Darum gehts
- Nur 11 Prozent der neuen Nutzfahrzeug-Transporter in der EU sind Stromer
- Stellantis droht mit 880 Mio. Franken die höchste EU-Umweltbusse
- Elektroanteil von 20 Prozent wäre nötig, Ziel daher aktuell unerreichbar
Nur in Europa entscheide die Politik über den richtigen Antrieb, sagte Renault-Chef François Provost kürzlich in einem Mediengespräch. Denn damit der CO2-Ausstoss des Verkehrs in der EU sinkt, gibt es strenge Flottenziele für die Hersteller. Doch gerade bei Nutzfahrzeug-Transportern sind die EU-Grenzwerte kaum zu schaffen.
Während die Elektrifizierung bei den Personenwagen – auch wegen des Irankrieges – Fahrt aufnimmt, hinken die Nutzfahrzeuge hinterher. Im ersten Quartal waren nur 11 Prozent der neuen Transporter in der EU als reine Stromer unterwegs. Mit diesem Anteil ist das Ziel für leichte Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen aber nicht zu erreichen. Diese dürfen in den Jahren 2025 bis 2027 durchschnittlich nur 154 Gramm CO2 pro Kilometer ausstossen, wobei sich die genauen Vorgaben je nach Hersteller unterscheiden.
Katastrophal für Stellantis
Die «Automobilwoche» hat berechnet, wie teuer die Bussen für die einzelnen Hersteller werden dürften. Am schlimmsten trifft es demnach Stellantis mit einer erwarteten Strafe von umgerechnet 880 Millionen Franken. Es folgen Ford (180 Millionen Franken) und Renault (160 Millionen Franken). Aber auch Toyota, VW und Mercedes müssen mit Millionenbussen rechnen.
Allein für die europäischen Hersteller dürften die Bussen insgesamt weit über einer Milliarde Euro liegen. Und dies ausgerechnet in einer Zeit, in der die Autobauer auf dem Kontinent ohnehin in einer tiefen Krise stecken. Kein Wunder versuchen die Firmen alles, um mehr Elektro-Transporter abzusetzen. So lockt VW-Nutzfahrzeuge im EU-Raum mit Preisnachlässen von bis zu 10'000 Euro auf Stromer.
Elektroanteil von 20 Prozent nötig
Doch warum trifft es Stellantis so viel stärker als alle anderen? Der Konzern mit seinen 14 Automarken ist mit grossem Abstand Marktführer bei den leichten Nutzfahrzeugen (Citroën, Fiat, Opel und Peugeot). Laut der «Automobilwoche» gibt es zwei Gründe für die sich abzeichnende extrem hohe Busse: Erstens ist der Elektroanteil mit acht Prozent besonders niedrig und zweitens hat Stellantis sehr viele kleine Transporter im Angebot, weshalb der Zielwert der EU entsprechend tiefer liegt.
Um die Vorgaben noch zu schaffen, bräuchten die Hersteller einen Elektro-Anteil von 20 Prozent. Doch die meisten Unternehmen denken nicht daran, sich einen Elektro-Transporter zuzulegen. Denn die Reichweite und meist auch die Nutzlast sind kleiner als bei vergleichbaren Dieselfahrzeugen – und die Anschaffungskosten trotz Rabatten höher.
Falls die EU allerdings an den Vorgaben festhält, dürfte dies nicht nur die Nutzfahrzeughersteller belasten. Auch die Nutzer (und damit viele KMU) müssen mit höheren Preisen für Lieferwagen rechnen, weil die Bussen garantiert über die Fahrzeugpreise abgewälzt werden.