Darum gehts
- Leapmotor will 2026 SUV B10 im Stellantis-Werk in Saragossa (Spanien) produzieren
- Zölle erfordern 70 Prozent lokale Wertschöpfung für europäische Produktion
- Ziel: 4 Millionen Autos jährlich – Platz 7 oder 8 weltweit
Leapmotor will dieses Jahr eine Million Autos verkaufen. Dank Verkäufen in China oder auch auf internationalen Märkten wie Europa?
Zhu Jiangming: Natürlich kommt der grösste Beitrag vom Inlandsmarkt. Aber auch in Europa planen wir mit einem Wachstum von 15 Prozent.
Werden Sie den Fokus auf die lokale Produktion in Europa verlagern oder weiterhin hauptsächlich in China produzieren?
Die Produktion in China ist sinnvoll, da wir hier die Wertschöpfungskette sehr gut kontrollieren und 65 Prozent des Wertes jedes von uns hergestellten Autos kontrollieren. Doch welche Entscheidung wir auch treffen, sie wird stets auf grösstmöglicher finanzieller Effizienz basieren.
Sie wollen das Stellantis-Werk im spanischen Saragossa auslasten. Welche Leapmotor-Modelle werden dort gebaut?
Um die europäischen Zölle zu umgehen, die einen Mindestanteil von 70 Prozent lokaler Wertschöpfung vorschreiben, wird die Produktion vollständig lokal erfolgen. Wir werden unsere ersten spanischen Fahrzeuge noch vor Ende 2026 ausliefern, beginnend mit dem SUV B10.
Wollen Sie die Zusammenarbeit mit Stellantis weiter intensivieren – etwa mit der gemeinsamen Nutzung von Plattformen und Batterien?
Wir werden alle Synergiemöglichkeiten prüfen, die für beide Seiten von Vorteil sein können. Wird es Opel oder Fiat mit Leapmotor-Plattformen oder -Batterien geben? Ich schliesse diese Möglichkeit nicht aus, aber im Moment sind es nur Möglichkeiten.
Chinas Marken profitieren in Europa hauptsächlich, weil sie günstiger als europäische Marken sind. Wird sich das ändern?
Da chinesische Technologie an Bekanntheit und Kunden gewinnt, ist klar, dass dieser Faktor an Bedeutung verliert. Diese Entwicklung beobachten wir auch im Mobilfunksektor.
Wird China bei der E-Mobilität einst so sehr für Innovation und Kompetenz stehen, wie die deutschen Marken jahrzehntelang beim Verbrenner?
Das geschieht bereits heute in der Produktion von Batteriezellen, E-Motoren und zugehörigen Plattformen. Aber wir wissen nicht, wie sich die Zukunft entwickeln wird. Es ist eine sehr wettbewerbsintensive und sich ständig wandelnde Branche.
Experten prognostizieren einen Rückgang chinesischer Hersteller und Marken. Welches Produktionsvolumen muss Leapmotor für eine gesicherte Zukunft erreichen?
Um in die Top Ten der weltweit grössten Autohersteller zu kommen, brauchts ein Produktionsvolumen von mindestens 3,5 Millionen Autos pro Jahr. Wir möchten mit rund vier Millionen Einheiten künftig zu dieser Elitegruppe gehören und liebäugeln mit Platz 7 oder 8. Aktuell gibts in China rund 17 grosse Produktionskonzerne. Und ich denke, dass in Zukunft fünf oder sechs chinesische Hersteller unter den zehn grössten Autoherstellern weltweit vertreten sein werden. Das bedeutet, dass dann 50 bis 80 Prozent aller weltweit gebauten und verkauften Autos aus China kommen.