Auch in unserer Community werden Ansätze diskutiert.
«Man sollte sie einfach besser bezahlen»
Viele Leserinnen und Leser sind überzeugt, der Kinderarzt-Beruf ist schlicht nicht attraktiv genug. Nicole Zimmermann fragt etwa: «Mal ehrlich, möchte irgendwer Kinderarzt sein bei den heutigen Eltern? Definitiv nein. Viele wissen immer alles besser.» Brigitte Rüegg kann zudem verstehen, dass viele junge Ärztinnen und Ärzte Teilzeit arbeiten: «Sobald man eine Familie gründet, sind 60 bis 70 Stundenwochen schlicht nicht mehr möglich. Dort passiert der grosse Schnitt.»
Lukas Scherrer ist überzeugt: «Das erste Problem ist die schlechte Bezahlung. Das ist sicher auch der Grund, warum viele, die sich zum Arzt ausbilden lassen, weder Allgemeinmediziner noch Kinderarzt werden.» Roger Müller fordert deswegen: «Man sollte sie einfach besser bezahlen, dann wird der Beruf auch wieder attraktiv.»
«Wenn Studienplätze fehlen, dann fehlt es auch an Ärzten»
Andere aus der Leserschaft würden eher in der Ausbildung ansetzen. Rudolf Ogi ist einer von ihnen: «Bildet mehr Ärzte in den Schweizer Unis aus. Die Zeiten, in denen wir hoffen konnten, dass genügend Ärzte in die Schweiz strömen, sind vorbei.» Carmen Spiess stimmt zu: «Es ist ein hausgemachtes Problem. Wenn Studienplätze fehlen, dann fehlt es auch an Ärzten.»
Daniel Müller hebt hervor: «Früher konnte jeder mit Matura Medizin an der Uni studieren. Dann kam der Numerus Clausus. Heutzutage werden deswegen zwei Drittel aller Kandidaten abgelehnt!» Auch Pascal Aebischer merkt an: «In der Schweiz fehlt es an Ärzten. Gleichzeitig ist der Zugang zum Medizinstudium weiterhin stark beschränkt. Ich frage mich, wie sinnvoll das ist.» Alexander Keller fordert klar: «Numerus Clausus abschaffen! Das ist die Lösung.»
«Früher ging man nicht wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt»
Eine letzte Lesergruppe sieht auch die Patientenschaft beziehungsweise die Eltern in der Verantwortung. Reinhard Hertig stellt etwa die Frage: «Kann es sein, dass heute mit Kindern zu rasch der Arzt aufgesucht wird?» Patrick Zola schreibt: «Früher ging man nicht wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt. Ich frage mich, ob unsere Kinder heute tatsächlich kränker sind, oder ob einfach viel mehr medizinisch abgeklärt wird.»
Auch für Ueli Baltensperger ist klar: «Wir haben nicht zu wenige Kinderärzte, die heutigen Eltern rennen immer mehr wegen jeder Schürfwunde zum Arzt.» Walter Tschanz rät zudem: «Hört endlich auf, Teenager immer noch zu Kinderärzten zu bringen. Ab zehn Jahren kann ein Kind ohne Probleme zu einem normalen Hausarzt.»