Wer bei einem älteren Auto einen platten Reifen hatte, konnte unter Umständen selbst Hand anlegen: Reserverad aus dem Kofferraum holen, Wagenheber ansetzen, Rad wechseln und weiterfahren. Bei vielen neuen Autos ist das nicht mehr so einfach. Denn unter dem Kofferraumboden liegt immer seltener ein Ersatzrad samt Wagenheber und Radschlüssel.
Die Entwicklung sorgt bei Autofahrern für Unmut. Schliesslich werden Neuwagen immer teurer, während eine Ausstattung, die früher häufig selbstverständlich war, zunehmend fehlt oder extra kostet.
Weniger Gewicht, mehr Platz im Kofferraum
Die Autohersteller haben durchaus Argumente für den Verzicht. Ein Reserverad samt Werkzeug bringt zusätzliches Gewicht auf die Waage. Wird es weggelassen, kann das den Energieverbrauch senken. Auch der Platz unter dem Kofferraumboden lässt sich anderweitig nutzen.
Gerade bei Elektroautos spielt das Gewicht eine Rolle, weil es die Reichweite beeinflussen kann. Wie gross der Effekt im Einzelfall ist, hängt allerdings vom Fahrzeug und seiner Ausstattung ab. Ein weiterer Grund dürfte wirtschaftlicher Natur sein: Wenn Ersatzrad und Zubehör nicht mehr zur Serienausstattung gehören, können Hersteller bei der Produktion Kosten sparen. Gleichzeitig lässt sich die Ausrüstung bei manchen Modellen gegen Aufpreis anbieten.
Der Ärger über zusätzliche Kosten
Für Käufer ist das nicht immer nachvollziehbar. Sie investieren viel Geld in ein neues Auto und müssen für eine Ausstattung, die früher oft zum Standard gehörte, möglicherweise zusätzlich bezahlen.
Besonders ärgerlich kann es sein, wenn unter dem Kofferraumboden weiterhin eine passende Aussparung vorhanden ist, das Reserverad selbst aber nicht mitgeliefert wird.
Allerdings gilt nicht für jedes Modell dasselbe: Manche Hersteller verzichten komplett auf ein Ersatzrad, andere bieten es als Option an. Wieder andere liefern stattdessen ein Reifenreparaturset oder eine andere Pannenlösung mit.
Was passiert bei einem platten Reifen?
Ohne Reserverad bleibt bei einer Reifenpanne häufig nur das Reparaturset oder die Pannenhilfe. Ein Dichtmittel kann bei bestimmten kleineren Schäden helfen, ist aber keine Lösung für jeden Defekt. Bei grösseren Beschädigungen oder einem beschädigten Reifen kann professionelle Hilfe nötig sein.
Wer auf einer abgelegenen Strecke unterwegs ist, muss unter Umständen länger warten, bis Hilfe eintrifft. Das kann besonders auf Reisen lästig werden.
Ein vollwertiges Reserverad bietet dagegen die Möglichkeit, bei geeigneter Situation selbst weiterzuhelfen. Voraussetzung ist natürlich, dass der Radwechsel sicher durchgeführt werden kann und das Fahrzeug dafür ausgerüstet ist.
Worauf du beim Autokauf achten solltest
Wer einen Neuwagen kauft, sollte deshalb nicht nur auf Motorisierung, Verbrauch und Kofferraumvolumen schauen. Es lohnt sich auch, die Pannenausrüstung zu prüfen.
- Reserverad: Ist eines vorhanden oder kann es gegen Aufpreis bestellt werden?
- Reparaturset: Welche Reifenschäden lassen sich damit überhaupt beheben?
- Pannenhilfe: Welche Unterstützung bietet der Hersteller, und wie lange gilt sie?
- Zusatzkosten: Was kostet die gewünschte Ausrüstung tatsächlich?
Der Verzicht auf das Reserverad hat also durchaus praktische Gründe. Für Autofahrer bleibt trotzdem ein Nachteil: Bei einer Reifenpanne sind sie stärker auf die vorhandene Ersatzlösung oder externe Hilfe angewiesen. Wer das vermeiden möchte, sollte bereits vor dem Kauf genau hinschauen.
Dieser Artikel erschien zuerst auf blic.rs. Das serbische Newsportal gehört wie Blick zu Ringier.