Debatte um Hitze-Aktionsplan
«Verbote müssen leider her, damit sich was ändert!»

Die Hitzewellen bringen Schweizer Städte an ihre Grenzen. Der Städteverband fordert vom Bund einen nationalen Hitze-Aktionsplan. Doch wie soll die Schweiz ihre Städte abkühlen? In der Community gehen die Meinungen weit auseinander.
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Der Sechseläutenplatz: Eine Hitzeinsel mitten in Zürich.
Foto: Keystone

Der Hitzesommer 2026 hat deutlich gemacht, wie schlecht die Schweiz auf extreme Temperaturen vorbereitet ist. Besonders in Städten wird die Hitze durch Beton, Asphalt und dicht bebaute Flächen verstärkt, sodass es dort auch nachts deutlich wärmer bleibt als im Umland. Fehlende Klimaanlagen, Frühwarnsysteme und öffentliche Abkühlungsmöglichkeiten haben die Situation zusätzlich verschärft. Allein im Juni starben in der Schweiz rund 340 ältere Menschen mehr als erwartet.

Fachleute fordern deshalb eine bessere Anpassung der Städte an den Klimawandel. Auch der Schweizer Städteverband verlangt mehr Unterstützung vom Bund. Die Städte fordern einen nationalen Hitze-Aktionsplan, mehr Spielraum für Begrünung und Entsiegelung sowie finanzielle Unterstützung.

Mehrheit der Leser für einen Notfallplan

Auch in der Blick-Community spricht sich eine Mehrheit für einen Hitze-Notfallplan aus. In einer Leserumfrage stimmten 59 Prozent für einen solchen Plan, während 41 Prozent dagegen waren. Zusätzliche Massnahmen gegen die zunehmende Hitze finden mehrheitlich Unterstützung – doch bei der Frage nach den konkreten Lösungen gehen die Meinungen weit auseinander.

Klimaanlagen als schnelle Lösung

Ein Teil der Community sieht in Klimaanlagen die naheliegendste und schnellste Antwort auf die zunehmenden Hitzetage. Ozy Steiner ist überzeugt: «Anpassung an die neuen Gegebenheiten ist die einzige Lösung.» Klimaanlagen hätten sich weltweit als bewährte Technik etabliert und könnten in der Schweiz mit überschüssigem Solarstrom betrieben werden – für ihn eine Win-win-Lösung.

Peter Belmi findet ähnliche Worte: «Statt nun ellenlange Hitzepläne zu diskutieren, sollte man generell erlauben, Klimaanlagen einzubauen. Individuell pro Raum.» Gerade in bestehenden Gebäuden könne dies schnell und unkompliziert für Erleichterung sorgen.

Roland Greter plädiert ebenfalls für weniger Hürden bei der Installation: «Die Vorschriften für Klimaanlagen müssen definitiv angepasst werden. Der Bürokrieg für Bewilligungen muss reduziert werden. Es bringt nichts, wenn es auf Dienstreisen schattig ist, aber niemand die Hitze aus den Häusern bringt.» 

Weniger Beton, mehr Grün

Andere Leserinnen und Leser sehen die Lösung weniger in technischen Geräten als in einer grundsätzlichen Veränderung der Städte. Michael Ronner warnt davor, die Schweiz einfach zu klimatisieren: «Klimaanlagen kühlen zwar Räume, blasen die Abwärme aber direkt wieder auf die Strasse und heizen das Quartier nur noch weiter auf.» Zudem löse Netzstrom für Klimaanlagen weder die Trockenheit in der Landwirtschaft noch den Wassermangel in den Böden. «Wir können die Schweiz nicht komplett klimatisieren – es braucht kluge Kühlung an der Quelle durch Schatten, Entsiegelung, Begrünung und Wasserspeicher.» 

Auch Mariella Brunner kritisiert die zunehmende Versiegelung: «Ich predige seit Jahren, dass nicht alles zubetoniert werden darf! Aber nein – man fällt alte, grosse Bäume wie bei uns in der Gemeinde. Und verbaut das ganze Gelände! Wieder viel Schatten weg.»

Chris Häner fordert ebenfalls mehr Grün in den Städten. «Leider haben die Staatsbeamten immer noch nicht begriffen, dass man die Städte und Ortschaften begrünen sollte. Auch sollte man in Zukunft Wasserspeicher bauen und in den Städten neue Bauten nur noch mit einer grünen Fassade bewilligen.» 

Wer trägt die Verantwortung?

Nicht nur über die richtigen Massnahmen wird diskutiert, sondern auch darüber, wer dafür bezahlen und Verantwortung übernehmen soll. Manfred Ackermann sieht die Städte selbst in der Pflicht. «Die Städte haben wegen des aufwendigen Unterhalts massenhaft Bäume gefällt oder Grün- und unbefestigte Flächen zubetoniert, um Kosten zu sparen.» Deshalb müssten seiner Meinung nach auch die notwendigen Gegenmassnahmen selbst finanziert werden. «Der Ruf nach einer nationalen Koordination zielt wohl im Endeffekt auf eine Beteiligung von Bund und Kantonen ab. Es kann nicht sein, dass die Allgemeinheit für die Fehler der Städte bezahlt.»

Andere Leser verlangen dagegen ein deutlich stärkeres Eingreifen der Politik. Andreas von Holzen spricht von einem «demokratischen Versagen der Parteipolitik» und fordert vom Bundesrat konkrete Sofortmassnahmen als ersten Schritt zu einem nachhaltigen Hitzeplan. 

Noch weiter geht Fritz Boss. Freiwillige Empfehlungen reichen ihm nicht aus: «Es muss auf Gesetzesebene was passieren, jetzt sofort und nicht erst Morgen.» Zudem fordert er Einschränkungen bei besonders ressourcenintensiven Aktivitäten. «Verbote müssen leider her, damit sich was ändert!» 

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