Darum gehts
- Consumer Reports: 19 von 21 getesteten Autos sendeten Daten an externe Firmen
- 28 von 30 Begleit-Apps gaben Daten an Trackingfirmen weiter, sieben auch Identifikationsdaten
- Auch in der Schweiz erlauben Neuwagenverträge meist Datenweitergabe
Moderne Autos sammeln Unmengen von Nutzerdaten. Wohin diese Informationen fliessen, zeigt jetzt eine neue Studie der US-Konsumentenschützer von Consumer Reports.
Das Resultat ist wenig schmeichelhaft für die Autohersteller: 19 von 21 getesteten Fahrzeugen aus den Jahren 2022 bis 2025 übermittelten über WLAN Daten an externe Unternehmen. Unter den Empfängern waren bekannte Werbe- und Tracking-Domains.
Problematische Apps
Noch problematischer waren die Begleit-Apps, die das Auto mit dem Handy verbinden. 28 von 30 getesteten Apps übermittelten Daten an Drittanbieter, die mit Werbung und Tracking in Verbindung stehen. Sieben davon sogar Identifikationsdaten wie Fahrgestellnummern, E-Mail-Adressen, Telefonnummern oder den genauen Standort.
Die Kopplung mit einer Begleit-App verdoppelte im Durchschnitt die Kontakte eines Fahrzeugs zu Werbe- und Tracking-Firmen. In Einzelfällen kamen bis zu 20 Kontakte dazu. Tech-Giganten wie Amazon, Google, Meta und Microsoft gehörten zu den grössten Empfängern von Fahrerdaten.
Wertvoll für Versicherer
Das Tracking trifft Autofahrer direkt im Portemonnaie: Firmen nutzen die Daten nicht nur für Werbung, sondern passen damit auch Versicherungsprämien an. In den USA klagen deshalb bereits die ersten Besitzer.
Versicherer und Hersteller arbeiten dabei eng zusammen. Gegenüber Consumer Reports bezeichneten Industrieexperten die Fahrerdaten wegen ihres grossen Werts als das «neue Öl». Kein Wunder, verteidigen die Autokonzerne ihre Weitergabepraxis.
Nutzer müssen zustimmen
Die Hersteller verweisen darauf, dass die Nutzer in vielen Fällen freiwillig der Datensammlerei und Weitergabe zustimmen würden. Tatsächlich ist sie oft Teil der Nutzungsbedingungen. Doch einfach ablehnen, kann man sie trotzdem nicht.
Wer etwa bei Tesla nein zur Datenweitergabe sagt, bekommt folgende Warnung: «Dies kann zu eingeschränkter Funktionalität, schweren Schäden oder zur Betriebsunfähigkeit Ihres Fahrzeugs führen.» Das Tesla Model 3 und der Cybertruck (in der Schweiz nicht zugelassen) waren mit Dutzenden externen Kontakten die grössten Datenkraken im Test.
Wenig Möglichkeiten für Kunden
Auch in der Schweiz können Neuwagenkäufer wenig machen. «Die Kaufverträge für Neufahrzeuge enthalten in der Regel Klauseln, die die Weitergabe der Daten an den Hersteller und sein Netzwerk erlauben, ohne jedoch die verarbeiteten Daten und die Zweckbestimmungen detailliert zu nennen», sagte Experte Erich Schwizer von TCS Test & Technik im Frühling zu Blick.
Einfach ablehnen gehe nicht: «Wenn die Käufer diesen Klauseln nicht zustimmen, laufen sie Gefahr, keinen Zugang zu den angebotenen Diensten zu haben oder allenfalls sogar das Auto nicht zu bekommen.»