Samstags und sonntags sucht man in Jestetten vor dem Lidl vergeblich nach einem Parkplatz. Auch auf den Strassen reihen sich die Autos mit Schweizer Kennzeichen aneinander. Das Dorf an der deutschen Grenze ist ein beliebtes Ziel für Einkaufstouristen aus der Schweiz. Vielen Einheimischen wird der Ansturm zu viel. Sie meiden die örtlichen Geschäfte am Wochenende.
Das Ganze geht so weit, dass Discounter weitere Filialen eröffnen oder ihre Ladenflächen erweitern. Laut Bürgermeister Dominic Böhler (42) gibt es deswegen aus der Bevölkerung zahlreiche negative Stimmen. Viele würden einen Identitätsverlust innerhalb der Gemeinde wahrnehmen. Auch Vermüllung durch die Schweizer Kundschaft gehört laut Böhler immer mehr zum Alltag. In unserer Community kaufen ebenfalls einige jenseits der Grenze ein.
Unsere Community teilt ihr Einkaufsverhalten
In einer Leserumfrage mit über 6100 Teilnehmern geben 60 Prozent an, dass sie grundsätzlich nicht in Deutschland einkaufen. Für diese Gruppe kommt Einkaufstourismus nicht infrage.
Die übrigen 40 Prozent geben jedoch an, dass sie für ihren Wocheneinkauf regelmässig die deutsche Grenze überqueren. Die Schweiz ist ihnen schlicht zu teuer geworden. In den Kommentaren verteidigen deswegen viele den Einkaufstourismus.
«Ihr könnt nicht das Fünferli und das Weggli haben»
Viele Leserinnen und Leser können den Ansturm auf Jestetten gut nachvollziehen. Daniel Roth schreibt etwa: «Wenn man in der Schweiz für ein Produkt das Doppelte bezahlt wie in Deutschland, dann ist ja klar, wo man es holt. Wäre es umgekehrt, würden die Deutschen auch bei uns einkaufen.» Rolf Messerli kommentiert ebenso: «Solange in der Schweiz alles teurer ist, wird sich nichts am Einkaufstourismus ändern.»
Roland Greter schreibt die Verantwortung den Gewerben zu: «Wer die Schweizer mit tiefen Preisen und grossen Parkplätzen anlockt, muss nicht erstaunt sein, wenn sie dann tatsächlich kommen.» Damian Linz stimmt zu: «Ich denke nicht, dass all die Gewerbe genauso kritisch sind. Wir Schweizer generieren einen Grossteil ihres Umsatzes.»
Erwin Burren rügt zudem: «Viel Gejammer, aber das Geld nehmen sie dann ja trotzdem.» Auch Bernd Helmut kritisiert die Grenzbewohner: «Liebe Deutsche, ihr könnt nicht das Fünferli und das Weggli haben. Wenn man vom Einkaufstourismus profitiert, muss man auch die Nachteile in Kauf nehmen.»
«Wir haben auch viele Deutsche, die unsere Strassen verstopfen!»
Andere finden es unerhört, dass die Beschwerden gerade von unseren Nachbarn aus dem Norden kommen. Georg Seit hebt etwa hervor: «Wir haben auch sehr viele Deutsche, die unsere Strassen verstopfen! Sollen wir nun Mitleid haben, oder was?» Auch Marco Stalder sagt: «Die Deutschen sorgen bei uns regelmässig für Stau. Und das nicht nur am Wochenende!»
Marc Lopes schliesst sich an: «Ich kann mit den Jestettern mitfühlen. Umgekehrt finde ich es aber auch hier ziemlich mühsam mit all den Gastarbeitern. In Zürich könnte man manchmal meinen, man sei in Deutschland.» Roland Rohrbach fragt: «Wir haben jeden Tag viele Deutsche in der Schweiz. Haben wir jetzt auch einen Identitätsverlust?»
Für Daniel Meier ist klar: «Solange halb Deutschland in der Schweiz arbeitet, können wir auch dort einkaufen gehen. Es haben beide Länder Vor- und Nachteile deswegen. Das gleicht sich aus.»