Darum gehts
- Die Kaspar Elektro AG wollte 50-Franken-Bussen bei Verstössen einführen
- Community-Umfrage: 41 Prozent dagegen, 30 bedingt dafür, 29 dafür
- Befürworter nennen Disziplin als Begründung, Gegner fordern positiven Anreiz für Pünktlichkeit
Die Kaspar Elektro AG im aargauischen Reinach wollte ihre Mitarbeitenden bei bestimmten Verstössen zur Kasse bitten. Die Einnahmen sollten in die Mitarbeiterkasse fliessen. Geschäftsführer und SVP-Grossrat Manuel Kaspar (36) plante, die Regelung ab dem 1. Oktober einzuführen – auch für die vier Lernenden des Betriebs. Kaspar hält das für angemessen: Im Strassenverkehr müsse schliesslich ein 16-jähriger Motorradlenker bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung ebenfalls die gleiche Busse bezahlen wie ein CEO.
Nach Kritik eines Arbeitsrechtlers wurde die Regelung inzwischen angepasst. Die 50-Franken-Zahlung ist neu freiwillig, am Grundgedanken hält Kaspar aber fest: Wer sich nicht an die Regeln hält, soll ins Bussenkässeli einzahlen. Das Geld kommt weiterhin der Mitarbeiterkasse zugute.
«Pünktlichkeit hat was mit Respekt zu tun»
Die geplante Bussenregelung sorgt inzwischen auch in der Blick-Community für Diskussionen. Besonders die Frage, ob Zuspätkommen mit einer Geldbusse geahndet werden sollte, polarisiert.
Das zeigt sich auch in einer Leserumfrage mit über 5000 Teilnehmenden: 41 Prozent sprechen sich klar gegen Bussen fürs Zuspätkommen aus. Für 30 Prozent kommt es auf die Umstände an – etwa, wenn jemand wiederholt zu spät kommt. 29 Prozent halten eine Busse dagegen für legitim, weil Mitarbeitende verpflichtet seien, pünktlich zur Arbeit zu erscheinen.
Auch in den Kommentaren zeigt sich, wie unterschiedlich die Massnahme beurteilt wird. «Pünktlichkeit hat was mit Respekt zu tun, was leider in unserer Gesellschaft verloren gegangen ist», findet Daniel Fellmann. Für ihn sind Konsequenzen deshalb durchaus gerechtfertigt, allerdings mit einer Einschränkung: Bei einem unverschuldeten Grund sollte von einer Busse abgesehen werden.
Für Margrit Herzog ist die Sache ebenfalls klar: «Herr Kaspar hat absolut recht, denn die Disziplinlosigkeit reisst leider ein. So kann man kein Geschäft führen.» Zum Vergleich fragt sie, wie wohl reagiert würde, wenn ein Elektriker einfach nicht auftauche, obwohl bei einem Kunden ein Stromausfall behoben werden müsse. «Der Geschäftsinhaber bestimmt, wie es bei ihm läuft!»
Leser Kurt Meier berichtet von eigenen Erfahrungen mit einer wiederholt unpünktlichen Lehrtochter. Trotz mehrerer Ermahnungen sei sie immer wieder zu spät gekommen. Schliesslich habe er ihr gesagt: «Jedes Mal, wenn sie zu spät kommt, muss sie einen halben Tag mehr arbeiten.» Nach dieser Mahnung sei sie immer pünktlich gewesen. Jahre später habe sie ihm gesagt, dass ihr diese Erfahrung «sehr, auch für das spätere Leben geholfen» habe. Sein Fazit: «Wenn jemand regelmässig zu spät kommt, muss das irgendwie abgegolten werden.»
Belohnung statt Bussen
Doch es gibt auch deutliche Gegenstimmen. So schreibt Hans Rotzetter: «Wenn schon Motivation, dann mit Belohnung.» Wer über einen bestimmten Zeitraum nie zu spät komme, könnte seiner Meinung nach dafür belohnt werden. Ein Bussensystem lehnt er dagegen ab: «Einen Vertrag mit Bussen fürs Zuspätkommen würde ich nie akzeptieren.» Für systematische Absenzen gebe es schliesslich bereits Regeln im Arbeitsgesetz und gegebenenfalls im Arbeitsvertrag.
User Sven Garry findet ähnliche Worte. Für ihn hat der Arbeitgeber den falschen Weg eingeschlagen. «Da hat jemand Teambuilding falsch verstanden. Ein üblicher Chef würde mit den Mitarbeitern an den Tisch sitzen und ins Gewissen reden», schreibt er. Statt mit Strafen zu arbeiten, plädiert er für ein Belohnungssystem: Eine Mitarbeiterliste mit Fehlverhalten und Punkten könne am Monatsende etwa dazu führen, dass der «Mitarbeiter des Monats» ein Geschenk erhalte. Sein Fazit: «Man motiviert mit Belohnung, niemals mit Strafen!»
Leser Walter Föhn zieht für sich sogar eine persönliche Konsequenz. «Ich wohne in Reinach und habe auch schon dort eingekauft. In Zukunft werden sie keinen roten Rappen mehr verdienen an mir», kommentiert er die Bussenregelung.