Debatte um Bargeldpflicht in Zürich
«Wenn ich nicht bar zahlen kann, konsumiere ich nicht»

Bargeld oder Karte? In Zürich soll eine Bargeldpflicht für städtische und subventionierte Betriebe geprüft werden. Die Blick-Community begrüsst den Vorstoss deutlich.
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Wer in Zürich bar bezahlen will, hat es zunehmend schwer.
Foto: imago/NurPhoto

Darum gehts

  • Das Stadtparlament will Bargeld in städtischen und subventionierten Betrieben fest verankern
  • Das Parlament nahm die Motion mit 74 zu 44 Stimmen an, nun folgt eine Vorlage des Stadtrats
  • Die Bargeldpflicht stösst in der Blick-Community auf breite Zustimmung
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Sarah RiberzaniRedaktorin Community

In Zürich setzen immer mehr Betriebe auf digitale Zahlungsmittel. Nun will das Stadtparlament gegensteuern: Auslöser der Debatte war das Kunsthaus, das seit einem Jahr aus Sicherheitsgründen kein Bargeld mehr annimmt. Da das Museum jährlich Millionen von der Stadt erhält, stellte sich die Frage, ob öffentlich unterstützte Einrichtungen weiterhin Bargeld akzeptieren müssen.

Drei SVP-Vertreter forderten zunächst eine Bargeldpflicht für städtische Institutionen. Die Alternative Liste (AL) ging einen Schritt weiter und verlangte, dass auch Betriebe mit städtischen Subventionen Bargeld annehmen müssen. Die Motion wurde mit 74 zu 44 Stimmen angenommen. Stadtrat, FDP und Mitte lehnten den Vorstoss unter anderem mit Verweis auf mögliche Eingriffe in die Wirtschaftsfreiheit ab. Nun muss der Stadtrat eine Anpassung der Gemeindeordnung ausarbeiten.

Community will Wahlfreiheit beim Bezahlen

Die Blick-Leserinnen und -Leser unterstützen die beschlossene Bargeldpflicht deutlich. In einer Umfrage mit mehr als 5600 Teilnehmenden sprechen sich 82 Prozent dafür aus, dass städtische und von der Stadt unterstützte Betriebe Bargeld akzeptieren müssen. 7 Prozent finden die Regelung nur für Märkte sinnvoll und halten sie darüber hinaus für übertrieben. Weitere 11 Prozent lehnen die Pflicht ab und sind der Meinung, dass man mit der Zeit gehen müsse.

Auch in der Kommentarspalte wird über die Bargeldpflicht diskutiert. Leser Enrico Winkler fordert: «Es sollen immer beide Zahlungsmöglichkeiten angeboten werden. Wenn ich nicht mit Bargeld zahlen kann, konsumiere ich nicht», schreibt er. Das gelte beispielsweise für die Weihnachtsmärkte Europaallee und Bellevue.

User Danny Beck fragt sich ebenfalls: «Warum können die Geschäfte nicht einfach Cash, Karte und Twint anbieten? Dann kann der Kunde wählen, was er will und wird nicht vom Geschäft bevormundet, mit welchem Zahlungsmittel er bezahlen muss.» Sicherheitsbedenken lässt er ebenfalls nicht gelten: «Früher wurde alles mit Cash bezahlt. Hatte man damals keine Sicherheitsbedenken? Wurden alle Geschäfte ausgeraubt?»

Dass Bargeld gerade für Kinder wichtig sein kann, zeigt für Leserin Karin Capt ein Erlebnis ihrer Enkel am Eidgenössischen Turnfest in Lausanne. «Die Stände akzeptierten nur Karte oder Twint. Also konnten sie den ganzen Tag nichts kaufen, weil sie nur Bargeld dabei hatten», schreibt sie. Über diese Handhabung sei sie «echt sauer» gewesen. Gerade mit Blick auf die Bargelddebatte in Zürich stellt sich für sie die Frage: Sollen Kinder künftig tatsächlich eine Kreditkarte oder ein Smartphone dabeihaben müssen, nur um sich etwas zu kaufen?

«Wir bezahlen gern mit Karte»

Doch nicht alle Leserinnen und Leser begrüssen die beschlossene Bargeldpflicht. Stefan Tobler findet, die Entscheidung sollte den Betrieben überlassen bleiben: «Der Verkäufer soll entscheiden, welche Zahlungsmittel er oder sie akzeptiert. Es kann nicht sein, dass der Staat sich hier einmischt.»

Leser Garry Cooper sieht vor allem bei Marktständen gewisse praktische Hürden. Während Bargeld in Geschäften, Restaurants und Museen wichtig sei, könne er bargeldloses Bezahlen auf Märkten nachvollziehen. «Wegen einiger Tage oder Wochen eine Kasse mitzuführen, abends mühsam abzurechnen, das ist lästig und unbequem», schreibt er. «Wir bezahlen gern, häufig und problemlos mit Karte oder Handy – und sind Ü77.»

Auch André Lüscher sieht Vorteile beim bargeldlosen Bezahlen. In Ländern wie Norwegen sei diese Zahlungsform bereits weit verbreitet. «Das zeitaufwendige Zählen von Bargeld, das Bereitstellen von Wechselgeld und der Gang zur Bank entfallen», schreibt er. Zudem werde «das Risiko von Diebstählen durch Mitarbeitende oder Überfällen reduziert». Zwar räumt Lüscher ein, dass bei Kartenzahlungen Gebühren anfallen. Diesen stünden jedoch Einsparungen bei Personalaufwand, Zeit und Sicherheit gegenüber. «Ich bin überzeugt, dass sich diese Kosten in vielen Betrieben mehr als ausgleichen lassen», hält er fest.

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