Darum gehts
- Bosch lanciert neuen Nabenmotor für E-Bikes mit Fokus auf Citymodelle
- Hub-Line-System inkl. Akku wiegt nur 4,4 kg und bietet bis 45 Nm Drehmoment
- Erste Modelle ab September erhältlich, Preise ab rund 2000 Franken erwartet
An Bosch kommt auf dem E-Bike-Markt keiner vorbei. Der deutsche Techriese bietet mit der Sparte eBike Systems Antriebskomponenten für Elektrovelos an – vom Motor über den Akku bis zum Display samt passender Software und App. Seit der Gründung 2009 hat sich Bosch im E-Bike-Segment vom Nischenhersteller zum Weltmarktführer entwickelt, auf dessen Antriebssysteme mehr als 100 Velomarken rund um den Globus setzen.
Doch Qualität mit dem Label «Engineered in Germany» hat ihren Preis: Während andere Marken auch günstigere Nabenmotoren im Angebot haben, setzte Bosch bisher voll auf Mittelmotoren. Diese versprechen zwar ein geschmeidigeres und kraftvolleres Fahrgefühl, kommen aber vorwiegend bei Modellen aus mittleren bis hohen Preissegmenten zum Einsatz. Das bisherige Angebot reichte vom kompakten SX- (55 Nm, kürzlich bei Blick im Test) bis zum vor Kraft strotzenden CX-Motor (bis zu 120 Nm).
Elektro inkognito
Nun greifen die Deutschen auch im Segment der günstigen Citybikes an und nehmen mit der neuen Hub Line ihren ersten Nabenmotor ins Sortiment. Im Vergleich zu den bisherigen Systemen ist der Motor mit seinen nur 10 Zentimetern Durchmesser und 2,3 Kilo Gewicht in der hinteren Radnabe integriert und in Kombination mit dem schlanken 360-Wh-Akku (2,1 kg) besonders für stylische E-Bikes prädestiniert, denen man auf den ersten Blick kaum ansieht, dass sie über Elektro-Unterstützung verfügen. Im Rahmen der Hub Line hat Bosch auch ein neues, nachrüstbares Modul für Diebstahlschutz sowie ein neues Bediensystem vorgestellt.
«Mit unseren Neuheiten rund um die Hub Line läuten wir eine neue Ära urbaner E-Bikes ein. Sie sind nicht nur leicht, agil und begeistern mit klarer Designsprache, sondern revolutionieren auch das Fahrerlebnis in der Stadt», sagt der langjährige CEO Claus Fleischer. Blick konnte die neuen Komponenten bereits vor der offiziellen Premiere in der Zürcher Innenstadt ausprobieren.
Wenig Gewicht, viel Dynamik
Vor der Fahrt auf dem Vorserien-Testmodell erklärt uns Beat Brechbühl, Marketing Manager von Bosch eBike Systems Schweiz, weitere Besonderheiten der Hub Line: «Das System aus Nabenmotor und Akku ist leicht und diskret, was nicht nur dem Design, sondern auch dem Fahrgefühl auf der Strasse zugutekommt.» Unser erster Eindruck: Für den rund 19 Kilo schweren Prototyp – je nach Hersteller sind laut Brechbühl auch deutlich leichtere Modelle möglich – reichen die maximal 45 Newtonmeter völlig aus.
Im Vergleich zu anderen Nabenmotoren setzt die Unterstützung ohne spürbare Verzögerung ein, was für ein natürliches Fahrgefühl und flotte Ampelspurts sorgt. Selbst steilere Anstiege wie die Rampen am Bahnhof Zürich-Hardbrücke meistern wir mühelos. Die ebenfalls für die Hub Line verfügbare Kettenschaltung eShift stellte sich mit ihrer auf Knopfdruck automatischen Gangwahl im Test als gewöhnungsbedürftig, aber durchaus smooth und zuverlässig heraus. Top: Da sich der Heckmotor ab 25 km/h vollständig entkoppelt, lässt sich das Bike danach fast wie ein klassisches Velo ohne Tretwiderstand fahren.
Modelle für unter 2000 Franken?
Der schlank im Rahmen integrierte Akku (je nach Hersteller auch herausnehmbar) soll laut Bosch Reichweiten von über 80 Kilometern ermöglichen. Im Zürcher Alltag halten wir 50 bis 60 Kilometer für realistisch – abhängig vom Fahrmodus mit mehr oder weniger Tretunterstützung, der über den neuen LED-Controller am Lenker gewechselt werden kann. Auch ohne das optionale, aber empfehlenswerte Intuvia-200-Display wird der Fahrer mittels LEDs über Fahrmodus und Akkuzustand informiert.
Die ersten Hub-Line-Modelle sollen laut Beat Brechbühl ab Anfang September auf den Markt kommen und dürften in Deutschland ab rund 2500 Euro angeboten werden, abhängig vom Velohersteller. «Für den Schweizer Markt gehe ich von ähnlichen Preisen aus», so Brechbühl. Mit der Aussicht, ein noch breiteres Publikum zu erreichen, dürfte Bosch sein E-Bike-Imperium weiter ausbauen – der nächste Angriff des Branchengiganten.