Verkehrssicherheit
Moderne Autos machen uns übermütig: Dieser Effekt kann gefährlich werden

Leise Fahrt, hohe Sitzposition, automatische Bremsassistenten: Moderne Autos vermitteln ein Gefühl von Sicherheit. Doch genau das kann zum Problem werden: Warum manche Autofahrer mehr Risiken eingehen, wenn sie sich besser geschützt fühlen.
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Die Aufmerksamkeit muss beim Verkehr bleiben, auch wenn das Auto einen Teil der Arbeit übernimmt.
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Gunda BosselSEO-Redaktorin

Wer heute in einem modernen SUV auf der Autobahn unterwegs ist, merkt oft kaum, wie schnell er tatsächlich fährt. Der Motor ist leise, das Fahrzeug liegt stabil auf der Strasse und elektronische Helfer unterstützen beim Fahren. Selbst wenn der Verkehr dichter wird, vermitteln viele Autos ein Gefühl von Kontrolle.

Doch dieses Gefühl kann täuschen. Denn wer sich besonders sicher fühlt, unterschätzt möglicherweise die Risiken. In der Psychologie und Verhaltensökonomie ist dieses Phänomen als Peltzman-Effekt bekannt. Er beschreibt die Tendenz, dass Menschen mehr Risiken eingehen, wenn sie glauben, besser vor deren Folgen geschützt zu sein.

Warum mehr Sicherheit zu mehr Risiko führen kann

Das Konzept geht auf den US-amerikanischen Ökonomen Sam Peltzman zurück, der den Effekt in den 1970er-Jahren untersuchte. Seine Überlegungen drehten sich unter anderem um die Frage, wie sich Sicherheitsvorschriften im Strassenverkehr auf das Verhalten von Autofahrern auswirken.

Die Grundidee: Fühlen sich Menschen besser geschützt, passen sie ihr Verhalten mitunter an und gehen grössere Risiken ein. Der Effekt ist allerdings keine allgemeingültige Erklärung für riskantes Fahrverhalten. Ob zusätzliche Sicherheit tatsächlich zu mehr Risikobereitschaft führt, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Im Auto lässt sich das Prinzip gut nachvollziehen. Wer sich auf Assistenzsysteme verlässt, fährt womöglich weniger aufmerksam. Wer sich in einem grossen, stabil wirkenden Fahrzeug sicher fühlt, unterschätzt vielleicht die eigene Geschwindigkeit. Und wer glaubt, sein Auto werde im Notfall ohnehin automatisch bremsen, reagiert möglicherweise später auf eine Gefahr.

Das muss nicht bewusst geschehen. Oft reicht schon das Gefühl, dass die Technik einen im Zweifelsfall auffängt.

Moderne Assistenzsysteme haben Grenzen

Tatsächlich können moderne Sicherheitsfunktionen viel bewirken. Notbremsassistenten können dabei helfen, Kollisionen zu vermeiden oder deren Folgen zu mindern. Spurhalteassistenten unterstützen dabei, das Fahrzeug in der Fahrspur zu halten. Adaptive Tempomaten passen den Abstand zum vorausfahrenden Auto an, und Systeme zur Fussgängererkennung können vor bestimmten Gefahren warnen.

Doch diese Technik ist keine Garantie für unfallfreies Fahren. Die Systeme haben je nach Funktion, Fahrzeug und Verkehrssituation unterschiedliche Grenzen. Nicht jede Gefahr wird rechtzeitig erkannt, nicht jede Kollision lässt sich verhindern.

Wer sich zu stark auf die elektronische Unterstützung verlässt, riskiert deshalb, die eigene Verantwortung zu unterschätzen. Die Aufmerksamkeit muss beim Verkehr bleiben, auch wenn das Auto einen Teil der Arbeit übernimmt.

Die Physik lässt sich nicht überlisten

Ein weiterer Trugschluss: Ein Fahrzeug, das sich ruhig und stabil anfühlt, ist nicht automatisch langsamer unterwegs oder bei einem Unfall weniger gefährlich.

Bei 120 km/h legt ein Auto bereits rund 33 Meter pro Sekunde zurück. Allein während einer Reaktionszeit von einer Sekunde fährt es also mehr als 30 Meter, bevor überhaupt gebremst wird. Hinzu kommt der Bremsweg, der unter anderem von Geschwindigkeit, Strassenzustand, Reifen und Fahrzeug abhängt.

Steigt die Geschwindigkeit, nimmt der Bremsweg bei vergleichbaren Bedingungen überproportional zu. Auch moderne Sicherheitstechnik kann die Gesetze der Physik nicht ausser Kraft setzen.

Eine hohe Sitzposition, eine ruhige Kabine oder ein souveränes Fahrgefühl sagen zudem wenig darüber aus, wie viel Zeit bei einer Gefahr tatsächlich zum Reagieren bleibt.

So lässt sich das falsche Sicherheitsgefühl vermeiden

Die beste Gegenmassnahme ist nicht, auf moderne Technik zu verzichten. Entscheidend ist, sie als Unterstützung zu verstehen und nicht als Ersatz für die eigene Aufmerksamkeit.

  • Geschwindigkeit bewusst wahrnehmen: Gerade in leisen, komfortablen Fahrzeugen lohnt sich ein regelmässiger Blick auf den Tacho.
  • Abstand halten: Auch mit Bremsassistent und adaptivem Tempomaten bleibt genügend Abstand wichtig.
  • Assistenzsysteme richtig einschätzen: Wer die Funktionen und Grenzen seines Autos kennt, verlässt sich weniger blind darauf.
  • Aufmerksam bleiben: Der Blick gehört auf die Strasse, nicht aufs Smartphone oder andere Ablenkungen.
  • Tempo den Bedingungen anpassen: Regen, schlechte Sicht, dichter Verkehr oder eine nasse Fahrbahn verlangen besondere Vorsicht.

Moderne Autos können den Strassenverkehr sicherer machen. Doch die Technik allein entscheidet nicht darüber, wie sicher eine Fahrt verläuft. Wer sich geschützt fühlt, sollte deshalb nicht automatisch mehr riskieren. Denn auch das beste Assistenzsystem kann nicht jede Fehlentscheidung ausgleichen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf blic.rs. Das serbische Newsportal gehört wie Blick zu Ringier.

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