Porsche-Tour macht Südtiroler hässig
«Wir sind kein Disneyland!»

Südtirol hat sich dem Kampf gegen den Massentourismus verschrieben. Umso heftiger fällt die Kritik an einer geplanten Porsche-Tour über zwölf Alpenpässe auf Social Media aus. Der Veranstalter wirbt mit purer Faszination, Anwohner finden die Aktion völlig respektlos.
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Die atemberaubende Natur lockt jedes Jahr Abertausende Touristen ins Südtirol. Doch von den Blechkolonnen haben die Anwohner langsam die Schnauze voll.
Foto: imago/imagebroker

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Südtirol plant ab September 2026 Fahrverbot am Grödner Joch wegen Massentourismus
  • «12-Pässe-Tour» von Porsche-Zentren Berlin löst massive Kritik bei Einheimischen aus
  • Aplenverein Südtirol: «Sind kein Erlebnispark für motorisierte Grenzerfahrungen»
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Andreas EngelRedaktor Auto & Mobilität

Südtirol hat die Schnauze voll vom nicht enden wollenden Touristenansturm. Erst im Mai vermeldeten die italienischen Behörden, dass ab 1. September 2026 ein Fahrverbot für das Grödner Joch gilt. Die berühmte Passstrasse zwischen dem Grödnertal (Val Gardena) und dem Gadertal (Val Badia) wird dann für zwei Monate für den Durchfahrtsverkehr gesperrt, um den Blechkolonnen mit täglich bis zu 11'000 Fahrzeugen Einhalt zu gebieten. Falls sich die Sperre bewährt, soll der Pass ab 2027 zwischen Mai und Oktober dauerhaft für Autos und Töffs gesperrt werden.

Umso heftiger fällt nun die Kritik an einer für September angekündigten «12-Pässe-Tour» durch Südtirol inklusive Helikopterflug über die Dolomiten aus: Die Porsche-Zentren Berlin werben in den sozialen Medien mit «spektakulären Bergkulissen und legendären Passstrassen», die bei dem Ausflug zu einem «einzigartigen Fahrgefühl im Porsche» verschmelzen würden. «Jede Kurve ein Highlight, jeder Moment pure Faszination», versprechen die Veranstalter.

Strassen schon voll genug

Die Faszination für den Edel-Event teilen die Einheimischen nicht. Innerhalb weniger Tage sammelten sich Hunderte, meist negative und wütende Kommentare unter dem entsprechenden Facebook-Beitrag, wie «Focus» jüngst berichtete. Teilnehmern und Veranstaltern wird von vielen Kommentatoren Rücksichtslosigkeit gegenüber Natur, Umwelt und Bevölkerung vorgeworfen. «Wir sind kein Disneyland», lautet etwa ein Kommentar. Ein anderer: «Unser Land ist kein Konsumgut für Störer, nur weil diese Geld haben».

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Während die Einheimischen auf Natur und Nachhaltigkeit achten sollen, dürften sich die Touris alles erlauben. Das sei völlig respektlos. «Unsere Strassen sind schon voll genug mit Leuten, die nicht fahren können».

Gegenüber dem «Münchner Merkur» bestätigt der deutsche Sportwagenbauer, dass die angebotene Pässe-Tour im Südtirol in Kooperation mit den Porsche-Zentren Berlin durchgeführt werden. Auf die auf Facebook teils heftige Kritik reagiert Porsche laut «Merkur» indes nur indirekt und verweist ganz allgemein auf seine Nachhaltigkeitsstrategie, in der verantwortungsvolles und klimabewusstes Handeln gelobt werden.

Kein Erlebnispark für Raser

Der Alpenverein Südtirol (AVS), der sich schon seit über 20 Jahren für eine wirksame Verkehrsberuhigung auf den Dolomitenpässen einsetzt, übt scharfe Kritik am wachsenden Motorenverkehr: «Die Dolomiten sind kein Erlebnispark für motorisierte Grenzerfahrungen», lässt sich AVS-Präsident Georg Simeoni in einer Mitteilung zitieren. «Wer hier kurzfristige Profite über den Schutz dieses einzigartigen Naturraums stellt, handelt unverantwortlich gegenüber kommenden Generationen.»

Andere Südtiroler Touri-Hotspots haben den Kampf gegen den Massentourismus schon länger aufgenommen: So ist die Zufahrt zum traumhaft gelegenen Pragser Wildsee seit 2022 nur mit vorheriger, kostenpflichtiger Reservierung möglich. Und im benachbarten Tirol in Österreich ist es an bestimmten Tagen (Wochenenden, Feiertage) während der Sommer- und Wintersaison verboten, die Autobahnen und Hauptstrassen zu verlassen, wenn kein regionales Ziel angesteuert wird.

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